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Ein Turm mit Seeblick

OKOEHLER / 20.01.2010, 08:56 Uhr
Eichhorst. Auf einem kleinen Hügel an der Südspitze des Werbellinsees erhebt sich ein Turm aus Feldsteinen. Was da aussieht wie ein Bauwerk aus der Frühzeit der Mark Brandenburg, wird in diesem Jahr gerade mal 130 Jahre alt. Durchaus ein stattliches Alter für ein Denkmal, meinte unser Autor Lars Franke, und hat sich am "Schorfheide Meer" umgeschaut.

Der 2. Oktober 1879 war für den Joachimsthaler Heimatdichter Friedrich Brunold ein ganz besonderer Tag. Mit dem Askanierturm hatte eines seiner geistigen Kinder endgültig Gestalt angenommen und wurde an diesem Tag eröffnet. Die Beharrlichkeit des Lehrers und Lyrikers war nicht vergeblich gewesen. Für das Projekt Askanierturm hatte er keinen Geringeren als Prinz Carl von Preußen gewonnen.

Mehr noch: Er konnte den Fürst sogar davon überzeugen, Grund und Boden auf dem der Turm steht, zu kaufen. Bis dato gehörte nämlich das Gelände am Werbellin-Kanal der Ziegel- und Zement-Fabrik Bernoulli, die dort Wiesenkalk und Ton abbaute. Mit der Verwirklichung der Denkmal-Entwürfe wurde der Baumeister Oskar Büscher aus Eberswalde beauftragt.

Ein kleines Politikum war der Turm zudem. Das Bauwerk mit seinem Feldstein, dem Balkon und dem backsteinernden Zinnenkranz erinnerte nämlich nicht an das Herrscherhaus Hohenzollern, sondern an die Askanier - also an Markgraf Abrecht, genannt der Bär, und dessen Nachfahren. Ein Geschlecht, das hundert Jahre bevor die Hohenzollern ins Land zwischen Elbe und Oder kamen, bereits erloschen war.

Ende des 19. Jahrhunderts war in der Schorfheide jedenfalls von der einstigen Burg nicht mehr als eine bewachsene Anhöhe zu sehen. Bei dem Kanalbau zu Zeiten Friedrichs des Großen hatte man allerdings Gebäudereste freigelegt und mittelalterliche Waffen gefunden.

Wenn sich die Bauhistoriker nicht irren, so ist die Burg Mitte des 14. Jahrhunderts abgebrannt. Ob bei einem feindlichen Überfall oder durch Unachtsamkeit der Bewohner ist jedoch nicht überliefert. Auch über den Bauherrn will sich die Geschichtswissenschaft nicht festlegen. Auf jeden Fall war es einer der Albrecht-Enkel oder Urenkel. Am häufigsten wird Albrecht II genannt und die Zeit zwischen 1211 und 1215. Doch auch Johann I. und Otto III. sind im Gespräch.

Alles Namen, mit denen heute nur noch Experten etwas anfangen können. Es war wohl vor allem eine Grenzburg, mit denen die brandenburgischen Fürsten ihr Land vor Überfällen aus Mecklenburg und Pommern zu schützen versuchten. Gleichzeitig könnte das Bauwerk auch den Machtanspruch der Askanier gegenüber der slawischen Bevölkerung demonstriert haben. Mit Sicherheit diente das Anwesen jedoch als "Jagdhütte" für die Pirsch durch die wildreiche Schorfheide.

Allzu groß darf man sich die Burg nicht vorstellen. Ausgehen sollte man von 30 mal 30 Metern. Während die benachbarte Burg am Grimnitzsee Zeuge von glanzvollen Turnieren und rauschenden Festen gewesen sein soll, war in Eichhorst wohl schon wegen der bescheidenen Dimensionen kein Platz zum Zur-Schau-Stellen von Macht und Reichtum. In unmittelbarer Nähe weisen Reste eines Grabes auf ein tragisches Ereignis hin. Der Sohn des Zement-Fabrik-Inhabers ist bei einer Turm-Kletterei abgestürzt und an den Folgen gestorben.

Aus der Höhe des Askanier-turms, der zu Beginn des neuen Jahrtausends wieder zugänglich gemacht wurde, blickt man auf den sagenumwobenen Werbellinsee. Es ist nachzuvollziehen, wenn Theodor Fontane tief bewegt niederschrieb: "Es ist ein Märchenplatz, auf dem wir sitzen, denn wir sitzen am Ufer des Werbellin."

Übrigens: Wer den Aufstieg einmal wagen will, kann sich in der Gaststätte "Zum Wisent" in Eichhorst melden. Dort gibt es die Schlüssel.

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