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Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide ist Träger für Pilotprojekt zum Schutz von Trockenrasen

Schafe weiden auf Steppenland

Genügsame Pfennigsucher: Jens Kath aus Friedrichsfelde treibt seine Herde auf die Frühjahrsweide. Er gehört zu den letzten Berufsschäfern der Uckermark.
Genügsame Pfennigsucher: Jens Kath aus Friedrichsfelde treibt seine Herde auf die Frühjahrsweide. Er gehört zu den letzten Berufsschäfern der Uckermark. © Foto: MOZ
Daniela Windolff / 10.04.2014, 04:45 Uhr
Angermünde (MOZ) Mit Naturschutz Landschaft pflegen und zugleich Geld verdienen - für den Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide ist das kein Widerspruch. Vertragsnaturschutz und Betreuung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Investoren gehören zu den Schwerpunkten des Vereins.

Brandenburgs Steppen sind für Naturschützer und Biologen einzigartige Paradiese mit einem faszinierenden, seltenen Artenspektrum. Trockenrasen gehören zu den am stärksten gefährdeten Biotopen in Deutschland. Für Landwirte sind die mageren Böden wertlos. Selbst die genügsamen Schafe fressen sich an der krautigen, harten Steppenvegetation hungrig. Damit Schäfer in der Uckermark dennoch ihre Herden auf ausgesuchten Trockenrasenflächen weiden, z. B. bei Groß-Pinnow, Jamikow, in den Stettiner Bergen bei Mescherin, in den Schildbergen in Crussow oder an den Randowhängen in Schmölln, locken finanzielle Anreize in einem Pilotprojekt, das der Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide betreut. Gefördert wird das Projekt, das seit April 2013 bis Dezember 2014 läuft, mit insgesamt 435 000 Euro aus ILE-Mitteln und Geldern des Naturschutzfonds. "Ohne Nutzung und Bewirtschaftung würden die Flächen allmählich verbuschen und die einmalige Flora und Fauna, zu der seltene einheimische Orchideen-, Schmetterlings- und Vogelarten zählen, verdrängt", erklärt Projektverantwortlicher Jan Noack, Geschäftsführer der Landschaftspflegeverbandes. Insgesamt 24 Hektar Trockenrasen in geschützten FFH-Gebieten wurden bereits von einer beauftragten Firma entbuscht. Vor allem schnellwüchsige "Allerweltsarten" wie Holunder und Schlehen oder konkurrierende Bäume wie Robinien und Ahorn, wurden maschinell oder per Hand entfernt. Jetzt müssen die Flächen beweidet werden, um ein erneutes Zuwuchern zu verhindern. In Jamikow übernimmt eine Schäferin die Beweidung des fünf Hektar großen Trockenrasens. In den Schildbergen in Crussow sollen Rinder eingesetzt werden. Der Jugendökohof Crussow will seine Dexter-Herde, ein Minirind, dort weiden lassen. Sorgenkinder sind die Trockenrasen in Mescherin und Groß Pinnow. "Wir haben noch niemanden gefunden, der trotz Vergütung die Flächen beweiden will. Auch mit Pony, Lamas, Ziegen oder Eseln haben wir es versucht", räumt Jan Noack ein.

Es gibt nur noch wenige Schafherden in der Region. Und der Aufwand auf den sehr hügeligen, abgelegenen Steppenflächen ist groß. Der Landschaftspflegeverband ist dabei Mittler zwischen Naturschutz und Landnutzern, bringt Interessen zusammen und koordiniert gemeinsame Projekte.

Die Trockenrasenpflege ist nicht das einzige Vorhaben des Landschaftspflegeverbandes. Auf der Jahresmitgliederversammlung vor wenigen Tagen berichtete Geschäftsführer Jan Noack und Vorsitzender Jens Kath über abgeschlossene, laufende und neue Vorhaben. Mit dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, das hauptsächlich das Verbandsgebiet ausmacht, will der Verein wieder Vertragsnaturschutz mit Forst- und Landwirten abschließen.

Zwei große Artenschutzprojekte, das EU-life-Programm "Schreiadler" sowie das bundesweite Rotmilan-Projekt laufen in Brandenburg unter dem Dach des uckermärkischen Landschaftspflegeverbandes. Durch nachhaltige Umstrukturierung von Landnutzung und Landwirtschaft sollen Lebensräume dieser bedrohten Arten erhalten bzw. neu geschaffen werden. Dafür braucht man nicht nur einen langen Atem, sondern auch Akzeptanz in der Bevölkerung und vor allem Kooperation mit Landwirten. "Überzeugung allein genügt nicht. Bauern müssen Geld verdienen. Das ist die besondere Herausforderung für uns. Wir wollen Landwirte sensibilisieren und zugleich Fördermittel und neue Einkommensquellen erschließen helfen", erklärt Ortrud Taeger, Koordinatorin des Rotmilan-Projektes.

Der gemeinnützige Verein, der derzeit 29 Mitglieder aus Land- und Forstwirtschaft, Umweltschutz und Kommunen hat, finanziert sich selbst hauptsächlich durch die fachliche Betreuung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bei großen Bauvorhaben, zum Beispiel für die Uckermark-Stromtrasse, den Bau des Solarparks in Britz oder die Erweiterung von Windparks in Briest und Pinnow, aber auch für den sogenannten Schreiadler-Radweg zwischen Steinhöfel und Stegelitz. So wurden Hecken und Bäume in Parstein und Beatenhof gepflanzt, in Flieth und Stegelitz Streuobstweisen angelegt und gepflegt. In Greiffenberg sollen als Ausgleich alte Stallanlagen abgerissen werden. Auch die Teichsanierung in Dobberzin und der Abriss der ehemaligen Zollstation Fiddichow sind Ausgleichsmaßnahmen, die der Landschaftspflegeverband auch 2014 organisieren und betreuen wird.

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