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Brandenburgische Bodengesellschaft reißt militärische Altlasten und historische Villen auf der Oderinsel ab

Denkmalgeschützte Artilleriestraße beseitigt

Steine und Borde beseitigt: Die Brandenburgische Bodengesellschaft ließ die Artilleriestraße abtragen.
Steine und Borde beseitigt: Die Brandenburgische Bodengesellschaft ließ die Artilleriestraße abtragen. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 27.03.2014, 06:08 Uhr
Küstrin-Kietz (MOZ) Fast unbemerkt hat die Brandenburgische Bodengesellschaft (BBG), die für das Land das Areal der ehemaligen Küstriner Altstadt auf der Oderinsel vermarkten soll, die Artilleriestraße komplett abgerissen. Die vor 110 Jahren im Zuge der Errichtung der Artilleriekaserne angelegte Straße, die die Ostbahnstraße (heutige B1) mit der Detlefsenstraße (alte B1) verband, ist nur noch eine Sandwüste. Allerdings findet sich unter der Nummer 09180493 der Landesdenkmalliste der Eintrag: Feldartilleriekasernenanlage mit Hauptgebäude, Batteriegebäude, Kommandantur, Pferdestall und Kasernenhof sowie Artillerie- und Detlefsenstraße. Ein Umstand, der der BBG nicht bewusst war, wie Projektleiter Klaus-Dieter Lehmann am Mittwoch erklärt hat: "Wir werden uns nun mit den Denkmalbehörde in Verbindung setzen."

Die Artilleriestraße gehörte zu den vornehmsten Adressen der Stadt. Die Villen dort, zu denen auch das im Krieg zerstörte Offizierskasino und die Hansa-Konditorei gehörten, waren von der Festung aus per Straßenbahn zu erreichen. Ab 1934 fuhr die Straßenbahn sogar bis über die Vorflutbrücke, berichtet Andy Steinhauf vom Küstriner Geschichtsverein in seinem Buch "Küstrin und sein Kietz". Im Norden mündete die Artilleriestraße auf den 1926 gebauten Bahnhof Küstrin-Altstadt der Ostbahn, dessen Gebäude noch steht. Der gesamte Bereich nördlich der Detlefsenstraße steht nun vor dem Abriss.

Die Gemeinde Küstriner Vorland und die Brandenburgische Bodengesellschaft haben eine Vereinbarung geschlossen, nach der die Gemeinde einen Förderantrag zum Abriss militärischer Altlasten stellen soll. Die Investitionslandesbank habe eine Förderung ins Aussicht gestellt, so Lehmann von der BBG. Abgerissen wird alles, was nicht unter Denkmalschutz steht. Die Gemeindevertreter begrüßten am Montag den Abriss der Altlasten.

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twmolde 01.07.2014 - 09:49:22

Vorsätzlich ??? Denkmalgeschützte Artilleriestraße beseitigt

Alles hat seinen Hintergrund. Wer glaubt, dass der Abriss ausversehen geschehen ist, irrt. Die Abrissfirma hat gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Damit wurde u.a. für die PL Seite eine Voraussetzung zur Schaffung von Platz in diesem Arrrial geschaffen, um später in D ausreichend Platz zu haben um die B1 Richtung Brücke zu verlegen/zu verbreitern. Warum; Um seitens Pl auch in D die Voraussetzungen zu schaffen eine neue Brücke zu bauen. Dann rollt der ganze Osteuropa LKW Verkehr um Maut zu sparen über die B1 --> täglich ca.4800 LKW's in beiden Richtungen. Finden das die Bürger jetzt noch lustig? Aber evtl. bin ich nicht ganz ortskundig bzgl. des Abrisses oder ich irre mich. Dann sorry

Friedrich 30.06.2014 - 07:04:06

Denkmal zerstört

Dann muss die feine Firma den Urzustand wieder herstellen. +Strafe So einfach ist das! Wahrscheinlich hat sich da jemand an den Baustoffen bereichert.

Hans-Dieter Zemke 09.04.2014 - 23:04:26

Beseitung von Denkmälern

Es wird zum "Armutszeugnis", wenn einem Land seine Denkmäler nicht mehr so schützenswert sind und achtlos beiseite geräumt werden können. Die Zerstörung von anerkannten Denkmälern darf zukünftig nicht in das Ermessen derjenigen gestellt bleiben, die für dieses beschämende Vorgehen verantwortlich sind.

