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Neue Ausstellung zeigt Feldpost

Detektive der Geschichte: Bärbel und Horst Simon vom Cold War Museum im Kunersdorfer Bunker bereiten ihre neue Ausstellung zu Feldpostbriefen aus dem Jahr 1944 vor
Detektive der Geschichte: Bärbel und Horst Simon vom Cold War Museum im Kunersdorfer Bunker bereiten ihre neue Ausstellung zu Feldpostbriefen aus dem Jahr 1944 vor © Foto: Bernhard Franz
Nadja Voigt / 06.02.2014, 07:50 Uhr
Kunersdorf (MOZ) In seiner neuen Ausstellung präsentiert das Cold War Museum im Bunker Kunersdorf Feldpostbriefe aus dem Jahr 1944. Damit wollen Bärbel und Horst Simon an die Invasion der Westallierten in der Normandie erinnern, die sich in diesem Jahr zum 70. Mal jährt.

Die Eröffnung der neuen Ausstellung im Kunersdorfer Bunker ist für den 30. Mai geplant. Dann sollen auf 32 Ausstellungstafeln Feldpostbriefe aus dem Jahr 1944 präsentiert werden. Kuratiert haben die Ausstellung Bärbel und Horst Simon vom Cold War Museum.

Durch einen glücklichen Umstand sind die beiden Berliner an die Briefe gekommen. "Alain Dornier wurde 1940 in der Normandie geboren. Seine Eltern fanden die Posttasche eines Wehrmachtsoldaten und nahmen sie an sich. Nach der Auswanderung nach Kanada und dem Tod der Eltern fand Alain Dornier die Posttasche mit allen Briefen darin", erzählt Bärbel Simon die unglaubliche Geschichte, wie die Briefe nach 68Jahren wieder nach Frankreich zurückkehrten. Denn über die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht in Berlin ließen sich in langwieriger Arbeit einige Angehörige von Adressaten ausmachen.

Von ihnen bekam das engagierte Berliner Ehepaar, das im Kunersdorfer Bunker bereits die Ausstellungen zur Berliner Luftbrücke, zur Berliner Mauer und den Westalliierten Verbindungsmissionen im Fokus der Staatssicherheit organisierte, das Material für die neue Ausstellung zur Verfügung gestellt. Darunter herzergreifende Liebesbriefe und der eines kleinen Mädchens an seinen Vater. "Unser Elfriede-Brief", sagt Horst Simon und arbeitet sich vorsichtig durch den Stoß von 75 Feldpostbriefen. Elfriede ist heute knapp 80 Jahre alt. "Und es war sehr bewegend für sie, den Brief, den sie als Neunjährige an ihren Vater schrieb, wieder in den Händen zu halten", erzählt Bärbel Simon.

Bewegend sind auch die Schilderungen der Frauen, die die Situation in der bayerischen oder sächsischen Heimat schildern. Manche lang und eng beschrieben, manche kürzer und verblasst, in lateinischer Schrift oder noch in Sütterlin. Ergreifend auch der Liebesbrief an den Gefreiten Stanislaus von seiner Frau aus der Gegend um Krakau. "Und alle sind in den Kriegswirren 1944 mit der Posttasche verloren gegangen", erzählt Horst Simon. Stationiert waren die Männer in Caen und Falaise in der Normandie.

Mit seiner Frau gemeinsam hat Horst Simon die Briefe gesichtet und ausgewählt, welche in der Ausstellung präsentiert werden. Unter den Überschriften "Front", "Heimat" und "Privat" werden sie ab dem 30. Mai der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zusammen mit Fotos und einer zeitlichen und geografischen Einordnung, die die beiden recherchiert und zusammengetragen haben.

Die Absender der Feldpost wussten damals selbst nicht genau, wo ihre Angehörigen im Feld waren. "Sie hatten nur die Feldpostnummer", erklärt Bärbel Simon den Vermerk auf den Briefen. Und eine weitere Bemerkung findet sich oft darauf: "Zurück an Absender". "Das bedeutete, dass derjenige entweder gefallen oder in Gefangenschaft geraten war", ergänzt Horst Simon. In Falaise und Caen fanden 1944 erbitterte Kämpfe statt - mit tausenden Gefallenen, Verwundeten und Vermissten auf beiden Seiten. In der Ausstellung soll dabei auch das Leid der deutschen und der französischen Bevölkerung dargestellt werden.

Das Projekt wird mit Mitteln der Landeszentrale für politische Bildung in Potsdam gefördert und von der Französischen Botschaft unterstützt. Schirmherr des Projektes ist der Amtsdirektor des Amtes Barnim-Oderbruch, Karsten Birkholz.

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