Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Musikfesttage an der Oder verklungen

Geschichte bei strahlend blauem Himmel: Stefanie Schrader zeigt einen Auszug des Matrikelbuchs der Viadrina von 1734. Das Dokument belegt, dass Bach für das Fach Jura eingeschrieben war.
Geschichte bei strahlend blauem Himmel: Stefanie Schrader zeigt einen Auszug des Matrikelbuchs der Viadrina von 1734. Das Dokument belegt, dass Bach für das Fach Jura eingeschrieben war. © Foto: MOZ/Wiebke Stelzer
Wiebke Stelzer / 10.03.2014, 03:41 Uhr - Aktualisiert 11.03.2014, 14:14
Frankfurt (MOZ) Am Sonntag klangen die Musikfesttage an der Oder aus. 6150 Gäste besuchten 27 Konzerte an elf Orten. Doch die Feierlichkeiten gehen weiter. Am Sonnabend eröffneten alle Bach-Städte das Jubiläumsjahr zum 300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach.

"Bach hätte sein 300. Geburtstag bestimmt gefallen", meinte Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) in einer kurzen Ansprache zu Beginn des Kammerkonzerts am Sonnabendabend. Die Veranstaltung im Logensaal kündigte Stefanie Schrader im Vorfeld als einen der Höhepunkte der Feierlichkeiten an, die seitens der Viadrina zu Ehren des Bach-Sohnes stattfinden - teils im Rahmen der Musikfesttage, teils in Form von anderen Veranstaltungen im Laufe des Jahres. Alle Projekte werden von der Musikwissenschaftlerin koordiniert.

Abschlusskonzert Musikfesttage in Frankfurt (Oder)
Bilderstrecke

Abschlusskonzert Musikfesttage

Bilderstrecke öffnen

Mit dem Motto "Where Bach meets Penderecki", unter dem das Kammerkonzert stand, wurde ein weiter Bogen gespannt von Bach, der von 1734 bis 1738 an der Viadrina studierte, bis zu dem 1933 geborenen Krzysztof Penderecki. Dem Gegenwartskomponisten aus Polen wurde 2011 der Viadrina-Preis für seine Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung verliehen.

Rund 160 kleine und große Musikliebhaber lauschten gebannt den warmen Klängen, die von nur zwei unterschiedlichen Instrumenten erzeugt wurden: Klarinette und Klavier. Die beiden Klarinettisten Karl Leister und Helge Harding sowie Pianistin Caroline Weichert nahmen ihre Zuhörer mit auf eine musikalische Reise, nicht nur zu Bach und Penderecki, sondern auch zu Felix Mendelsohn Bartholdy und Franz Schubert.

Dass Zeitreisen die Menschen seit jeher faszinieren, wird angesichts der Menschenmenge deutlich, die sich am Sonnabendvormittag vor der Viadrina zur Stadt- und Campusführung einfand. Unter dem Motto "Bach in Town" wurden die rund 100 Teilnehmer - aufgeteilt in drei Gruppen - an die einstigen Wirkungsstätten Bachs geführt. Dazu gehörten die Viadrina, die Marienkirche und die Konzerthalle.

Da viele Gebäude aber schon längst nicht mehr stehen, waren Stefanie Schrader, Jürgen Rehfeld und Martin Schieck mit Anschauungsmaterial aus Archiven und Museen ausgerüstet. Eines der wohl bedeutsamsten Dokumente ist das Matrikelbuch der Viadrina aus dem Jahr 1734, das alle eingeschriebenen Studenten erfasst. Am Oderufer hielt Stefanie Schrader zwar nur eine laminierte Kopie in den Händen, das Original aus dem Landesarchiv Potsdam konnte jedoch im Logensaal nach dem Kammerkonzert bewundert werden.

Der Frankfurterin Antonina Balfanz hat die kulturhistorische Führung auf den Spuren Bachs sehr gefallen. "Während Kleist in Frankfurt sehr präsent ist, weiß man über Bach eher wenig. Diese Lücke konnte ich nun schließen", sagte sie. Auch wenn ihrer zehnjährigen Tochter Helena der Spaziergang in der Sonne gefiel - 90 Minuten Geschichtsunterricht sind nicht für jedes Kind etwas.

Die Kleinen kamen dafür am Sonnabendnachmittag im Kleist Forum auf ihre Kosten. Nachwuchstänzer vom Staatsballett Berlin zeigten Tiervariationen aus Peter Tschaikowskys Klassikern "Schwanensee", "Dornröschen" und "Der Nussknacker". Beim "Karneval der Tiere" mit Musik von Camille Saint-Saens hielt es einige Kinder kaum in den Theatersesseln. "Wer ist der König der Tiere?" wurde das Publikum von einer Stimme aus dem Off gefragt. "Löwe", schrien die Kleinen vergnügt. Die vierjährige Janka mochte die Schildkröten am liebsten, deren Panzer durch weiße Regenschirme dargestellt waren.

Petra Paschinger, künstlerische Leiterin des Kleist Forums, freute sich über die vielen positiven Rückmeldungen der Besucher der Musikfesttage, die nicht nur aus den Städten an der Oder kamen. Auch für etliche Berlin-Touristen sei das bedeutendste und traditionsreichste Musikfestival Ostbrandenburgs einen Ausflug wert gewesen. Mit 6150 Gästen war die Veranstaltungsreihe besser besucht als im Vorjahr. Die Förderung junger Talente stand dabei im Fokus.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG