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An der Hochschule mitentwickeltes Elektromobil ruft auf Messen Furore hervor / Serienproduktion ab 2015

Eberswalde erfindet das Rad neu

Holztechniker Moritz Sanne hockt vor dem Fahrrad, das er in einem gemeinsamen Projekt der Eberswalder Hochschule mit einer Berliner Firma entwickelt und gebaut hat.
Holztechniker Moritz Sanne hockt vor dem Fahrrad, das er in einem gemeinsamen Projekt der Eberswalder Hochschule mit einer Berliner Firma entwickelt und gebaut hat. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Thomas Burckhardt / 04.04.2014, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Man muss das Fahrrad nicht zweimal erfinden! Oder doch? Fast 200 Jahre nach der Erfindung des Rads durch den Karlsruher Forstbeamten Karl Drais ist ein Eberswalder-Berliner Projektteam dabei, genau dies zu tun. Der Clou: Wie bei Drais wird es aus Holz bestehen.

Moritz Sanne und sein Holz-Fahrrad waren in letzter Zeit viel auf Reisen. Vorige Woche war er in Nürnberg auf der Messe "Holz-Handwerk". Davor auf dem IF Design Award in München. Das "Wood-E-Bike" stößt allerorten auf großes Interesse. "In Nürnberg haben wir mehr als 600 Flyer verteilt", freut sich der 31-jährige Sanne, der an der HNE Holztechnik studiert hat.

Holzfahrräder gibt es schon. Was ist das Besondere am Eberswalder Modell? "Wir haben den ersten Prototypen eines batteriegetriebenen Holzfahrrads gebaut. Das gab es noch nicht", erläutert der Diplom-Ingenieur, der vor seinem Eberswalder Studium in Berlin eine Ausbildung zum Tischler absolviert und danach ein Jahr in Neuseeland gearbeitet hat. Vor einem Jahr startete das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt an der Eberswalder Hochschule. Sanne schrieb gerade an seiner Diplomarbeit, als er von Professor Alexander Pfriem gefragt wurde, ob er Interesse hätte, ein batteriebetriebenes Holzfahrrad mitzuentwickeln. Da er begeisterter Radrennfahrer ist, brauchte er nicht lange zu überlegen.

Den Stein ins Rollen brachte aber Matthias Broda, Mitinhaber der Berliner Firma System 180, die mit einem von ihr entwickelten Metallregalsystem sehr erfolgreich auf dem Markt ist. Auf der Suche nach einem kompetenten Projektpartner in Sachen Holzverarbeitung wurde Broda schnell am Fachbereich Holztechnik der HNE fündig. "Wir hier an der Eberswalder Hochschule bringen unser Holztechnik-Know-How ein und die Berliner bauen das Rad dann zusammen", erklärt Sanne die Aufgabenverteilung.

Der Rahmen, die Vorderrad-Gabel und der Lenker des Wood-E-Bikes werden aus heimischer Esche hergestellt. Dabei werden fünf Millimeter dicke Holzlamellen in einem Spezialverfahren mit Holzleim verklebt. Das Ergebnis ist ein ungemein stabiler und belastbarer Werkstoff. Die Technik des Rades besteht aus handverlesenen Komponenten namhafter Zulieferer der Fahrrad-Branche. Dazu zählt auch ein aus Kunststoff gefertigter Zahnriemen, der die übliche Kette ersetzt. Scheibenbremsen hinten und vorn runden den edlen Eindruck ab. "Das Glanzlicht ist jedoch die im Holzrahmen versteckte Batterie mit einer Leistung von 500 Watt. Die Reichweite bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h beträgt bis zu 100 km", erklärt Moritz Sanne. Und das Gewicht ? " Unser Rad ist mit 26 Kilo nicht schwerer als die handelsüblichen E-Bikes" versichert Sanne. Auch wird es später möglich sein, das Fahrrad exakt der Körpergröße des Kunden anzupassen.

Doch warum fertigt man eigentlich im Carbon-Zeitalter ein Fahrrad aus Holz? "Wir wollen zeigen, dass man auch aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz Fahrräder bauen und somit nachhaltiger wirtschaften kann", erläutert Sanne die Motivation der Berliner-Eberswalder Kooperation.

Im April 2015 soll das erste serienreife Holz-E-Bike auf den Markt kommen. Vorher müssen Matthias Broda und Moritz Sanne jedoch noch einige technische Fragen lösen. Eine transparente und widerstandsfähige Oberflächenbeschichtung, die den Holzrahmen vor Witterungseinflüssen schützt, zählt dazu. So viel Innovation und Exklusivität hat natürlich auch ihren Preis. "4000 Euro wird das Rad etwa kosten. Es ist natürlich ein Nischenprodukt. Aber die Messen haben gezeigt: die Nachfrage von Fahrrad-Enthusiasten ist da", berichtet Moritz Sanne. Die Hochschule selbst wird finanziell vom Verkauf der Räder nicht profitieren. Das auf zwei Jahre angelegte Forschungs-Projekt endet im April 2015. Vermarktet wird das Rad dann durch "Aceteam Berlin", einer Tochterfirma von System 180, die extra für diesen Zweck gegründet wurde.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. In der kommenden Woche ruft schon die nächste Messe. Diesmal geht es nach Hannover. Auf der dortigen Schau hat sich für Montag der Brandenburgische Wirtschaftsminister am Stand der Eberswalder Hochschule angekündigt. Moritz Sanne hofft, dass das Eberswalder Holz-Fahrrad auch dort für Aufsehen sorgen wird.

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