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Warentester verlieren Schokoladen-Streit

Was ist wirklich drin? Ritter Sport beharrt darauf, dass es seiner Nuss-Schokolade natürliches Piperonal zusetzt.
Was ist wirklich drin? Ritter Sport beharrt darauf, dass es seiner Nuss-Schokolade natürliches Piperonal zusetzt. © Foto: dpa
dpa / MOZ / 13.01.2014, 19:22 Uhr
München/Berlin (dpa/MOZ) Schlappe für die Stiftung Warentest im Streit mit dem Schokoladenhersteller Ritter Sport: Die Prüfer dürfen nicht mehr behaupten, dass die Nuss-Schokolade des Herstellers ein künstlich hergestelltes Vanillearoma enthält.

Das Landgericht München entschied am Montag, dass eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung Warentest Bestand hat. Sollten die Prüfer in ihrem Schokoladentest erneut behaupten, dass die Voll-Nuss-Schokolade von Ritter Sport ein chemisch hergestelltes Vanillearoma enthalte, droht ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro. Von einem fairen Warentest könne in diesem Fall nicht gesprochen werden, erklärte das Gericht. Die Stiftung Warentest kündigte umgehend Berufung gegen die Entscheidung an.

Bei Ritter Sport sorgte das Urteil hingegen für Erleichterung. "Die Entscheidung des Landgerichts hat wie erhofft für Verbrauchersicherheit gesorgt, die in den vergangenen Wochen durch das Vorgehen der Stiftung Warentest erheblich beeinträchtigt war", sagte Inhaber Alfred Ritter im baden-württembergischen Waldenbuch, wo das Unternehmen täglich nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen Tafeln Schokolade produziert.

Auslöser des Streits war ein Test von Vollmilch-Nuss-Schokoladen, den die Stiftung Warentest im November veröffentlich hatte. Darin bemängelten die Tester, die Bezeichnung "natürliches Aroma" in der Schokolade von Ritter Sport sei irreführend, weil sie den Aromastoff Piperonal enthalte. Dieser werde synthetisch hergestellt, weil er in industriell notwendigen Größenordnungen nicht in der Natur vorkomme. Im Gesamturteil gaben sie der Schokolade deshalb die Note mangelhaft.

Das Gericht entschied aber nach einer stundenlangen Prüfung des Falls nun, die Tester hätten die Behauptung nicht nachgewiesen und dennoch von einer Irreführung der Verbraucher und "mangelnder Verkehrsfähigkeit" der Schokolade gesprochen. Zudem habe keine Gesundheitsgefährdung bestanden.

Ritter Sport hatte vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung erwirkt, einen chemisch hergestellten Aromastoff verwendet zu haben. Daraufhin musste die Stiftung Warentest die strittigen Passagen ihres Berichts entfernen, was das Gericht nun bestätigte.

Entschieden ist bislang nur über die einstweilige Verfügung. Das Herstellungsverfahren für das Aroma hätten Ritter und der Aromenlieferant Symrise AG nicht offen gelegt, argumentierte die Stiftung Warentest am Montag. Klar sei bisher lediglich, dass Symrise den Aromastoff Piperonal nicht selbst herstelle, sondern über Dritte beziehe.

Ritter Sport hatte dem Gericht versichert, dass es sich bei Piperonal um ein natürliches Aroma handelt und sich dabei auf eine Garantieerklärung von Symrise berufen. Die Firma aus dem niedersächsischen Holzminden, die einen Milliardenumsatz mit Aromastoffen macht, legte vor Gericht eine eidesstattliche Versicherung ab, dass das Aroma natürlichen Ursprungs sei. Ritter Sport setzt es in Minimengen in allen Schokoladen ein. "Das Aroma rundet den Geschmack der Schokolade ab", sagte ein Sprecher.

Gegenstand des Schokoladen-Tests war nur die Voll-Nuss-Schokolade, die für Ritter Sport die meistverkaufte Schokotafel ist. Das Unternehmen wirbt seit Jahren damit, ausschließlich natürliche Aromen zu verwenden. Einige andere Schokoladen-Hersteller verwenden stattdessen das künstliche Aroma Vanillin.

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