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Feuerwehr-Übung in Briesen / Alarm überrascht Lehrer und Helfer / Schockierte Kinder glauben an Ernstfall

Großeinsatz an der Schule Briesen

Offenes Knie: Jan Eric hat sich so schlimm verletzt, dass der Knochen rausguckt. Die Schulsanitäter Sebastian (l.) und Gino tragen ihn zum Rettungswagen. Zum Glück ist alles nur eine Übung und die Wunde aufgeschminkt.
Offenes Knie: Jan Eric hat sich so schlimm verletzt, dass der Knochen rausguckt. Die Schulsanitäter Sebastian (l.) und Gino tragen ihn zum Rettungswagen. Zum Glück ist alles nur eine Übung und die Wunde aufgeschminkt. © Foto: MOZ
Manja Wilde / 11.03.2014, 07:39 Uhr
Briesen (MOZ) Montagmorgen, 9 Uhr: Die Alarmglocke an der Grund- und Oberschule Briesen schrillt. Aus einem Fenster dringt Qualm. Lehrer geleiten Schüler aus dem Haus. Feuerwehren und Rettungsfahrzeuge treffen ein. Alles scheint reibungslos zu laufen - aber beim Durchzählen fehlen Kinder.

"Hilfe", leise dringen die Rufe von Marcel aus der Jungentoilette. Der Neunjährige hat eine Wunde im Gesicht. Er stützt sich auf ein Waschbecken, kann sich nicht allein auf den Flur retten. Marcel gehört zu den sechs Vermissten und Verletzten, die sich beim Alarm nicht in ihren Klassenräumen befanden und nun gesucht werden müssen.

Vor dem Haus stehen sechs Feuerwehr-Fahrzeuge. Katrin Büschel, die Leiterin der Martin-Anderson-Nexö-Grundschule, flitzt mit blassem Gesicht zwischen ihnen, den Schülern und Sanitätern hin und her - obwohl sie weiß, dass es sich um eine Übung handelt. Kreisbrandmeister Klaus-Peter Schulz beobachtet das Geschehen. Er weiß natürlich auch, dass die Wunden der Kinder geschminkt sind und im Obergeschoss eine Nebelmaschine für Qualm sorgt.

Die Helfer, Lehrer und Kinder wissen es nicht. 9 Uhr schrillte der Alarm. Lehrer schlossen die Fenster, nahmen die Klassenbücher an sich, versammelten die Kinder an den Türen und leiteten sie gemäß Fluchtplan ins Freie. Keine fünf Minuten dauerte es, dass die Klassen auf der Wiese standen. 9.10 Uhr traf das erste Einsatzfahrzeug der Briesener Feuerwehr ein. 9.17 Uhr folgten die Jacobsdorfer, 9.20 Uhr die Berkenbrücker. "Die drei großen Feuerwehren wurden als erstes alarmiert", sagt Amtswehrführer Carsten Witkowski. Fünf Minuten später erfolgte die Alarmierung der kleineren Wehren. Die Alt Madlitzer Kameraden rückten aus, die Falkenberger auch. "Wilmersdorf sagte ab, weil der Kraftfahrer fehlte, Biegen und Sieversdorf sind auch nicht hier", stellt Witkowski fest. Im Ernstfall wären auch Fürstenwalde und Frankfurt alarmiert.

Die Einsatzkräfte, die da sind, schicken einen Suchtrupp ins Haus. "Menschenrettung geht vor", sagt Witkowski. Parallel dazu bereiten sie die Brandbekämpfung vor. Immer wieder finden Feuerwehrleute einen verletzten Schüler im Haus. Jan-Eric hat ein offenes Knie. Die Schulsanitäter Sebastian und Gino legen ihn auf eine Trage und bringen ihn zu den Rettungsfahrzeugen. Dort beobachtet Maik Weinert vom International Rescue Team, das die Sanitäter ausbildet, die Arbeit. Auch Andreas Halwas, Leiter der Schulkonferenz, der die Übung organisiert und ein Jahr mit vorbereitet hat, verfolgt das Geschehen genau.

50 Meter weiter stehen die Schüler der 4b auf der Wiese. Kiara weint. Lenas Augen sind auch ganz rot. "Gut, dass Marcel gefunden wurde und dass er lebt", sagt die 10-Jährige, nachdem auch ihr Mitschüler auf der Toilette gefunden wurde. Die Kinder glauben noch immer, dass das Feuer echt ist. "Wenn's nicht echt wäre, würde es nicht nach brennendem Papier riechen", sagt John-Paul (10). Er ist bei der Freiwilligen Feuerwehr. "Ich könnte helfen, wenn ich größer wäre", sagt er. So hofft er, dass sich der Brand nicht ausbreitet.

10 Uhr: Witkowski und Halwas treten vor die Kinder und teilen mit, dass es sich um eine Übung handelte. "Schüler und Lehrer haben sehr gut reagiert", resümiert Witkowski. "Solche Übungen sind wichtig, damit Kinder sehen, dass die Feuerwehr wirklich kommt", sagt Kreisbrandmeister Schulz. "Für die Feuerwehrleute sind sie gut, damit sie das Gebäude, die Umgebung und Wasserentnahmestellen kennenlernen." Katrin Büschel ist zufrieden, dass alles geklappt hat. "Wir müssen uns überlegen, wo die Kinder im Ernstfall bei Regen warten können", nennt sie nun die nächste Aufgabe.

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