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60 Jahre Auto-Krüger in Rathenow

Sandra Euent / 05.09.2015, 16:18 Uhr
Rathenow (MOZ) Als am 1.September1955 der frischgebackene KFZ-Meister Heinz Krüger sein Gewerbe in der Stadt Rathenow anmeldete, waren die Umstände nicht gerade die Besten. Der zweite Weltkrieg war gerade zehn Jahre vorbei und die Stadt hatte sich noch nicht vollends von den Kriegswirren erholt.

Während seiner Lehre beim Boschdienst Menzel in Rathenow musste Heinz Krüger erfahren, dass er 1943, als Siebzehnjähriger, in den Krieg ziehen musste. Jedoch für ihn stand fest, ich bin zu jung um zu sterben. Nach einer abenteuerlichen Flucht durch halb Frankreich geriet er in französische Gefangenschaft. Über England ging es für ihn zum Kriegsende per Schiff in die USA. Aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft in Texas kehrte er erst im Jahre 1948 nach Rathenow zurück.

Unter schwierigen Bedingungen beendete er seine Lehre als KFZ-Elektro-Mechaniker. 1951 begann dann die Meisterausbildung, die er am 17.Juli 1953 erfolgreich beendete. In der großen Burgstraße, in einer alten Tischlerei, richtete der frischgebackene KFZ-Meister 1955, also vor 60 Jahren, seine erste eigene Autowerkstatt ein. Viele LKW und PKW hatten den Krieg überdauert und auch die ersten Fahrzeuge aus ostdeutscher Produktion benötigten fachkundige Wartung. In den fünfziger Jahren begann sich auch in der DDR ein gewisses Wirtschaftswachstum abzuzeichnen, was jedoch leider nicht lange anhielt.

Staatswirtschaft und die Beschränkung von privatem Handwerk verschlechterten die Gesamtlage. Die Versorgung mit den nötigsten Ersatzteilen und Materialien war nur eingeschränkt abgesichert.

Für fast alle großen Industriebetriebe, Landwirtschaftsverbände und Bauunternehmen in Rathenow war die Firma Auto-Krüger ein Ansprechpartner, zu dem man Vertrauen haben konnte, der hielt was er versprach. "Geht nicht, gibt's nicht" war die Devise.

Vor allen diesen Aufträgen jedoch, stand in der Firma Krüger schon immer der private Kunde, der kleine Mann mit seinem Trabbi, Wartburg, Lada, Wolga oder ähnlichem.

Zwischenzeitlich wurde auch ein neues Firmengelände gekauft. Ab sofort war die Adresse große Burgstraße 14 und für die Firma erster, eigener Firmensitz.

Jetzt konnte auch die Angebotspalette erheblich erweitert werden. In dieser Zeit begann auch Sohn Matthias Krüger seine Lehre als KFZ-Mechaniker, die er am 14. Juli 1986 erfolgreich abschloss.

Schon um 1980 begann die Stadt Rathenow mit einem großen Wohnungsbauprogramm, dort wo früher der alte Stadtkern von Rathenow war, in der Gegend um das Grundstück der Firma Auto-Krüger. Viel Druck wurde ausgeübt, die Zwangsenteignung angedroht, wenn der Stadt nicht das Grundstück verkauft würde.

Ein neues Firmengrundstück wurde in Rathenow-West, in der Göttliner Chaussee gefunden. 1988 begann man mit dem Neubau des Firmengebäudes. Zwischenzeitlich hatte Matthias Krüger seine Meisterausbildung erfolgreich abgeschlossen und man krempelte gemeinsam die Ärmel hoch. Der neue Firmensitz wurde kurzfristig komplett umgebaut und am 01.Juli 1990, pünktlich zur Währungsunion, eröffnete man als einer der ersten Bosch-Dienste in den neuen Bundesländern.

Es gab viel nachzuholen, die Mitarbeiter wurden zu unzähligen Schulungen geschickt und große Investitionen in die neue Technik getätigt. Rechtzeitig war man also "fit' für die neuen Herausforderungen. "Kundendienst für alle Fahrzeuge" war nicht nur ein Werbeslogan.

1991 hatte Matthias Krüger, um die Angebotspalette zu erweitern, seine erste eigene Firma für den Verkauf von neuen und gebrauchten Fahrzeugen gegründet, hatte ein Grundstück angemietet und eine Ausstellungshalle darauf errichtet. Der Erfolg versprach mehr und so hatte er 1994 schon drei Fahrzeugmarken unter Vertrag. Nissan und KIA zählen noch heute zu den Standbeinen der Firma.

Bald stand aber ein neues Problem vor der Tür: Platzmangel. Den nächsten, neuen Schritt ging Matthias Krüger fortan allein. Ein großes Grundstück wurde in der Göttliner Straße14-15 erworben und darauf ein Autohaus errichtet, das alle Ansprüche an Platz, Service- und Ausstellungflächen erfüllen sollte. 1994 kaufte er die Firma seines Vaters und nannte diese ab sofort Autohaus-Krüger-GmbH. Verbunden damit war der Umzug in das gerade fertig gestellte neue Firmengebäude. Alle Mitarbeiter des Vaters wurden übernommen.

Heute, 25 Jahre nach der Wende, ist das Autohaus Krüger Anlaufpunkt unzähliger Kunden, wenn es um die Wartung und Instandsetzung von Fahrzeugen sämtlicher Marken geht.

Seit rund 15 Jahren wurde zusätzlich in eine Spezial-Fahrzeugbauabteilung investiert. Hier werden unter der firmeneigenen Marke "DAKTEC" Geländefahrzeuge für die unterschiedlichsten Einsätze konzipiert und umgebaut. Selbst die Bundeswehr zählt zu den zufriedenen Kunden der Firma Krüger.

Getreu dem alten Motto "Geht nicht, gibt's nicht" betreuen heute 15 Mitarbeiter annähernd alle Marken und Kunden und verkaufen Fahrzeuge und Zubehör über die Grenzen von Deutschland hinaus. Kundenzufriedenheit wird auch nach 60 Jahren groß geschrieben.

Als Autofachmann der dritten Generation, und Mitgeschäftsführer, leitet Sohn Robin Krüger (26) seit einigen Jahren die Spezialbauabteilung "DAKTEC". Innovative Entwicklungen und ideenreiche Umsetzungen bringen Kunden aus ganz Europa nach

Die Nachfolge ist gesichert, bei Krüger blickt man hoffnungsvoll in die Zukunft

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