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"Osanna" platzt in Innsbruck

Panne beim Glockengießen: Nachdem die 1084 Grad heiße Bronzemasse aus dem Schmelzofen in die Form floss, platzte diese plötzlich. Die Ursache ist noch ungeklärt.
Panne beim Glockengießen: Nachdem die 1084 Grad heiße Bronzemasse aus dem Schmelzofen in die Form floss, platzte diese plötzlich. Die Ursache ist noch ungeklärt. © Foto: FOTO Michael Benk
Annette Herold / 07.02.2014, 18:58 Uhr - Aktualisiert 08.02.2014, 08:15
Innsbruck (MOZ) Der Guss der neuen großen Glocke für St. Marien im österreichischen Innsbruck ist im ersten Anlauf misslungen. Die mit flüssiger Bronze gefüllte Glockenform ist am Freitag überraschend gerissen. Ohne Zwischenfälle wurden dagegen die beiden kleineren Glocken gegossen.

 

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Neue Glocken für St. Marien

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Gegen 11 Uhr war die Anspannung in der großen Halle fast mit Händen zu greifen. Glockengießer Peter Grassmayr hatte den etwa 60 Frankfurtern gerade erklärt, dass die Herstellung der knapp fünfeinhalb Tonnen schweren Glocke für das Innsbrucker Traditionsunternehmen eine Herausforderung darstelle. Nicht etwa nur wegen ihrer Größe, sondern auch weil die Seitenwände vergleichsweise dick ausfallen sollten.

Am Freitagvormittag sollte die große Glocke für St. Marien in Frankfurt (Oder) in Innsbruck gegossen werden. Die mit flüssiger Bronze gefüllte Glockenform riss jedoch. Zwei kleiner Glocken konnten allerdings gegossen werden.
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Guss der Kirchenglocken

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Wie geplant lief die 1084 Grad Celsius heiße Bronzemasse aus dem Schmelzofen das Rinnwerk hinab in die aus Lehm und Ziegeln bestehende und mit Eisen umringte Form. Diese war bis obenhin gefüllt, als sie plötzlich platzte. Über die Ursache konnte der Glockengießer zunächst keine Aussage treffen. Wo die Form gerissen ist, herrsche ein enormer Druck, sagte Peter Grassmayr. Möglicherweise habe ein Eisenring diesen Kräften nicht standgehalten. "Wir werden jetzt von vorn beginnen." Ob die Glocke nun noch wie geplant schon zu Pfingsten wieder in Frankfurt erklingen wird, könne er jetzt noch nicht sagen.

Die Frankfurter Gäste, die Kirchgemeinde und Stadt vertraten, nahmen die Nachricht gefasst auf. "Wir haben das 1371 geschafft und wir werden es auch jetzt schaffen", erinnerte Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) an den Guss der originalen Glocke, die ebenfalls als "Osanna", abgeleitet vom biblischen "Hosianna" (Ruf der Freude, des Jubels) bezeichnet wurde. An die Gießer gewandt, sagte Wilke: "Wir wissen, dass das beim nächsten Mal funktioniert."

Die Gießerei, die für einen Auftrag dieser Größe als eine von wenigen in ganz Europa überhaupt in Frage kam, gibt es seit 1599. Eine Glocke wie die "Osanna", immerhin fast fünfeinhalb Tonnen schwer, gehört aber auch für die Grassmayrs und ihre Angestellten nicht zum Alltagsgeschäft. Deshalb gab es auch zwei Gusstermine an einem Tag.

Der zweite Termin am Nachmittag verlief ohne Zwischenfälle. Neben den beiden kleineren Frankfurter Glocken, die die Namen Hedwig und Adalbert tragen sollen, wurde dabei auch für eine Gemeinde koptischer Christen in Ägypten sowie für Kirchen in Russland, Rumänien und Österreich gegossen. Die beiden neuen Frankfurter Glocken werden nun aber in Innsbruck bleiben, bis die "Osanna" fertig ist.

Ob der Guss gelungen ist, wird sich zeigen, sobald die Glocken aus der Form genommen werden können. Dann erst wird auch das Zusammenspiel des Festgeläuts überprüft. Die Mittelglocke - die nur erhalten ist, weil sie im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen werden sollte, es aber nicht wurde - ist dafür eigens von Frankfurt nach Innsbruck gebracht worden.

365 Einzelspenden und das Engagement von Sparkasse und Sparkassenstiftung haben den Glockenguss ermöglicht. So kamen 360 000 Euro zusammen. 150 000 Euro hat die Stadt für die Herrichtung des Glockenturms beigesteuert.

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V. Komarowski 09.02.2014 - 11:47:50

Fragen über Fragen@MARCO HABECK

Wie viele Straßenzüge und Häuser hat der Kommentator Habeck in Frankfurt (Oder) saniert, Spielplätze gebaut und Grünflächen angelegt? Oder, wo hat er unentgeltlich Blumen in FFO gepflanzt? Welche Taten gab es noch für die Stadt an der Oder? Man kann sehr zufrieden sein, dass es Bürger und Unternehmer gibt, die Positives für diese Stadt leisten. Sichtbar die Lebensqualität und das Stadtbild verbessern. Etwas angelehnt: "Jeder hat das Recht ein Bauunternehmen zu gründen, sich an Ausschreibungen zu beteiligen, das unternehmerische Risiko zu tragen und wenn er Pech hat in die Insolvenz zu gehen". Natürlich kann er auch erfolgreich sein! Es war schon immer so, Neid muss man sich erarbeiten!

Frank Furzki 08.02.2014 - 21:57:40

Ich bin

nicht kleingeistig, querulant oder neidisch und habe auch nichts gegen die Glocken. Ganz im Gegenteil. Ich habe nicht unerheblich für St. Marien gespendet. Es würde mich deshalb einfach nur interessieren, von welchem Geld der illustre Ausflug nach Innsbruck bezahlt wurde. Ich hoffe nicht, dass meins da mit drin steckt. Es würde nämlich meine Entscheidung, mich künftig für ähnliche Projekte zu engagieren, erheblich beeinflussen.

Marco Habeck 08.02.2014 - 20:26:45

Das der Turm nicht einstürtzt ist klar

Mit Schwingungen ist dann auch er der Schall gemeint der sich ausbreitet. Da die Glocke weit oben hängt wird sich unten nicht all zu viel tun. Allerdings könnte das Rings herum durchaus anderes sein. Wenn da Tonnen hin und her wackeln gerät schon einiges in Bewegung. Sie werden es schon so gebaut haben das es keine Schäden an der Kirche gibt. Denkmalschutz und Statiker werden wohl ihre Arbeit getan haben. Ich habe nichts das der OB dabei ist. Auch nicht das Familie Schönherr "Zufällig" dort Urlaub macht. Allerdings kann ich mir dazu eine gewisse Ironie nicht verkneifen. "Zufällig ... " Ich finde es auch großartig das es so viele Spenden gab. Allerdings ist es in Frankfurt so das man eben nur zur Hälfte darüber nachdenkt. Sie den Ballspielplatz an der Schule. Wir werden sehen ob meine Befürchtungen sich bewahrheiten. Rechtlich wäre die Sache sehr interessant. Da das Geläut nicht der üblichen Ausübung eine Religion dient. Die Frage wird auch sein, wann ertönt das Geläut überhaupt ? Stündlich ? Oder nur zu besonderen Anlässen. Darüber ist nämlich nichts zu erfahren.

Bimm - Bamm 08.02.2014 - 18:33:10

OBJEKTIV BLEIBEN !

Die Marienkirche und die sie umgebenden Gebäude sind nicht durch die Schwingungen der Glocken eingefallen, sondern durch die Ein-oder Auswirkungen des 2. Weltkrieges. So werden auch zukünftig beim zu erwartenden Glockengeläut keine Schäden auftreten. Diese Glocken werden ein Zugewinn der Kultur in Frankfurt an der Oder sein. So bekommt die Stadt nach über 60 -zig Jahren nach dem Ende des 2. Weltkrieges langsam wieder ein Gesicht. Noch etwas zum kulturellen Umgang. Es gehört in allen Städten dazu, dass Vertreter der Bürgerschaft und der Kirchengemeinde beim Gießen von historischen Kirchenglocken anwesend sind. Nur kein falscher Neid an dieser Stelle. Da nun das große "Maul-Aufreißen" begonnen hat, wäre eine Anmerkung zu den Reisekosten angebracht. Aber auch hier ist es für den Oberbürgermeister als offizieller Vertreter der Stadt, eine Dienstreise . Repräsentation gehört nun mal zum Amt. Vielleicht veranstaltet ein Frankfurter Reiseunternehmer zum zweiten "Glocken-Gieß-Anlauf" , eine Touristenfahrt nach Innsbruck.

merinda landowski 08.02.2014 - 16:16:24

Der Herr Schönherr?

