Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

"Von einer demokratisch orientierten Politik sind wir weit entfernt"

Ines Zock kehrt der Kommunalpolitik den Rücken.
Ines Zock kehrt der Kommunalpolitik den Rücken. © Foto: MZV/privat
Patrik Rachner / 20.02.2014, 22:50 Uhr
Schönwalde-Glien (MZV) Manche werden sie vermissen, andere nicht: Sie hat polarisiert und oftmals den Finger in die Wunde gelegt, nun hat die parteilose Gemeindevertreterin Ines Zock ihren Rückzug aus der Kommunalpolitik bekannt gegeben. Dennoch hat BRAWO-Redakteur Patrik Rachner ihr auf den Zahn gefühlt und unter anderem gefragt, warum sie auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Frau Zock, hat Ihnen Ihr ewiger Konkurrent Bodo Oehme endgültig das Wasser abgegraben oder warum reicht's Ihnen?

Ines Zock: Ich möchte meinen Abschied von der Schönwalder Kommunalpolitik nicht an Personen festmachen. Es war letztlich die Summe von Erfahrungen, die mich zu diesem Schritt bewogen hat. Ich bin seit 2003 im Ortsbeirat Schönwalde-Siedlung tätig. Im Jahre 2008 wurde ich in die Gemeindevertretung Schönwalde-Glien gewählt. Das sind insgesamt zehn Jahre in denen ich mich für das Gemeinwohl engagiert habe, so wie es immer gern von Politikern gefordert wird. In diesen zehn Jahren gab es Erfolge, aber auch viele Niederlagen.

Ist die Politik in der Gemeinde eine "One-Man-Show"?

Zock: Ja absolut. Das ist auch das Problem. Schönwalde könnte in seiner Entwicklung deutlich weiter sein, wenn der Bürgermeister einen fairen Meinungsstreit zulassen würde. Von einer demokratisch orientierten Kommunalpolitik sind wir hier leider auch 25 Jahre nach Mauerfall noch weit entfernt.

Haben Sie sich selbst nicht auch verzettelt?

Zock: Nein. Ich bin bei wichtigen Entscheidungen in der Gemeindevertretung immer meinem Gewissen gefolgt. Bei schwierigen Beschlussvorlagen habe ich mir oftmals fachlichen Rat eingeholt. Ich habe versucht, sachlich zu argumentieren, um meine Entscheidung für die anderen Gemeindevertreter und die anwesenden Bürger transparent zu machen. Das gelang mal besser und mal schlechter. Doch letztlich sind meine Vorschläge überwiegend an den Mehrheitsverhältnissen aus CDU, SPD und Die Linke gescheitert und nur selten an sachlichen und objektiven Gründen.

Fühlen Sie sich in irgendeiner Form missverstanden?

Zock: Dazu passt ein Zitat von Albert Einstein gut: ,Um ein gutes Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.' Was ich damit sagen will ist, dass ich offensichtlich nicht in dieses Gremium reingepasst habe. Ich fühlte mich oft wie ein Fremdkörper. Weder die Chemie hat gestimmt, noch gab es gleiche Intentionen. Da kommt es dann zwangsläufig zu Missverständnissen - und zwar auf beiden Seiten.

Sie haben stets contra in der Sache gegeben, manchmal auch aus persönlichen Gründen - zuweilen mit Erfolg. Merkt das denn niemand in der Gemeindevertretung?

Zock: Dass ich ab und an einen Erfolg verzeichnen konnte, verdanke ich größtenteils meinen langjährigen Wegbegleitern und den Bürgern dieser Gemeinde, die mich unterstützt haben. Und ja, ich gehe davon aus, dass die Gemeindevertreter das gemerkt haben. Vielleicht lag gerade darin, das Geheimnis meiner wenigen Erfolge.

Sie sind aus der SPD nach Differenzen mit Bärbel Eitner ausgetreten, haben danach aber gemeinsam mit Matthias Beigel gegen Bodo Oehme gekämpft und sind dennoch in der Summe gescheitert. Woran lag's?

Zock: Ich möchte zu den Querelen in meiner aktiven SPD-Zeit nicht mehr viel sagen. Außer, dass diese negativen Erfahrungen immerhin dazu geführt haben, dass ich mich bis heute keiner Partei mehr angeschlossen habe und mir dies auch für die Zukunft schwer vorstellen kann. Die ,Wunden' sind leider noch nicht verheilt.

Sie gelten als sehr kritisch und haben sich in der Gemeindevertretung nicht nur Freunde gemacht. Werden Sie dennoch irgendjemanden vermissen?

Zock: Natürlich. Ich werde die Bürger und ihre Fragen vermissen. Ich habe mich gern für das Gemeinwohl engagiert.

Was war Ihr größter politischer Erfolg, was ihr größter Fehler?

Zock: Mein größer Fehler war wohl, dass ich seinerzeit aus der Fraktion Grün Sozial Gerecht ausgeschieden bin, um in der SPD bleiben zu können. Das war dumm von mir, zumal ich wenige Wochen später aus der SPD ausgetreten bin, weil ich ein weiteres Schiedsverfahren vor der Bundesschiedsstelle nicht mehr ertragen konnte.

Zu den Fehlern kamen aber auch schwere Niederlagen hinzu. Die schmerzvollste Erfahrung war für mich die Abwahl als Ortsvorsteherin. Die Art und Weise, wie dies vonstatten ging, war erniedrigend.

Die Protagonisten hatten damals keine Begründung für meine Abwahl. Trotzdem gelang es ihnen durch Mehrheitsbeschaffung, den Ausgang für sich zu entscheiden. Bis heute kann ich mir nicht vorstellen, mit diesen Leuten weiter zusammenzuarbeiten. Das ist auch der Grund, warum ich den Ortsbeiratssitzungen in den letzten Jahren ferngeblieben bin.

Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht und so sind natürlich auch ein paar Erfolge zu verzeichnen gewesen. Ich habe mich gefreut, dass durch meine Unterstützung Projekte wie die Bibliothek, die Turnhalle, der Spielplatz in der Richard-Dehmel-Straße und der Jugendclub mit Bolzplatz umgesetzt werden konnten. Auch die Wiedereinführung der Einwohnerfragestunde in den Ortsbeiräten war ein großer Erfolg, an dem ich mitwirken durfte.

Das größte Projekt, was ich auf die Beine stellen konnte, war der Ideenwettbewerb zur Zentrumsgestaltung mit den 80 Studenten von der TFH Berlin. Schade, dass diese wirklich guten Ideen den Schönwaldern nicht zugute gekommen sind, weil das Projekt in der Gemeindevertretung nicht weiter verfolgt wurde.

Welchen Rat geben Sie den Abgeordneten, die künftig in der Gemeindevertretung die Interessen der Bürger vertreten wollen und sollen?

Zock: Die meisten Gemeindevertreter werden mit Sicherheit keine Ratschläge von mir hören wollen, eventuell sind die Vertreter vom Forum Schönwalde daran interessiert.

Wie ich eingangs schon sagte, war es für mich immer wichtig, dass mein Gewissen bei wichtigen Entscheidungen mitspielt. Zudem sollte man unabhängig bleiben, insbesondere wirtschaftlich unabhängig. Nur so ist es möglich, gute Entscheidungen für die Gemeinschaft zu treffen. Ein fachlicher Rat kann ab und an auch nicht schaden.

Zum Abschluss: Welches Fazit ziehen sie?

Zock: So wie ich Politik kennengelernt habe, wird den Bürgern ein demokratisches uneigennütziges Miteinander vorgegaukelt, was realistisch betrachtet, nicht vorhanden ist. Wir leben in einer Art Scheindemokratie, in welcher Eigeninteressen und Machterhalt im Vordergrund stehen.

Zudem dominiert leider auch auf kommunaler Ebene die Parteipolitik. Wenn die Fronten dann noch verhärtet sind, können sachliche Diskussionen kaum noch geführt werden. Ferner hat sich mir in den Jahren immer wieder die Frage aufgedrängt, ob Gemeindeparlamente in Kommunen unter 25.000 Einwohnern überhaupt sinnvoll sind. Das Gleiche gilt für die Verwaltungsstrukturen. Das alles kostet dem Steuerzahler letztlich viel Geld. Was dabei herauskommt ist oftmals nur unzulänglich. Siehe aktuell: die verfassungswidrige Straßenreinigungssatzung von

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Christian Kaiser 03.03.2014 - 20:24:29

