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Duncker und die Brillenmacher

Günter und André Schwolow (li.) mit der Bronzetafel, die Künstler Karl Mertens in den 1960er Jahren angefertigt hat.
Günter und André Schwolow (li.) mit der Bronzetafel, die Künstler Karl Mertens in den 1960er Jahren angefertigt hat. © Foto: MOZ/Wernitz
Rene Wernitz / 11.04.2014, 12:45 Uhr - Aktualisiert 11.04.2014, 13:50
Rathenow (MOZ) Ein in Bronze gegossenes Stück Zeitgeschichte prangt in der Jahnstraße 27. Im Mauerwerk der dortigen Einfahrt zum Duncker-Gewerbepark haben Günter und André Schwolow vor Wochen eine Tafel befestigt, die immer noch einige Fragen aufwirft.

Fest steht, dass diese durch den Künstler Karl Mertens (1903-1988) geschaffen wurde. Die Bronzetafel tauchte bei einem westhavelländischen Trödelhändler auf, der sie André Schwolow, Geschäftsführer der Obrira GmbH, verkaufte. Wie dieses Kunstwerk zu Trödel verkommen konnte, bleibt vorerst ein Rätsel. Fraglich ist auch, zu welchem Zweck es angefertigt wurde und wo es ursprünglich zu sehen war. Die Schwolows recherchieren dazu. Ihres Wissens nach, entstand die Tafel in den 1960er Jahren. Sie zeigt eine Brille im Stadtwappen und spricht von "Rathenower Brillenmacher seit JHA Duncker" und zeigt die Jahreszahl 1801. Das ist das Jahr, in dem Johann Heinrich August Duncker seine Vielschleifmaschine patentieren ließ, was als die Geburtsstunde der optischen Industrie gilt. Bis in die 1960er Jahre hinein war das langläufig so in den Köpfen verankert. Denkbar, dass die Tafel, die auf den Erfinder, Unternehmer und Pfarrer hinweist, ein sozialistisches Verwirrspiel störte.

Denn mit Hermann Duncker war 1960 ein prominentes SED-Mitglied gestorben. Die seinerzeit JHA Duncker genannte Produktionsgenossenschaft (PGH) mit Sitz in der Jahnstraße 27 wurde 1972 verstaatlicht und in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt. Dem VEB Augenoptik wurde der Ehrenname Hermann Duncker verliehen. Er blieb auch nach der Fusion mit den Rathenower Optischen Werken (ROW) bestehen. Um eventuellen Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Duncker-Wechsels aus dem Weg zu gehen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, könnte die Bronzetafel in eine Kammer verbannt worden und dort eingestaubt sein.

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