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Verbunden mit Verlust an Menschlichkeit

Vertreibung ist das Thema der Ausstellung.
Vertreibung ist das Thema der Ausstellung. © Foto: MZV
Christian Schoenberg / 20.02.2014, 20:03 Uhr
Wusterhausen (MZV) Am Mittwochabend ist in der Wusterhausener Kirche St. Peter und Paul die Wanderausstellung "Erzwungene Wege" eröffnet worden. Sie wirft laut Untertitel einen Blick auf "Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts" und kann dort und im Wegemuseum, Am Markt 3, bis zum 13. April besichtigt werden.

An der Eröffnung der Ausstellung nahmen auch die Landtagsabgeordneten Dieter Dombrowski (CDU) und Manfred Richter (SPD) teil. Dombrowski erinnerte daran, dass Flucht und Vertreibung für viele Betroffene mit furchtbaren Erlebnissen verbunden seien. Und es sei nicht nur ein historisches Thema: Derzeit seien allein vier Millionen Syrer im Ausland auf der Flucht. "Das Gefühl der Menschlichkeit darf nicht verloren gehen. Gleichgültigkeit ist eine Pest", mahnte Dombrowski.

Die Ausstellung dokumentiert an 13 Fallbeispielen Flucht und Vertreibung im vorigen Jahrhundert in Europa. Insgesamt waren davon 30 Völker betroffen. "Wir dürfen nie vergessen, dass hinter den Vertreibungsgeschichten Millionen Einzelschicksale stehen", betonte Andrea Perlt, Leiterin des Wegemuseums.

Als "Polacken", "Rucksackdeutsche", "Flüchtlingspack" kamen die Vertriebenen in ihre neuen Wohnorte - für insgesamt 12 bis 14 Millionen Deutsche verbanden sich mit dem Ende des Krieges leidvolle Demütigungen und der Verlust der Heimat, einschließlich all ihrer Habe. Die Ausstellung macht keinen Bogen um die Wahrheit. Die Vertreibung der Deutschen war verbunden mit willkürlichen Morden an Zivilisten, mit Deportationen in den Gulag und mit der massenhaften Vergewaltigung von Frauen und Mädchen durch Soldaten der Roten Armee und der polnischen Miliz.

Zugleich dokumentiert die Exposition die Germanisierungspolitik der Nazis. So wurden im besetzten Polen deutsche Bauern aus Bessarabien und anderen Teilen Rumäniens angesiedelt. Die Juden, die bis dahin in der Region gelebt hatten, wurden ermordet, die Polen vertrieben.

Die Vernichtung der Juden in Deutschland und den besetzten Gebieten begann schleichend. Die Ausstellung enthält die Kopie eines Briefes, den der Männerturnverein Gumbinnen (Ostpreußen) am 19. Mai 1933 an den Kaufmann Joseph Cohn schickte: "Nachdem die deutsche Turnerschaft den Arierparagrafen in ihre Satzungen aufgenommen hat, sehen wir uns veranlasst, Sie in ihrer Mitgliedschaft zu streichen. Wir danken Ihnen für ihre bisherige Mitarbeit und zeichnen..." Am Ende dieses verbrecherischen politischen Weges standen die Gaskammern von Auschwitz.

Zu den europäischen Völkern, die durch den Zweiten Weltkrieg besonders unter Flucht und Vertreibung zu leiden hatten, gehören die Polen und Ukrainer. Die Westverschiebung Polens führte zur Vertreibung von etwa 1,2 Millionen Polen, die die von der Sowjetunion annektierten Gebiete verlassen mussten.Ihnen wurden die ehemals von Deutschen besiedelten Gebiete als neue Wohnsitze zugewiesen. Im Gegenzug wurden bis zum Sommer 1946 rund 480 000 Ukrainer aus Polen in die Sowjetunion zwangsumgesiedelt.

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