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Regionaltour des Wirtschaftsministers in Schwedt / Netzausbau betrifft alle Bereiche und Landkreise

Energie verändert Gesellschaft

Der Netzausbau betrifft alle Bereiche und Landkreise.
Der Netzausbau betrifft alle Bereiche und Landkreise. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 20.02.2014, 07:50 Uhr
Schwedt (os) Obwohl in den Landkreisen Uckermark und Barnim so viel Energie wie nie zuvor produziert wird, steigen die Energiekosten für alle Verbraucher. Gerade hier wie auch in ganz Brandenburg reißen Strom- und Heizkosten enorme Löcher in die Kassen.

Im Kleinen lässt sich das ganze Dilemma der großen bundesdeutschen Energiesorgen darstellen: Die Region Uckermark-Barnim kann jetzt schon ihren eigenen Strombedarf zu 250 Prozent aus eigener Produktion decken. Der überwiegende Teil geht rein rechnerisch in große Ballungsräume. Doch der benötigte Wärmebedarf kann nicht mal zur Hälfte selbst erzeugt werden, kommt also von auswärts. Betrachtet man allein die erneuerbaren Energien, so könnten sie 120 Prozent des Strombedarfs in Uckermark und Barnim decken. Bei der Wärme sind es nur zehn Prozent.

Fazit: Gerade die Energieströme sind ein wichtiger Kernpunkt der bundesdeutschen Energiewende. Seit einigen Jahren beherrscht das Thema sogar Gemeindevertretungen in entlegensten Dörfern. Der Bau der neuen Stromtrasse von 50Hertz Transmission, die Opal-Gasleitung oder der neue Windplan für Uckermark und Barnim zeigen, dass Übertragung, Speicherung und Verteilung von Energie eine wachsende Rolle bei gegenwärtigen Investitionen spielen. Bei der vom brandenburgischen Wirtschaftsministerium einberufenen Energietour an den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt diskutierten Experten aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik die Auswirkungen von Windkraft, Netzausbau und steigenden Energiekosten.

Als existenziell bezeichnet der Schwedter Bürgermeister Jürgen Polzehl die Energiefrage für die Uckermark. Er führt fehlende Ansiedlungen darauf zurück, dass hierzulande die höchsten Netzentgelte zu entrichten sind. Die Preise würden Investoren abschrecken. Gleichzeitig verlangt er eine höhere Akzeptanz von Windrädern in der Bevölkerung. Dies könne nur erreicht werden, wenn sie von den Erlösen partizipieren könnten.

Der Ausgang der Diskussion um das Erneuerbare-Energien-Gesetz werde die Region Uckermark und Barnim in jeder Hinsicht treffen, so Uckermark-Landrat Dietmar Schulze. Mit enormen Freiflächenanlagen der Photovoltaik wie in Groß Dölln, mit einem großen Anteil an Windeignungsgebieten, der gerade erweitert werden soll, sowie mit 27 Biogasanlagen sei es jetzt schon eine "sehr energetische Region", so Schulze. Er verwies auf gewünschte Symbiosen wie zum Beispiel die Beseitigung von Altlastenflächen durch Standorte erneuerbarer Energien oder die Nutzung von Gärresten aus der Biogas-Produktion für die Landwirtschaft.

Bei künftigen Entscheidungen zum Netzausbau und bei allen Regularien des Staates müssten die technischen Fähigkeiten privater Anbieter mit den Vorteilen der öffentlichen Hand verbunden werden, so Bodo Ihrke, Chef der Regionalen Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim. Er wünscht sich vom brandenburgischen Wirtschaftsminister bessere Anreizsysteme für Verbraucher und Produzenten.

Wirtschaftsminister Ralf Christoffers schenkt allen Beteiligten in den Regionen reinen Wein ein. Ohne Windkraft auf dem Lande würden die Energieziele nicht zu schaffen sein. Wenn man Industrieland bleiben wolle, müsse man die Energiewende bewältigen. Über Finanzierungskonzepte der Energiewende sei zu spät mit der Diskussion begonnen worden. Zukünftige Kosten und Lasten dürften nicht auf zu wenige Schultern verteilt werden.

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Hans-Jürgen Klemm Sprecher BI "Hände weg vom Liepnitzwald" 22.02.2014 - 17:09:02

Hände weg vom Liepnitzwald!

