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Uckermärkische Imker beklagen Chemiekeule auf Feldern / Kunden verlangen naturbelassenen Honig

Kampf gegen Bienenfeinde

Spezialtechnik der Imker: Reiner Gabriel (r.), Chef des brandenburgischen Landesverbandes, demonstriert Gerhard Schmid im Landgasthof Schönow den sogenannten Nassenheider Verdunster im Einsatz gegen die Bienenmilben.
Spezialtechnik der Imker: Reiner Gabriel (r.), Chef des brandenburgischen Landesverbandes, demonstriert Gerhard Schmid im Landgasthof Schönow den sogenannten Nassenheider Verdunster im Einsatz gegen die Bienenmilben. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 09.02.2014, 18:54 Uhr
Schönow (MOZ) Einen deutlichen Appell gegen genveränderte Getreidesorten und gegen Pflanzenschutzmittel richten uckermärkische Imker an hiesige Landwirte. Beim Kampf um einen sauberen naturbelassenen Honig suchen die Bienenhalter nach Unterstützung.

Reiner Gabriel kann reden wie ein Entertainer: Leidenschaftlich, schnell, voller Anekdoten und Witz. Wenn der Vorsitzende des Landesverbands brandenburgischer Imker vor seinen Mitgliederreihen referiert, hören alle stundenlang voller Aufmerksamkeit zu. Dabei mischt er Fachwissen über Bienen und deren Haltung mit eigenen Lebenserfahrungen und der großen Politik.

Rund 30 Tagesschulungen hält der unermüdliche Bienenvater jedes Jahr im ganzen Land. Diesmal steht er vor fast 50 Anhängern aus der Uckermark. In jedem zweiten Satz wirbt er für eine gesunde Natur, für einen schonenden Umgang mit Pflanzen, Tieren und Boden, auch für vergessen geglaubte Werte. Altes Imkerwissen gegen Chemiebomben. Die weißen Häupter unter den Zuhörern nicken. Jeder von ihnen kennt die natürlichen und menschlichen Feinde: Pflanzenschutzmittel, genveränderte Getreidesorten, Varroa-Milbe.

Und Gabriel spricht auch unbeliebte Wahrheiten aus. Das von vielen Bauern verwendete Pflanzenschutzmittel Glyphosan sei krebserregend. Es habe mit integrierter Landwirtschaft nichts zu tun. Das Amt für Risikobewertung, das solche Produkte zulasse, sei fehlbesetzt. Und die Varroa-Milbe habe als Bienentöter ihren Siegeszug über die ganze Welt beendet. Um nicht selbst den beliebten Honig zu verschandeln, wirbt der Landeschef der Imker für den Einsatz von wasserlöslichen Säuren, um der Milbe den Garaus zu machen. Wie das geht, führt er im Landgasthof Schönow vor. Der Passower Imkerverein hat ihn hergebeten. Imker aus fünf Vereinen und auch Nichtmitglieder folgten der Einladung.

Und Gabriel überrascht mit einer optimistischen Mitteilung. Zwar geht die Zahl der Bienenvölker in Brandenburg immer noch zurück, doch finden sich wieder mehr Imker. Vor allem jüngere, die in die Fußstapfen der Alten treten. Die fangen meist vorsichtig mit drei Völkern an. Später werden es in der Regel mehr. Darauf gründet Reiner Gabriel seine Hoffnung. Allein im vergangenen Jahr wuchs die Imkerzahl um mehr als zehn Prozent. Doch der von einer gesunden Natur geforderte Bedarf von viereinhalb Bienenvölkern pro Quadratkilometer wird momentan mit nur 0,9 Völkern erfüllt.

"Die Leute verlangen von uns einen rückstandsfreien Honig", berichtet Reiner Gabriel. "Den verkaufen unsere Imker weit unter Preis. Denn allein der ökologische Wert durch die Bestäubungsleistung liegt bei acht Euro pro Glas." Hauptberufliche Imker gebe es nur noch 20 in Brandenburg, darunter mindestens zwei in der Uckermark.

Doch inzwischen greifen auch Frauen zur Bienenwabe. Ihr Anteil liegt schon bei 20 Prozent. Die aufstrebende Frauenquote zeigt sich bereits unter den Schulungsteilnehmern im Landgasthof. "Das traditionelle Bild verändert sich", so Gabriel. "Den Frauen geht es dabei gar nicht so sehr um den Honig, sondern um die Frage, in welche Zukunft sie ihre Kinder entlassen."

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