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Die Soli-Landwirte vom Meisterhof

 Valentin Kätzl bewirtschaftet derzeit sieben Hektar. Vor zwei Jahren hat er mit der solidarischen Landwirtschaft im Nebenerwerb begonnen. Zur Community gehören derzeit 18 Personen, rund 50 sollen es einmal werden.
Valentin Kätzl bewirtschaftet derzeit sieben Hektar. Vor zwei Jahren hat er mit der solidarischen Landwirtschaft im Nebenerwerb begonnen. Zur Community gehören derzeit 18 Personen, rund 50 sollen es einmal werden. © Foto: MOZ/Ulf Grieger
Ulf Grieger / 05.02.2014, 07:52 Uhr - Aktualisiert 05.02.2014, 08:01
Friedrichsaue (MOZ) Auf dem alten Meisterhof der Friedrichsauer Zuckerfabrik bauen Valentin Kätzl und Kirstin Gericke eine Hof im Rahmen der Solidarischen Landwirtschaft auf. 18 Personen aus Frankfurt haben sich bereits an dem Projekt beteiligt.

Das Konzept kommt aus den USA und ist doch eigentlich uralt: Ein landwirtschaftlicher Betrieb ernährt mehrere Leute, die ihrerseits dafür sorgen, dass der Betrieb funktionieren kann. Dafür schießen die Mitglieder der Gemeinschaft (Community) die Betriebskosten vor und bekommen bei der Ernte Anteile. Dabei sind sie aber auch am Risiko beteiligt. Ist die Ernte verhagelt, fällt sie entsprechend kleiner aus. Gibt es eine gute Ernte, profitieren alle davon.

Valentin Kätzl und Kirstin Gericke waren 2006 auf den verfallenden Meisterhof der Zuckerfabrik gezogen. "Ich wollte mich immer schon mit Landwirtschaft beschäftigen", erzählt Kätzl, der bei Rosenheim südlich von München aufgewachsen ist. Die Großeltern hatten eine Landwirtschaft. Damit ist er groß geworden. Hauptberuflich ist er noch als Bauhandwerker im Messebau beschäftigt. Aber wenn es mit der solidarischen Landwirtschaft klappt, will er sich ganz darauf konzentrieren. Deshalb nutzt er jetzt die Winterzeit, um die Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister zu absolvieren. Erfahrungen hat er bereits einige Jahre als Nebenerwerbslandwirt gesammelt.

Sieben Hektar groß ist die Bewirtschaftungsfläche bislang. Darauf will er nun nach Demeter-Richtlinien spezielle Getreidearten anbauen, die von der Neuköllner Demeter-Bäckerei "Märkisches Landbrot" verarbeitet werden sollen. Bislang hatte die Community in ihren Erntekörben vor allem Salat, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Spinat und Mangold. Und Eier von den Hühnern der Rasse Solmtaler, die neben den Laufenten das weiträumige Gehöft bevölkern.

Zum Konzept der Solidarischen Landwirtschaft gehört auch, dass die Mitglieder der Gemeinschaft regen Anteil an der Produktion nehmen können. Das war im ersten Jahr bereits der Fall. "Aber so, dass die Leute ihren Urlaub hier verbringen, ist es noch nicht", sagt der Landwirt. Auf anderen Höfen des europaweiten Netzwerkes der Solidarischen Landwirtschaft, wie zum Beispiel der Rüdnitzer "Wilden Gärtnerei", ist das bereits üblich.

Kirstin Gericke, die Waldorfpädagogin, Entspannungstherapeutin und Mutter von zwei Töchtern ist, hilft nicht nur in der Landwirtschaft. Sie trägt auch dazu bei, dass der Hof an künstlerischer Originalität gewinnt. Eine ihrer Skulpturen, ein lustiger Frauentorso, ziert den Kräutergarten.

Die Familie hat in Friedrichsaue eine schwere Zeit hinter sich. Doch das Leben in Provisorien weicht immer mehr geordneten Verhältnissen. "In Friedrichsaue sind wir gut aufgenommen worden", sagt Kätzel. Und das, obwohl bekanntlich Leuten, die aus der Fremde kommen und zudem noch andere Lebensauffassungen haben, natürlich zunächst erst mal mit Skepsis begegnet wird. Aber mit Initiativen wie der Friedrichsauer Lichternacht, zu der Kirstin Gericke wunderbare Laternen-Installationen fertigte, haben sie sich rasch bekannt gemacht. Vor allem seinem Nachbarn Helmut Hulitschke zollt Valentin Kätzl Respekt.

Auf dem Hof soll es Schritt um Schritt weitergehen. So sei geplant, auch Bienen zu halten und Streuobstwiesen zu pflegen. Letzteres hat dort Tradition. Zur MOZ-Leser-Wanderung durch Sanssouci hatte Helmut Hulitschke die Teilnehmer durch die Streuobstwiese der Zuckerfabrik geführt.

Kontakt zu Valentin Kätzl Mobil: 0177/4035670 oder mail@ganelli.de Internet: www.solidarische-landwirtschaft.org/konzept

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