Ab April wird der überarbeitete Teilflächenplan "Windenergie und Rohstoffsicherung" von der Regionalplanung für die Landkreise Uckermark-Barnim öffentlich ausgelegt werden. Aus Ermangelung freizügig überplanbarer Flächen zur Erfüllung der Potsdamer Vorgabe, 2% der Fläche für Windkraftwerke darin auszuweisen, wurden die Akzente in die Wälder, in Landschaftsschutzgebiete und ebenso Erholungszonen hinein verlegt. Die Erholungsgebiete wurden dafür in drei Zonen aufgeteilt, wobei die Zone III als entbehrlich auserkoren wurde und für die Ausweisung von Windeignungsgebieten in Anspruch genommen werden soll. Ebenso werden fortan nicht nur Kiefernplantagen u.ä. intensiv bewirtschaftete Forsten in die Planungen einbezogen, sondern auch Mischwälder aller Art. Dass selbst vor hochwertigen klimaplastischen Waldbeständen nicht halt gemacht wird, dass erleben wir derzeit im Barnimer Naturpark am Liepnitzsee bei Wandlitz. Auf Grund der Hartleibigkeit der Planer und Regionalräte haben wir daher eine Petition an den Start gebracht, welche den "Chefplanern" in der Bundesregierung einen Fingerzeig geben soll, Ihr Tun zu überdenken und zukünftig die letztendlich auch Ihre eigene Lebensqualität verändernden Auswüchse eines um sich gegriffenen regelrechten Windwahns zu bremsen. Wir fordern daher: Deutscher Bundestag und Bundesrat: Stopp der Genehmigung von Windeignungsgebieten in Wäldern Wir bitten Sie, sich dieser Forderung unter dem Link anzuschließen: http://www.avaaz.org/de/petition/Deutscher_Bundestag_und_Bundesrat_Stopp_der_Genehmigung_von_Windeignungsgebieten_in_Waeldern/

R.Ebeling 21.02.2014 - 07:50:24

@ Eberhard Discher

Die Niederlande schieben Energiewende vor sich her. http://www.iwr.de/news.php?id=24130 Holland galt traditionsgemäß schon immer als Land der Windmühlen und hat trotzdem sein Ziel an EE von 16% auf 14% gesenkt. Warum wohl?

Eberhard Discher 20.02.2014 - 18:16:20

@ R. Ebeling

Großauftrag aus Holland www.iwr.de www.iwr.de/news.php?id=25659

R.Ebeling 20.02.2014 - 14:18:13

Ergänzung zur Veranstaltung Energiestrategie2014 in Schwedt

Mit eines der größten Themen auf der Veranstaltung waren die Kosten. Deindustrialisierung war eines der gefürchteten Begriffe die genannt wurden. Herr Christoffers führte an das Industrierabatte überprüft werden müssten. Die Kosten der Energiewende dürfen nicht auf wenige verteilt werden, da sich Firmen jetzt unabhängig vom Strommarkt machen wollen und viele sich selbst mit Strom versorgen wollen. Kosten der Energiewende werden auch Kommunen spüren. Die deutschen Industriestrompreise liegen um ca. 20 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Für hohe klimapolitische Ambitionen mit geringem Nutzen bezahlen wir in Deutschland für den Ausbau der erneuerbaren Energien bisher mehr als 260 Milliarden Euro.(Quelle: Unternehmerverband). Windenergie leistet nur einen kleinen Beitrag zur Energieerzeugung, es sind nur 1,2% des Primärverbrauchs, obwohl die Nord-Länder schon gut aufgestellt sind. Es gibt eben ein Unterschied zwischen Arbeit und Leistung einer Anlage. Der immer über die Brauchbarkeit neuer Technologien entscheidende Knackpunkt ist aber jeweils die Antwort auf die Fragen nach den Kosten, nach der Praktikabilität. Ein weiter Schwerpunkt war, dass die Voraussetzung für weiteren Ausbau die Systemintegration ist. Schon jetzt müssen im Regionalbereich der E.DIS für 2249h = 94Tage Netze bzw. UW aus Stabilitätsgründen abgeschaltet werden. Wie sinnvoll ist es trotzdem weitere Windräder aufzustellen und damit die Stabilität des Stromnetzes zu belasten? Herr Müller stellte dazu sein Konzept des „Power to Gas“ vor, was erstmal grundsätzlich funktioniert aber auch hier gilt: Der immer über die Brauchbarkeit neuer Technologien entscheidende Knackpunkt ist aber jeweils die Antwort auf die Fragen nach den Kosten, nach der Praktikabilität. Weitere konventionelle Kraftwerke bleiben notwendig und betriebswirtschaftlich sind keine Gaskraftwerke möglich. Ein weiterer Punkt der nicht vergessen werden darf: Ohne europäischen Kontext wird die Energiewende schwierig. Polen und Holland sind sehr brüskiert, über die Auswirkungen auf Ihre Versorgungsnetze. Nord-Holland hat im Juli 2012 per Erlass weiteres Aufstellen von WKA- onshore verboten, da sie nicht effektiv sind, da der Verlust der Kulturlandschaft schwerer wiegt und keine Einsparung an CO2 nachgewiesen wurde. Alles konzentriert sich beim Thema Energiewende auf den Stromsektor, wobei gerade der Wärmesektor enormes Potential aufweist. Z.B. die Solarthermie wird so gut wie gar nicht genutzt. Und auch die Akzeptanzprobleme sollten genannt werden. Durch über 300.000 Unterschriften sprechen sich Bürger in Deutschland gegen eine überdimensionierte Industralisierung durch Windräder aus. Wie viel Windräder sollen den Brandenburgern und vor allem den Uckermärkern noch zugemutet werden? Warum unterstützt die Landesregierung nicht die Bundesratsinitiative der Länder Bayern und Sachsen nach der Forderung nach höheren höhenabhängigen Mindestabständen und ändert dementsprechend das Baugesetzbuch? Eine Konsequenz aus diesem Desaster wäre das EEG zu stoppen und wieder mehr Marktwirtschaft zuzulassen, und die Regionalplanungen zur Ausweisung weiterer WEG zu stoppen, weil: 1. Ohne ökonomisch sinnvolle Speicher ist der weitere Ausbau nicht sinnvoll 2. Es gibt Akzeptanzprobleme in ganz Deutschland, die geeignetsten Flächen wurden bereits bebaut. 3. Kosten laufen aus dem Ruder, durch z.B. Netzausbau, parallel laufende konventionelle Kraftwerke etc.

Axel Krumrey 20.02.2014 - 13:49:27

vielschichtige Problemlagen

Es gibt bei der Energieversorgung gleich mehrere Probleme, auf unterschiedlichen Ebenen. Der Strompreis ist nicht nur so hoch, weil den regenerativen Energieproduzenten über das EEG eine Einspeisevergütung garantiert wird, sondern auch weil energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage befreit sind. Das schafft im Jahr etwa 5 Mrd. Euro Mehrkosten für die anderen Verbraucher. Zudem haben wir das Problem, dass der Atomstrom und der Kohlestrom noch immer die Leitungen verstopfen. Das führt dazu, dass Windräder und Biogasanlagen abgeschaltet werden, wenn sie zu viel Strom produzieren. Gerade in der Uckermark könnte man die Grundversorgung allerdings getrost über regenerative Energien absichern, denn die werden aufgrund des Energiemixes (Biogas, Wind, Sonne) relativ zuverlässig produziert. Das Netzproblem haben wir natürlich trotzdem. Das ist aber auch kein Wunder, denn über Jahrzehnte waren die großen Stromproduzenten, die oftmals auch Netzbetreiber sind, nur daran interessiert, den eigenen Geldbeutel vollzukriegen. Der schon damals notwendige Ausbau der Stromnetze ist unterblieben. Wenn man jedoch nur einigermaßen nachhaltig denkt, muss es mittelfristig eine Umstellung auf regionale Stromkreisläufe geben. Die Energie sollte demnach zuerst da verbraucht werden, wo sie produziert wird. Man ersparte sich dadurch 1000de Kilometer Stromtrasse. Und die Menschen, die mit Einschränkungen in ihrer Region leben müssen, weil dort bspw. Windenergie genutzt wird, hätten auch noch was davon. Und ein letzter Punkt: Wir müssen aufhören das Feld der regenerativen Energieproduktion Großkonzernen und Privatinteressen zu überlassen. Da herrscht nämlich der Trieb vor, Gewinn zu maximieren. Warum nicht, wie in anderen Bundesländern schon üblich, Bürgerwindparks errichten oder Energiegenossenschaften gründen? Warum sollen nicht die Kommunen stärker in die Energieproduktion einsteigen und zugunsten ihrer Einwohner/innen Strom erzeugen? Das senkt die Preise und führt zu mehr Verständnis. Und nebenbei kann man auch noch selber mitbestimmen ... Bislang fehlt jedoch der politische Wille.

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