Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Flüchtlingen den Start erleichtern

Ska Keller
Ska Keller © Foto: Hahn
Ilse-Dore Hahn / 11.04.2014, 09:25 Uhr
Falkensee (MZV) (ha) Asylpolitik im Fokus: Auf großes Interesse stieß die Veranstaltung "Europäische und lokale Perspektiven auf die Asylpolitik" im Bürgerhaus Finkenkrug, zu der die Heinrich-Böll-Stiftung mit Moderatorin Ilona Heidenreich im Rahmen der Reihe "Grüner Salon" eingeladen hatte. Die migrationspolitische Sprecherin der Grünen im Europaparlament, Ska Keller, stellte sich nach einem kurzen Abriss über die derzeitige Flüchtlingspolitik in Europa den Fragen aus dem Kreis der rund 50, meist sehr gut informierten Besucher.

Für die Grünenpolitikerin ist klar: "Das Asylrecht, wie es zur Zeit besteht, muss geändert werden. Wir brauchen ein faires und solidarisches Asylsystem mit gleichen und hohen Schutzstandards in allen EU-Ländern." So ist die "Dublin-Verordnung, die besagt, dass in dem Land Asyl beantragt werden muss, wo die Europäische Union betreten wird, ein großes Problem. Denn viele Flüchtlinge landen mit Schiffen auf der kleinen Insel Malta. Denn es gibt kaum legale Möglichkeiten, nach Europa zu kommen. "Dabei ist die Zahl von 12.000 Syrienflüchtlingen, die in Europa um Asyl ersuchen, noch sehr gering im Verhältnis zu der einen Million Menschen, die in den kleinen Staat Libanon geflohen sind", zeigte Ska Keller ein Missverhältnis auf. Die Redebeiträge der zumeist Flüchtlings freundlich eingestellten Veranstaltungsteilnehmer bezogen sich zum einen auf Fragen zur Bürokratie der Asylverfahren, zum anderen auch auf Fragen nach praktischen Ratschlägen für das Verhalten den achtzig Flüchtlingen gegenüber, die im nächsten Jahr in Falkensee erwartet und untergebracht werden sollen. Kritik übte Ska Keller nicht nur an der langen Dauer der Asylverfahren, sondern auch daran, "dass den Flüchtlingen eine Arbeitsaufnahme durch die "Inländervorrangprüfung" sehr erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht werde. Denn gerade diese lange Zeit der Untätigkeit ist für viele Asylbewerber ein großes Problem." Doch es gibt auch Möglichkeiten, den Migranten den Start zu erleichtern, wie die junge EU-Politikerin erläuterte am Beispiel der Stadt Weimar aufzeigte: "Dort gibt es Leute in der Verwaltung, die sich kümmern." Mit zivilgesellschaftlicher Unterstützung durch Patenschaften, soziale Kontakte und einer Willkommenskultur können jedoch auch Privatpersonen viel für die Schutz suchenden Flüchtlinge tun. "Wichtig ist auch eine dezentrale Unterbringung und kein Wegsperren in fern allen Lebens gelegenen Sammelunterkünften", postulierte Ska Keller eine weitere Forderung ihrer Partei. Auf den Vorwurf aus dem Publikum, dass "man gleich in eine rechte Ecke gestellt wird, wenn man nicht für die Migranten ist und dass die Befürchtungen eines Teiles der Falkenseer Einwohner nicht ernst genommen würden", reagierte Ska Keller gelassen: "Wir versuchen, jedem die Angst vor Fremden durch Austausch von Informationen zu nehmen. Durch gegenseitiges Kennenlernen können Vorurteile abgebaut werden."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG