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Eine Ahnung von faulem Laub und Moos

Geruchsforscher Hanns Hatt riecht an Moos, feuchter Erde und Laub. Mit steigenden Temperaturen, werden im Frühjahr immer mehr Duftmoleküle freigesetzt.
Geruchsforscher Hanns Hatt riecht an Moos, feuchter Erde und Laub. Mit steigenden Temperaturen, werden im Frühjahr immer mehr Duftmoleküle freigesetzt. © Foto: dpa
03.03.2014, 14:56 Uhr
Bochum (dpa) Mit steigenden Temperaturen werden im Frühjahr immer mehr Duftmoleküle freigesetzt und wirbeln umher. Solange es winterlich war, war alles, was in der Natur hätte duften können, förmlich eingefroren, wie Professor Hanns Hatt, Geruchsforscher von der Ruhr-Universität Bochum, erklärt.

Doch das, was die milde Frühlingsluft hierzulande als allererstes an Duftstoffen freigibt, ist eher ernüchternd: "Mit dem Boden erwärmt sich alles, was der Winter übrig gelassen hat", sagt Hatt. Was so herrlich nach Frühling duftet, sei tatsächlich zunächst eine Ahnung von faulem Laub, feuchtem Moss, moderndem Erdreich. Erst später, wenn sich wirklich die Blüten öffnen, steigen dem aufmerksamen Schnupperer zarte Blütendüfte in die Nase.

"Scheint die Sonne, verdunstet aus feuchten Böden Wasserdampf, der auch den charakteristischen Geruch nach Erdreich mit sich trägt", sagt DWD-Meteorologe Franz-Josef Löpmeier.

Beste Chancen für den Erdreich-Frühblüher-Mix also, der von vielen Menschen als angenehm empfunden wird.

Meist schon in der Kindheit geprägt, verknüpft das Gehirn bestimmte Duftbilder mit der Jahreszeit und den oft positiven Empfindungen, wie Hatt sagt. Denn die länger werdenden Tage und milderen Temperaturen ließen auch Glückshormone in Wallung geraten. "Duftkonditionierung" nennt das der Experte.

"Eine Prise Frühlingsduft kann dann sogar im Herbst Frühlingsgefühle hervorrufen", sagt Hatt.

Ein Frühlingsduft sei immer eine Mischung aus einer Vielzahl verschiedener, erlernter und individuell geprägter Komponenten, erklärt Hatt.

Mit jedem Atemzug nehme die Nase über die Luft winzige Duftmoleküle auf: "Sie werden bis zur obersten Etage unserer Nase transportiert, wo die Riechzellen liegen", erklärt der Wissenschaftler. Mehr als 30 Millionen Zellen mit 350 verschiedenen Riechsensoren verfüge der Mensch. "Er kann damit die gesamte komplexe Duftwelt wahrnehmen" -von stinkender Buttersäure bis zur Maiglöckchennote.

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