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Eine Medaille aus Peking

Maximilian Levy, Bernau April 2008, Fantalk
Maximilian Levy, Bernau April 2008, Fantalk © Foto:
MOZ / 25.04.2008, 16:59 Uhr
Bernau Es schien, als wäre das aktuelle Sportstudio nach Bernau gekommen. Radsprinter Maximilian Levy und sein Trainer Eyk Pokorny saßen entspannt auf einer Couch und gaben, unterstützt von Video-Einspielungen, den etwa 30 Besuchern einen Einblick in den Alltag beim Bahnradfahren: hochinformativ, persönlich und sympathisch.

Levy, der vom Rad-Verband als einer von fünf Radsprintern für die Olympia-Startplätze in Peking nominiert wurde, hat sich gerade in Bernau um einen neuen Reisepass bemüht. Offiziell wird der DOSB Ende Mai seine Teilnehmer bekannt geben.

Mit Gastgeber Josef Keil, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Barnim, Bernaus Bürgermeister Hubert Hanke und Levys früheren Berliner Trainer Erich Mechsner spann sich ein roter Themen-Faden von den Anfängen eines Radknirpses in Berlin und Bernau, über den Umzug in die Sportschule Cottbus als 13-Jähriger, bis zu den fünf WM-Titeln im Juniorenbereich und dem Übergang in die Welt des Leistungssports bei der Männer-Elite als Europameister.

Ex-Trainer Erich Mechsner berichtete, dass er zwar anfangs seine Zweifel hatte, ob Radsport das richtige für Levy sei. Aber spätestens bei einem Temporundenfahren im Velodrom, wo der Bernauer ständig punktete, offenbarte sich das Talent. Später hat Mechsners Sohn Falk den Rad-Eleven betreut. "Der Max war sehr geschmeidig, wie ein Schlangenmensch", beschrieb Mechsner. "Ja, statt Tour de France wurde es halt die Bahn, ich komme eben nicht gut über die Berge", fügte der Rad-Sprinter an.

"Max kann lange hohes Tempo von der Spitze gehen, wir sind aber noch nicht da, wo wir hin wollen", erläuterte der jetzige Trainer Eyk Pokorny. Für ihn sei es eine Ehre gewesen, im August 2007 die Verantwortung für den talentierten Sportler zu übernehmen, als der vorherige Trainer René Schmidt an das UCI-World Center in die Schweiz gegangen war.

Die Rückschläge im vergangenen Jahr mit Viruserkrankungen und der Bandscheiben-Operation im seien ein richtiger Schlag gewesen. "Wir waren ganz unten." Doch der Sportler brachte sich mit Hilfe von Arzt Hans Riedl und speziellen Fitnessübungen wieder aufs Rad und schafft die Norm für Peking. "Ja, ich bin schon sehr ehrgeizig", sagte Levy über sich selbst. "Es ist wohl auch meine Willensstärke, die mich auszeichnet."

Wie sollte sonst ein 20-Jähriger eine ganze Woche nur für Leistungssport absolvieren, sieben Tage in der Woche, um mit den besten Männern der Welt um die Wette zu fahren.

Dazu kommt die Schule. Seit kurzem ist es eine gestreckte Ausbildung bei Vattenfall als Industriekaufmann. "Training, Wettkämpfe und Ausbildung zusammen sind derzeit eine hohe Belastung, aber es ist eben auch notwendig, sagt der Sportler. Privatleben bleibt so kaum: "Eine Freundin, ja - auf die Piste gehen, kommt aber nicht in Frage. Ich brauche spätestens ab 11 Uhr meinen Schlaf", sagt er.

Aber Bahnradfahren ist außer beim Sechstagerennen nicht lukrativ, erfordert großen Zeitaufwand und kostet Geld. 236 Euro Ausbildungsvergütung bekommt der Sprinter, dazu Unterstützung von der Deutschen Sporthilfe, die Förderung als Kader-Athlet und weiteres Geld aus vielen kleinen Töpfen; unterm Strich gerade genug. Die Weltcups und Weltmeisterschaften sind im Winter. So müssen auch Reisen ins Trainingslager in den Süden absolviert werden. "Das Training verläuft zu je einem Drittel auf der Straße, auf der Bahn und im Kraftraum", erläuterte Pokorny.

Damit der Leistungssport möglichst professionell auf internationaler Augenhöhe betrieben werden kann, wurde das Sparkassen Team Brandenburg gegründet, das Manager Rainer Jeschonek koordiniert. Es kooperiert mit dem Radsportverband des Landes, den Olympiastützpunkten Cottbus und Frankfurt (Oder) und Wirtschaftsunternehmen. "Die Sparkasse leistet hier einen enormen Beitrag, denn sonst wären einige Brandenburger Rad-Talente wohl in andere Bundesländer abgewandert", sagte Jeschonek.

So waren Levy und seine Mitstreiter beispielsweise gerade bei Windkanaltests an der TU Dresden, um den Fahrwiderstand auf dem Rad zu optimieren. Auch dadurch werden Sekunden herausgefahren.

Unerlaubte Mittel bringen dagegen den Sport in Verruf. "Doping ist ein großes Problem im Profi-Männerbereich. Aber man gerät ja schon unter Verdacht, wenn man ein Rennen gewinnt", ärgerte sich der erfolgreiche Athlet. Er wird ständig unangemeldet kontrolliert und muss seinen Aufenthaltsort stets mitteilen. "Jeden Tag muss ich damit rechen, dass die Fahnder früh am Morgen an meiner Tür klingeln. Aber das gehört im Leistungssport auch dazu."

Nun lockt Olympia, und auf die Frage, ob denn eine Medaille drin sei, kam aus dem Publikum ein vielstimmiges, überzeugtes: "Na klar". Auch Trainer Eyk Pokorny sieht dies als realistisch an. "Wenn alles optimal läuft, kann es trotz der starken Konkurrenz klappen". Er wünschte sich, dass sein Schützling in der Qualifikation eine Topzeit vorlegen kann, um die Konkurrenz zu schocken. Die Deutschen werden sich im Lande auf die Spiele vorbereiten, es stünden noch einige Aufgaben auf dem Terminplan. Der sichtlich begeisterte Gastgeber Josef Keil fügte unter Beifall an: "Auch ohne eine Medaille ist so sympathischer Sportler immer willkommen."

Für den 20-Jährigen war bisher kaum Zeit, von Olympia zu träumen. "Ich musste erst einmal den Schritt machen, mich zu qualifizieren", sagte er. "Aber wenn ich nach meinen Rennen ein Spiel mit US-Basketballern sehen könnte, würde es kribbeln."

Maximilian Levy (20): Erfolge: Junioren: 5xWeltmeister, 2x Europameister, 3x Deutscher Meister, Sieger Weltcup 2005, Deutschlands Sportler des Jahres 2005; Elite: 3. WM 2007 Teamsprint, 2x Europameister, 1x EM-Silber, 2x EM-Bronze

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Eyk Pokorny (38): von 1990 bis 2001 Mitglied der Nationalmannschaft des Bundes Deutscher Radfahrer. 8x Deutscher Meister, 5x Weltcupsieger, 2x Weltmeister, 3x Vizeweltmeister und 3x Europameister im Radsprint, Tandemsprint bzw. Olympischen Sprint, Teilnehmer an Olympischen Spielen.

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Team Brandenburg: Maximilian Levy, Charlene Delev, Sabine Bretschneider, Paul Kanzler, Philipp Thiele, Florian Karge: bisher 34 nationale und internationale Medaillen im Elite- und Juniorenbereich; Trainer Eyk Pokorny; Manager Rainer Jeschonek(jfu)

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