Der Herr Schönherr, welcher DIE Haushaltsrede gegen das Finanzgebahren des OB für die CDU hielt, war mit Familie mitgereist? Ich gehe davon, dass er, wie alle anderen Reiseteilnehmer ihre Reisekosten allein trug. Eine öffentliche Erklärung sollte er für sich und seine Familie, sowie zur Finanzierung der Kosten der übrigen Reiseteilnehmer abgeben. Was zur Zeit an Mittelfreigaben durch die Linke Kämmerin verweigert wird, lässt nur den berechtigten Schluss zu, dass alle auf eigene Kosten gereist sind. Die MOZ sollte es uns auch bestätigen.

Marco Habeck 08.02.2014 - 11:20:44

das Dicke kommt noch

wenn die Glocken erstmals läuten wird. Den Lautsprecher kann man in seiner Lautstärke einstellen. Bei einer Glocke wird das schon schwieriger werden. Die nächsten Schlagzeilen werden sein das dieses Bim,Bam zu laut sein wird. Schon jetzt ist das Elektronische Geläut im Kino hörbar. Die Vibrationen von dem Geläut werden bis unten spürbar sein. So eine Glocke ist was anderes wie ein Lautsprecher, die Fläche die schwingt ist enorm. Auf das was danach kommt bin ich gespannt. Bis her sind die wenigsten Glockenwiederaufbau von juristischen Auseinandersetzungen verschont geblieben. Ich hoffe die Stadt hat ihre Hausaufgaben erledigt? Der OB wird wohl nicht wie Herr Schönherr "zufällig" dort gewesen sein also wird es wohl eine Dienstreise sein. Jetzt darf sich Frau Possardt offiziell Bürgermeisterin nennen ;) .

Bürger von FF 08.02.2014 - 11:20:42

An alle Kleingeister

Was ist passiert? Bürger dieser Stadt haben für die Glocken Geld gesammet und gegeben, die Stiftung der Sparkasse, wohlgemerkt, nicht die Sparkasse selbst - die dummen Kommentare dazu kommen bestimmt - hat die Summe aufgestockt. Eine renomierte erfahrene Gießerei hat die Herstellung der Glocken übernehmen können. Nun ist eine Form gerissen. Dass passiert regelmäßig in jeder Gießerei und ist normales Risiko. Besonders wenn es Einzelstücke sind. Letztendlich wird sie auch diese große Glocke fertig stellen. Dann werden sie in die Marienkirche eingebaut. Und sie werden noch leuten, wenn die hier postenden Kleingeister schon lange lange, hoffendlich friedlich, endschlafen sind.

Frank Furzki 07.02.2014 - 23:50:07

Von welchem Geld

wurde eigentlich die Reise bezahlt?

forumgott 07.02.2014 - 23:26:29

ach - die Stammtischler haben wieder Auslauf

@ ODERBÜRGERMEISTER: Nur mal so zur Info: Beim Nachguß der Dresdner Frauenkirchenglocken mussten gleich 6 Glocken neu gegossen werden, die wollten wohl nicht nach Dresden :) So ein Fehlguß passiert schon mal, vor allem bei einer Glocke vom Gewicht, welches 4 VW Golf entspricht, @ ACHMED NEWANTUK: WAYNE

Achmed Newantuk 07.02.2014 - 21:00:21

Vampire?

"Wir haben das 1371 geschafft und wir werden es auch heute schaffen". Mich fröstelt bei dieser Aussage.Die Vampire, die Unsterblichen scheinen unter uns.Einfach gruselig. Der Unsterbliche, der schon ewig Regierende und Verantwortung tragende sprach zukunftsweisende Worte. Worte für die Ewigkeit, deren Wahrheitsgehalt nur der Unsterbliche in Jahrhunderten auf deren Wahrheitsgehalt überprüfen kann. Wer waren die Anderen ca. 60 Unsterblichen?

Oderbürgermeister 07.02.2014 - 20:52:22

Böses Zeichen

Jetzt wehren sich schon die Glocken, wenn sie nach Frankfurt/Oder müssen. Da helfen nicht mal Wilkes Sprüche und Segen. Eigentlich braucht's nur ein Totenglöckchen im Rathaus. Wenigstens gab es eine schöne Reise und einen Zeitungsartikel.

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