Andy Steinhauf 31.03.2014 - 19:55:57

Auf den Punkt gebracht

Die Kommentare von Herrn Skałba und Herrn Rogge bringen es auf den Punkt. Eines möchte ich jedoch noch hinzufügen: Es ist zwar schön, dass sich hier auch ein (anonymer) Gemeindevertreter zu Wort meldet, für mich ist es aber das größte Problem, dass das ganze Gelände einfach keine offizielle Lobby in der Gemeinde hat und in der Verwaltung wohl noch niemand erkannt hat, welchen Schatz man vor der Haustür hat und auch welche Verantwortung damit im Zusammenhang steht. Ohne Initiative seitens der Gemeinde in Zusammenarbeit mit entsprechenden historischen und archäölogischen Institutionen sehe ich für den kläglichen Rest der Gebäude auf dem Areal der westlichen Küstriner Altstadt schwarz. Auch die besterhaltene Ruine der ehemals 3 Lünetten am westlichen Oderufer ist so dem Verfall preisgegeben, während sich um das Fort Gorgast und die Reste der Küstriner Festung so gut wie möglich gekümmert wird. Es ist höchste Zeit, dass etwas geschieht. Wie erst es dem Land / der Gemeinde mit dem Denkmalschutz ist, wird man sehen...

Ryszard Skalba 31.03.2014 - 09:17:25

Unglaublich!

Seit 20 Jahren kümmern wir uns um die Erhaltung und Sanierung der Festung Küstrin. Die Altstadt ist zum Freilicht-Museum geworden, kein Stein darf entfernt werden. Im Gegenteil, wenn es in der Neustadt gebaut wird, dann wird das alte historische Material von den renovierten Straßen nicht verkauft, sondern in der Altstadt gesammelt (es soll in der Zukunft bei Rekonstruierung von Straßen der Altstadt genutzt werden). Bei den Renovierungsarbeiten haben wir immer mit Fragen polnischer Bürger zu tun: Warum baut ihr die alte preussische Festung wieder auf, warum sammelt ihr das Geld für die Wiedererrichtung des deutschen Denkmals, warum druckt ihr die Bücher über die deutsche Geschichte von Küstrin, wenn uns Bürgersteige, Parkplätze, Grünanlagen im Stadtzentrum fehlen und die Kinder unterernährt sind? Es ist nicht einfach zu erklären, dass es das europäische Kulturerbe und die Geschichte unserer Heimat ist. Und hier solch ein Ding! Es ist ein Rückschlag für uns und stellt die Tätigkeit unserer Einrichtung in Frage. Wie sollen wir den Skeptikern erklären, dass die deutschen Nachbarn selbst keinen großen Wert auf die Pflege ihrer eigenen Geschichte legen? Was wir sorgfältig pflegen, sammeln und retten, wird am anderen Ufer der Oder als Baumaterial verkauft... Traurig.

Geschichtsverein Küstrin, Martin Rogge 30.03.2014 - 18:35:19

Beseitigung der historischen Artilleriestraße durch BBG

„Küstrin war eine schöne Stadt. Sie ist im Zweiten Weltkrieg furchtbar zerstört worden und seitdem verläuft die deutsch-polnische Grenze mitten durch die Altstadt. Selbst die Ruinen zeugen noch von altem Glanz“ ... . So beginnen einige Aufsätze von Rudi Vogt zu seiner Heimatstadt Küstrin. Selbst die Artillerie- und Detlefsenstraße sowie die Artilleriekaserne auf deutscher Seite der Altstadt strahl(t)en noch immer ihren morbiden Charme aus. Kenner Brandenburg-Preußens schätzen den Geschichtsexkurs durch Küstrin, beginnend am Falkenhayn-Gedenkstein und Artilleriekasernenkomplex über die Oder hinein in die eigentliche historische Altstadt. Und hier bemüht sich die polnische Seite um den Aufbau einer deutschen Altstadt. Erste Erfolge sind unübersehbar; in letzter Zeit sind die Arbeiten noch intensiver geworden. Die deutsche Seite antwortet 500 Meter weiter mit rigoroser Beseitigung historischer Bausubstanz, der unter Denkmalschutz stehenden Artilleriestraße. Die Brandenburgische Denkmalbehörde sollte nachhaltig die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes fordern. Unser Küstriner Geschichtsverein wird das nachhaltig unterstützen.

Uwe Bräuning 28.03.2014 - 12:58:20

Wer hat Schuld am Zustand der Artilleriekaserne?