-

Sicher, Ines Zock hat polarisiert, sie hat es sich mit so manchem verdorben. Das hat ihr ohne Zweifel geschadet und dafür gesorgt, dass sie – nicht nur – politisch bekämpft wurde. Aber Ines Zock hat mit offenem Visier gekämpft, und das machte sie (an-) greifbar. Auch darüber sollten anonyme Kommentatoren wie echte und unechte Schönwalder oder auch Siedler einmal nachdenken. Sie war Opposition, hat öffentlich gemacht wie Fördermittel „umgeleitet“ wurden bei der sog. Touristenstation, hat die Kostenexplosion beim Rathausbau in Frage gestellt und vieles mehr. Sie hat sich u.a. für das Rederecht bei der Einwohnerfragestunde eingesetzt, als einzige konsequent gegen die widerrechtlichen Wohnungsbauten im Erlenbruch gestimmt, die Schönwalder Bibliothek mit aufgebaut, sich für den Jugendclub stark gemacht, eine fundierte Zentrumsplanung angeschoben. Sie hat das gemacht, was ich von der Opposition erwarte: Nachfragen, Aufdecken, Alternativen bieten und sich für den Ort einsetzen. Leider war nur sie Opposition. Aber dafür gebührt dir mein Dank, Ines!

Maxir 24.02.2014 - 08:07:48

@echte Schönwalder

Gibt es neben den echten Schönwaldern aus Ihrer Sicht auch unechte?

Neubürger 23.02.2014 - 19:09:59

Abwahl?

Kann man den Bürgermeister nicht vorzeitig abwählen? Der ist ja wohl für das alles hier verantwortlich. Das sind wirklich schlimme Zustände hier.

Auch-Schönwalder 23.02.2014 - 15:09:19

Vorwärts nimmer - rückwärts immer

@ Echter Schönwalder Die Begriffe "unser Bürgermeister" und "unser Lothar Lüdtke" enttarnen Sie nur allzu leicht als jemand, der offenkundig am 09.11.89 gedanklich stehen geblieben ist: Reisefreiheit, BILD-Zeitung und ein vernünftiges Auto "mitgenommen", aber ansonsten soll alles so bleiben wie früher. Aber auch Sie werden nicht das Rad der Zeit zurückdrehen und müssen akzeptieren, dass es inzwischen viele aufrECHTE Schönwalder gibt, die hier nicht aufgewachsen sind und trotzdem dazu gehören.

Echte Schönwalder 23.02.2014 - 13:42:51

Es reicht

Jetzt wird noch unser Lothar Lüdtke angegriffen. Der hat so viel für Schönwald getan. Da kann sich eine Frau Zock dahinter verstecken. Es reicht jezt.

Neu Schönwalder 23.02.2014 - 09:11:57

@olli p.

Das sind schlimme Zustände, die sie da beschreiben. Ist Herr Lüdtke nicht der CDU Vorsitzende? Und die SPD macht das hier alles mit? Wirklich schlimm.

Olli P. 23.02.2014 - 09:01:47

an Siedler

Heilige ? Wenn sie mit Dialog und breiter Gefolgschaft diese Ja Sager meinen tun sie mir wirklich leid und gehören wohl auch zu den Menschen die keine Verantwortung und ein Gewissen haben. Einer der letzten Beschlüsse der GV – Herr Lüdtke baut schwarz und alle bis auf Frau Zock legalisieren mit ihrer Zustimmung diese Vorgehensweise. Herr Siedler , wir brauchen in der Politik keine heiligen oder Könige sondern Menschen die aufstehen ,Ihre Stimme erheben und aufpassen wenn kleine möchte gern Könige das Volk hinters Licht führen wollen.

Schönwalder 23.02.2014 - 07:54:31

Danke

Frau Zock wir danken Ihnen für ihren Jahrelangen Einsatz. Es wird Zeit, dass sich in Schönwalde etwas ändert. Wir wissen jetzt, was im Mai bei den nächsten Wahlen zu tun ist.

Egon K. 22.02.2014 - 17:14:15

@Echte Schönwalder

Genau. Es lebe die Einheitsliste aus SPD, CDU und Die Linke. Subversive Elemente, wie Frau Zock gehören da nicht hinein.

Lotte U. 22.02.2014 - 11:34:43

@ Echte Schönwalder

VÖLKER HÖRT DIE SIGNALE - auf zum letzten Gefecht Jetzt habt Ihr Eure kleine DDR wieder für Euch alleine.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG