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Polizei kämpft gegen Homophobie

Ein schwuler Kommissar als Mutmacher

Hohe Dunkelziffer: Marco Klingberg, hier am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg, macht sich für ein besseres Erfassungssystem für Straftaten mit homophobem Hintergrund stark.
Hohe Dunkelziffer: Marco Klingberg, hier am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg, macht sich für ein besseres Erfassungssystem für Straftaten mit homophobem Hintergrund stark. © Foto: MOZ/Mathias Hausding
Mathias Hausding / 04.03.2014, 08:53 Uhr
Potsdam (MOZ) Mal ist es offener Hass, mal ein herablassender Spruch - homosexuellen Menschen droht immer wieder die Gefahr, diskriminiert zu werden. Das weiß auch die Brandenburger Polizei. Sie hat deshalb nach innen wie nach außen der Homophobie den Kampf angesagt.

Marco Klingberg ist 42 Jahre alt, kürzlich hat der Polizeikommissar sein 25-jähriges Dienstjubiläum gefeiert. In Potsdam ist er als Streifenbeamter unterwegs. Darüber hinaus ist er schwul, und er versteckt sich nicht. Seit 20 Jahren wissen die Kollegen Bescheid. Und seit zwei Jahren ist er beim Polizeipräsidium "Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen".

Seine Kontaktdaten sind auf den Internetseiten der Polizei leicht zu finden. Klingberg untersteht direkt dem Polizeipräsidenten. "Es gibt so viel Unwissenheit", bedauert er. Sein Job ist es, ein offenes Ohr zu haben für Schwule, Lesben und Transsexuelle aus den Reihen der Polizei, die sich möglicherweise im Dienst diskriminiert fühlen. Genauso wichtig sei "die Außenwirkung in die Szene". Vor allem will er möglichen Opfern von schwulenfeindlichen Straftaten Mut machen, sich bei der Polizei zu melden. "Und falls die sich dann von den Ermittlern nicht ernst genommen fühlen, sollen sie sich an mich wenden."

Es ist nicht allzu lange her, dass die deutsche Polizei in Ost und West "Rosa Listen" führte, also Menschen nur wegen ihrer sexuellen Orientierung erfasste. Und die Polizei selbst galt als Inbegriff von Männlichkeit. Offen homosexuell lebende Beamte schienen ein Ding der Unmöglichkeit. Marco Klingbergs exponierte Stellung im Polizeipräsidium zeigt, dass sich viel gewandelt hat. Und er sei keine Ausnahmeerscheinung, betont der gebürtige Luckenwalder. Das Klima in der Polizei sei in diesem Punkt gut. Es gebe keine Klagen. Aber Klingberg weiß natürlich nur das, was die Leute ihm erzählen.

So oder so - der Schwerpunkt seiner Aufklärungsarbeit richtet sich nach außen. Marco Klingberg, der seit zwölf Jahren in Berlin-Schöneberg in einer festen Beziehung lebt, ist kein Agitator. Nicht erst die von homophoben Ausfällen begleitete Debatte um das Outing des früheren Fußballnationalspielers Thomas Hitzlsperger habe ihm gezeigt, dass es kaum möglich ist, "jeden davon zu überzeugen, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben". Aber er will aufklären, verweist auf Urteile des Bundesverfassungsgerichts zur Gleichberechtigung aller Menschen, die jedoch von CDU-Kanzlerin Angela Merkel ignoriert würden. "Toleranz für Homosexuelle ist gut, reicht aber nicht. Sie müssen die gleichen Rechte haben wie Heterosexuelle", betont Klingberg mit Verweis auf die leidige Debatte um ein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben.

Und noch eine Großbaustelle sieht er: "Solange ,schwule Sau' das auf Schulhöfen am häufigsten gebrauchte Schimpfwort ist, sind wir von Normalität im Umgang mit sexuellen Vorlieben weit entfernt." Klingberg wünscht sich mehr Aufklärungsarbeit an Schulen, sieht aber bei vielen Lehrern eine gewisse Angst, sich dem Thema zu nähern. Homosexuellen Pärchen, die angefeindet werden, wenn sie händchenhaltend durch die Stadt laufen, rät er, jeden Fall anzuzeigen. "Die Polizei ist dafür sensibilisiert", versichert Klingberg. Überführte Täter müssten mit empfindlichen Strafen rechnen. "Es geht hier nicht um eine gewöhnliche Beleidigung. Es ist Hasskriminalität, und die wird härter bestraft."

Wie häufig in Brandenburg Attacken auf Homosexuelle sind, geht aus der Polizeistatistik nicht hervor. Marco Klingberg vermutet eine hohe Dunkelziffer, weil nach seiner Einschätzung viele Fälle entweder nicht angezeigt oder auch von den Beamten nicht explizit dokumentiert werden. Auch hier will Klingberg nachhelfen. "Das Erfassungssystem für Taten mit homophobem Hintergrund ist ausbaufähig."(Mit Adleraugen)

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