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Mit einem Ohr immer am Balken

Erfordert Erfahrung und Gefühl für den Baustoff: Thomas Riemann schraubt die Zwinge fest. Am Freitag haben er und sein Zimmermannskollege Reinier Scheers das historische Spritzenhaus in Altwustrow angehoben.
Erfordert Erfahrung und Gefühl für den Baustoff: Thomas Riemann schraubt die Zwinge fest. Am Freitag haben er und sein Zimmermannskollege Reinier Scheers das historische Spritzenhaus in Altwustrow angehoben. © Foto: MOZ/Nadja Voigt
Nadja Voigt / 12.04.2014, 07:13 Uhr
Altwustrow (MOZ) Die Rettung des historischen Spritzenhauses in Altwustrow durch die Hofgesellschaft Neulewin schreitet voran. Nun haben die Zimmermänner das älteste Gebäude im Dorf angehoben, um es vor dem negativen Einfluss von Spritzwasser zu schützen.

"Um wie viel Zentimeter wir es heute genau anheben, entscheiden wir spontan", sagt Zimmermann Thomas Riemann. "Das hört man dann", sagt sein Kollege Reinier Scheers lachend. Wenn das Holz ächze und stöhne, sei es an der Zeit aufzuhören. 20 bis 25 Zentimeter schätzen die beiden Männer, werden sie beide Seiten des historischen Fachwerkbaus in der Dorfmitte anheben. Erst die Straßenseite, dann die andere.

Mit Hilfe einer Winde und hydraulischen Wagenhebern machen sich die beiden Fachleute ans Werk. Sind ein paar Zentimeter geschafft, werden Keile untergeschoben, die die Stabilität gewährleisten. "Bis weitergearbeitet werden kann, werden dann Betonsteine die Keile ersetzen", erklärt Udo Schagen von der Hofgesellschaft. Der Verein hat sich der Sanierung des baufälligen Denkmals angenommen, da sich die Gemeinde Oderaue seit Jahren außer Stande sieht, die notwendigen Gelder dafür aufzubringen. Ein Glücksfall, wie das zuständige Bauamt in Wriezen immer wieder betont hat. Nur arbeiten die beiden Fachleute halb im Auftrag der Hofgesellschaft, halb ehrenamtlich auf der Baustelle. "Und sie haben ja auch noch andere Projekte. Deshalb kommen wir nicht ganz so schnell voran", erklärt Peter Herbert vom Vereinsvorstand.

Ende letzten Jahres haben Thomas Riemann und Reinier Scheers damit begonnen, die verrotteten Stiel- und Strebenfüße auszuwechseln, die verfaulten Schwellenbalken auszutauschen und die Sockelreste zu beräumen. "Jetzt steht der Bau wieder auf eigenen Füßen", sagte Thomas Riemann am Freitag. 3.75 mal 8.50 Meter misst das denkmalgeschützte frühere Spritzenhaus exakt. Damit es künftig gegen Spritzwasser geschützt ist, wird es nun angehoben. Sonst laufe es Gefahr, wieder zu verfaulen, sind sich die Fachmänner einig. Der Sockel wird dann in einem nächsten Arbeitsschritt im Laufe des Jahres aus Feldsteinen aufgebaut und mit einer Schicht aus Ziegelsteinen abgeschlossen. Nach dem Fundament folgen dann das Dach und später die Gefache. "Einige davon haben wir herausnehmen müssen, damit sie beim Anheben nicht herausfallen und die Handwerker treffen", erklärt Udo Schagen. Zudem laste dann nicht so viel Gewicht auf den Balken.

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