Vielleicht sollten die politisch verantwortlichen in unserer Region mal darüber nachdenken, wie ein historischer Gebäudekomplex wie die Artilleriekaserne und der Bahnhof Küstrin-Altstadt, derart verkommen kann? Ich kann mich noch gut an den " Tag der Oderinsel", im Juni 1996, erinnern. Was hatten die Politiker damals nicht für Visionen? Nichts, aber auch gar nichts davon wurde erfüllt! In der Vergangenheit wurde sehr oft vom für und weder eines Wiederaufbaus der heute zur Republik Polen gehörenden, ehemaligen Küstriner Altstadt geredet. Während gleichzeitig im heutigen Küstrin-Kietz, auf ebenfalls einst zur Küstriner Altstadt gehörenden Territorium, seit über zwanzig Jahren historische, komplett erhaltene Gebäude, regelrecht vergammeln. Und zwar derart, dass sie in naher Zukunft abgerissen werden müssen. Falls sie nicht von selbst zusammenfallen. Wie erklärt man eigentlich dem Steuerzahler, dass allein zur Oderinsel, verschiedene sündhaft teure "Machbarkeitsstudien" ganz einfach in den märkischen Sand gesetzt wurden? Anscheinend hat niemand wirklich Interesse an dem Areal. Anders kann ich mir die " versehentliche" Beseitigung der Denkmalgeschützten Artillleriestrasse nicht vorstellen.

Manschnower Gemeindevertreter 27.03.2014 - 11:03:41

! Eine Straße stört niemanden

Ich gebe Ihnen Recht und es ist eine Unverschämtheit!!! Eine Straße stört niemanden! Der Abriss der nicht denkmalgeschützten Gebäude ist etwas anderes! Ob die denkmalgeschützten Gebäude erhalten bleiben sollten, darüber kann man diskutieren. Aber sicherlich werden auch diese „unbemerkt“ durch die BBG eines Tages entfernt werden. „Wir wussten von nichts“. „Das die MOZ uns darauf aufmerksam machte, haben wir vergessen.“ Wie kann so etwas in Deutschland passieren? Die Behörden sind beim kleinsten privaten Vorfall Vor-Ort und unterbinden Arbeiten, welche nicht genehmigt sind! Hier rollt große Technik an und es passiert nichts!

Ulf Grieger 27.03.2014 - 09:01:25

Artilleriestraße

Sehr geehrter Herr Gemeindevertreter, da Sie mich direkt ansprechen, will ich meinen Beitrag noch ergänzen. Die BBG hatte einfach ein gutes Geschäft in Aussicht. Natursteinborde und Natursteinpflaster, wie es dort von einer Oranienburger Firma weggeholt werden konnte, ist nicht eben billig. Weder die Gemeinde noch das Amt waren informiert worden. Es geht dort um Werte. Auch dem Wunsch der Gemeinde, dort einmal eine Werbefläche zu haben, hätte die historische Straße nicht geschadet. Sie wäre aber als Erinnerung an die einstigen Bewohner dort gut gewesen. Vielleicht sogar mit einem Rastplatz an schöner Stelle mit Informationstafel zu den einst dort lebenden Küstrinern, unter denen bis Mitte der 30er Jahre wohl auch jüdische Familien waren. Die benachbarten denkmalgeschützten Kasernenhäuser sind dem Verfall preisgegeben. Wie würde man auf deutscher Seite reagieren, wenn die Stadt Kostrzyn das Pflaster der Altststadtstraßen verkaufen würde? Ich würde mir eine gemeinsame Gemeinderatssitzung von Kostrzyn und Küstriner Vorland zur Entwicklung Küstrins wünschen. Ulf Grieger

Manschnower Gemeindevertreter 27.03.2014 - 08:30:59

Denkmalschutz und abriss durch die BBG

Sehr geehrter Herr Dr. Grieger, wie funktioniert es dass eine Straße welche unter Denkmalschutz steht abgerissen wird? Jeder private Bürger, welcher ein Haus besitzt welcher unter Denkmalschutz steht, hat Bis aufs kleinste an Auflagen zu halten, welche die Denkmalschutzbehörde vergibt. Durch die Behörde, wird die Umsetzung dieser Auflagen kontrolliert und es ist mit hohen Strafen zu rechnen, wenn diese nicht eingehalten werden. Es muss ein Rückbau durchgeführt werden, wenn anders gebaut wird als es die Denkmalschutzbehörde genehmigt hat. Nichtwissen schützt vor Strafe nicht! Oder ist es, weil die BBG Eigentümer ist, hier etwas anderes?

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