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Alles in einer Hand

Stephanie Lubasch / 28.06.2016, 15:03 Uhr
Oehna (MOZ) Seine jüngste Arbeit hängt immer in der Küche. Dort, sagt Peter Panzner, könne, wer wolle, sich dann äußern. Wenn man Frau und Sohn hat, die selbst Künstler sind, ist in den meisten Fällen wohl damit zu rechnen. Viel ausrichten wird ihr Kommentar allerdings kaum: Für Panzner selbst ist der künstlerische Prozess zu diesem Zeitpunkt eigentlich abgeschlossen. „Bevor man etwas zeigt, muss man es selbst vertreten können“, sagt er. Die Verantwortung dafür aus der Hand zu geben, ist ohnehin seine Sache nicht. Daher, erläutert der Maler und Grafiker, komme wohl auch seine Vorliebe fürs Drucken.

Vom Zuschneiden der Platten über die Wahl des Ätzgrundes bis zum Drucken selbst: „Ich kann alles selbst machen“, schwärmt der 72-Jährige. Schon während eines Lehrganges im Grundlagenstudium der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in der Druckwerkstatt habe ihn diese „leider heute sehr teure“ Technik begeistert. Panzners erste Druckpresse war die Lederpresse eines Polsterers. Später baute er eine alte Wäschemangel um.

Ihre Holzwalzen hat er gegen zwei Exemplare aus Vollstahl getauscht, die ihm ein Bekannter extra anfertigte – im Tausch für eine Hutablage vom Wartburg. Bis heute steht die Presse in Panzners Arbeitszimmer in seinem Haus im Niedergörsdorfer Ortsteil Oehna (Landkreis Teltow-Fläming). Wozu eine neue kaufen, wenn die alte so gut funktioniert? Auch die im Aquatinta-Verfahren gefertigte Grafik „Endstation“, für die Panzner jetzt den Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung zugesprochen bekommen hat, ist mithilfe dieser Presse entstanden.

An der Ausschreibung für die Auszeichnung hat sich der Künstler – ebenso wie seine Frau Christa und sein Sohn Conrad – nicht zum ersten Mal beteiligt; wiederholt waren ihre Arbeiten bei der entsprechenden Ausstellung im Schloss Neuhardenberg zu sehen. Es sei momentan die einzige Möglichkeit im Land, sich als Künstler in dieser Weise zu präsentieren. „Die Preisverleihung ist ein Treffpunkt der Kollegen, bei der auch neue Kontakte, Verbindungen entstehen“, sagt Christa Panzner (68), „während man bei der Ausstellung sehen kann, wo man selbst, auch im Vergleich mit anderen, steht.“

Sie und ihr Mann haben sich Ende der 60er-Jahre an der Fachhochschule für Werbung und Gestaltung in Berlin/Potsdam kennengelernt. Zuvor hatte Panzner im Anschluss ans Abitur schon eine einjährige Maurerlehre absolviert und bei der Defa als „Filmarbeiter“ gejobbt. Als fertiger „Ingenieur für Farb- und Oberflächengestaltung im Bauwesen“ blieb der gebürtige Schweriner noch ein Jahr als Hilfsassistent an der Schule, bevor er sich in Weißensee bewarb. Von ihrer Arbeit konnten die beiden Künstler im Uebergang von der Hochschule zur freiberuflichen Tätigkeit relativ abgesichert leben. „Nach dem Studium hatten wir eine Absolventenförderung“, erzählen sie.

„Das Thema für die Verträge konnten wir selbst bestimmen. Wir malten das, was uns umgab – Landschaften, unsere Kinder, Freunde, Verwandte, Stillleben, Akte.“ Seine Zelte hatte das Paar zuerst in Kleinmachnow aufgeschlagen, im Grenzgebiet. Erst als Mitmieter in einer Villa, später in einem größeren Haus, das beide umfangreich instand setzten. Als nach der Wende der Alteigentümer auf der Matte stand, diskutierten sie jedoch nicht lange und schauten sich nach etwas Neuem um. Seit 1992 ist nun die einstige Schule in Oehna ihr Zuhause.

Während Christa Panzner unterm Dach ihre expressiven Bilder malt, hat sich Peter Panzner sein Atelier im Erdgeschoss eingerichtet, mit Blick auf die zentrale Kreuzung des Ortes. Mehr als 20 Jahre lang fuhr er von dort fast täglich nach Berlin-Zehlendorf, wo er eine Teilzeitstelle als Hausmeister hatte. War die Arbeit getan, ging es weiter nach Potsdam. Seine Frau hatte dort 1991 die Kunstschule mit gegründet, an der auch Panzner Kurse gab. „Irgendetwas“, sagt Christa Panzner, „mussten wir nun zusätzlich tun, um unser Leben finanziell zu stabilisieren, schon im Interesse unserer drei damals noch schulpflichtigen Kinder.“

Die Einrichtung ist heute eine Potsdamer Erfolgsgeschichte. Vormittags gibt es Angebote für Schulen, nachmittags Kurse für Kinder, abends für Jugendliche und Erwachsene. Im Sommer traf man sich früher zu Projekten bei Panzners im Garten; die Ergebnisse präsentierten die Künstler dann jeweils vier Wochen lang rund um den Oehnaer Dorfteich. Allerdings kostete die Lehrtätigkeit auch Kraft und Zeit, die den Panzners fürs eigene künstlerische Arbeiten fehlte. Erst 2013 hat sich das Paar aus dem regulären Unterricht zurückgezogen.

Dennoch, sagt der Grafiker, habe er all die Jahre über „nie nichts gemacht, auch wenn es manchmal keine 20 Radierungen im Jahr waren“. Zudem pflegte er seine zweite große Leidenschaft – das Reisen. „Meine Frau hat mir das anerzogen“, sagt Panzner. Er selbst sei von Natur aus ja eher ein „Muffel und Stubenhocker“. Seien sie anfangs viel im Osten unterwegs gewesen, habe nach der Wende sogleich Frankreich auf dem Plan gestanden. „Da wollten wir schon vor dem Mauerfall hin.

Also zog ich vier neue Reifen auf den Wartburg, und wir sind mit den Kindern losgebrettert.“ Seitdem haben sie Italien, Irland, Dänemark, Griechenland, Ägypten, Kuba, Mexiko, Südafrika, die Türkei und Spanien bereist. Meist mit den eigenen Kindern, oft auch gemeinsam mit Kollegen. „Es erweitert den Horizont und regt auch wieder an fürs eigene Arbeiten“, sagt Panzner. Ihre Eindrücke unterwegs zeichnerisch festzuhalten, ist für das Paar selbstverständlich. „Wir planen unsere Reisen minutiös, haben ein straffes Programm, versuchen auch, Kontakt zu Künstlern vor Ort aufzubauen.“ Mit Urlaub habe das eher weniger zu tun. Am meisten beeindruckt haben die beiden, die gerade aus Cornwall zurückgekommen sind, bislang ihre zwei Aufenthalte in Namibia; noch heute schwärmen sie von der Farbigkeit dort, der Weite der Landschaft, den Tieren.

2002 konnten sie zudem in der National Art Gallery Namibias in Windhoek ausstellen. Wie ihnen das Land begegnet ist, hat sich auch auf ihre Kunst niedergeschlagen. „Meine Arbeiten“, erläutert Panzner, „sind immer vom Optischen ausgelöst: Ich versuche, die Empfindungen rüberzubringen, die ich habe, wenn ich etwas sehe oder erlebe.“ Vor zwölf Jahren hat er dafür den Hochdruck als Technik für sich entdeckt, davor waren es die Farb­aquatinta von mehreren Platten und die Kaltnadelradierung. Aus Zufall ist er zudem jüngst zur Ueberätzung gekommen. „Das Zink war wieder mal alle, und so habe ich einfach eine schon fertige Platte mit etwas anderem überätzt.“

Weitere alte Platten, für die es keine Verwendung mehr gibt, hat Panzner an ein Trafohäuschen in seinem Garten montiert, das er als eine Art kleine Galerie nutzt. Seine Frau wiederum hat es auf seine „Andrucke“ abgesehen: „Er schmeißt sie oft weg. Ich krame sie mir wieder hervor, da sie mich zur weiteren Nutzung anregen.“ Das Preisgeld jedenfalls, so viel ist schon klar, wird Panzner wieder in Zink anlegen. Oder aber für die nächste Reise sparen. Wohin, ist noch offen. Die Preisverleihung zum Brandenburgischen Kunstpreis mit anschließender Ausstellungseröffnung ausgewählter Arbeiten findet am 3. Juli, 12 Uhr, im Schloss Neuhardenberg statt. Fernsehporträt über Peter Panzner, „Brandenburg aktuell“, RBB, Sonnabend, 19.30 Uhr

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