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In der Reihe "Kunstraum-Gespräche" berichtet der Sohn über das Leben der Bildhauerin Ruthild Hahne

Der Jungpionier, der ein Scout war

Rund 20 Kunstinteressierte sind  in den Ausstellungsraum gekommen, um Stefan Hahne zuzuhören.
Rund 20 Kunstinteressierte sind in den Ausstellungsraum gekommen, um Stefan Hahne zuzuhören. © Foto: MOZ/Kai-Uwe Krakau
Kai-Uwe Krakau / 16.03.2014, 22:00 Uhr
Bernau (MOZ) Ruthild Hahne sei "Spezialistin für kommunistische Helden", hatte einst eine Kunstwissenschaftlerin geschrieben. Dass die 2001 verstorbene .Bildhauerin vielleicht doch mehr war, wurde am Freitagabend in den neuen Ausstellungsräumen der Skulpturensammlung der Waldsiedlung Bernau an der Alten Goethestraße deutlich. Unter dem Motto "Unter Bäumen regnet es länger", berichtete Stefan Hahne über das Leben und Werk seiner Mutter.

Die Fabrikantentochter absolvierte zunächst eine Ausbildung zur orthopädischen Turnlehrerin. Später kam sie zum Ausdruckstanz und begann schließlich ein Bildhauer-Studium. Über ihre Kommilitonen Fritz Cremer bekam sie Kontakt zur Widerstandsgruppe "Rote Kapelle". 1941 erhält Ruthild Hahne schließlich ein Stipendium der Villa Massimo in Rom, sie bleibt ein Jahr in Italien. "Die Liebe zu dem Land hat sie ein Leben lang geprägt", sagt ihr Sohn.

Nach der Rückkehr wird die Gruppe verraten, die Künstlerin muss für vier Jahre ins Zuchthaus Cottbus. Ihr Lebensgefährte Wolfgang Thiess wird hingerichtet. Nach einem Bombenangriff kann Ruthild Hahne fliehen, später lebt sie als Bildhauerin im Berlin-Charlottenburg.

Als West-Berlinerin erhält sie schließlich im Jahre 1950 von der DDR-Regierung den Auftrag, ein monumentales Thälmann-Denkmal zu schaffen. Es sollte ihr Lebenswerk werden - aber auch ihr Schicksal. Insgesamt 15 Jahre arbeitet Ruthild Hahne an dem Werk, immer wieder gibt es Änderungen und Verzögerungen. Dann schließlich wird das Projekt endgültig abgebrochen. Dort, wo es stehen sollte, ist nun Sperrgebiet, die Mauer zwischen Ost und West ist undurchdringlich. Das, was bereits vorhanden ist, fällt 1990 dem Hammer zum Opfer.

"Die Erkennbarkeit und Naturnähe hatten bei ihren Arbeiten immer eine große Bedeutung", so der Ägyptologe Stefan Hahne. Seine Mutter, inzwischen nach Berlin-Pankow übergesiedelt, gestaltet in ihren späteren Jahren vor allem Porträt- und Kleinplastiken.

In der Skulpturensammlung ist Ruthild Hahne mit "Nora" und "Richard" vertreten. Die beiden Werke entstanden im Jahr 1947 anlässlich eines Aufenthalts beim US-Ehepaar Wheeler. "Der oft als Pionier bezeichnete Junge war eigentlich ein amerikanischer Scout", so Stefan Hahne.

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