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Durchsuchungen in sieben Wohnungen / Drogenfunde und Festnahme / Junge Polin wird Opfer eines Ermittlungsfehlers

Peinliche Panne bei Großrazzia der Polizei

Türriegel ausgebrochen: In diese Wohnung von Katarzyna und Robert Giza stürmte die Polizei auf der Suche nach einem Drogendealer. Die Beamten hatten jedoch die falsche Adresse des Gesuchten und sich obendrein noch in der Wohnung geirrt.
Türriegel ausgebrochen: In diese Wohnung von Katarzyna und Robert Giza stürmte die Polizei auf der Suche nach einem Drogendealer. Die Beamten hatten jedoch die falsche Adresse des Gesuchten und sich obendrein noch in der Wohnung geirrt. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 14.04.2014, 20:45 Uhr - Aktualisiert 14.04.2014, 21:44
Schwedt (MOZ) Bei einem Großeinsatz gegen den Drogenhandel in Schwedt hat die Polizei sieben Wohnungen durchsucht, einen Tatverdächtigen festgenommen und Drogen sichergestellt. Bei der Aktion ist ihr aber auch ein peinlicher Fehler unterlaufen.

Katarzyna Giza lag noch im Bett, als kurz vor 7 Uhr die Wohnungstür mit lautem Knall aufbrach. Der große Sicherheitsriegel und seine Verankerung in der Wand flogen ab und in den Flur. Die junge Frau wusste nicht, wie ihr geschah, da lag sie bereits mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gepresst, von Männern fixiert. Sie bangte um ihr Leben, bis sie wirklich mitbekam, dass es sich um Polizisten handelt.

Sie versteht nicht, worum es geht, kann nur wenige Worte Deutsch. Unaufhörlich und immer lauter wurde sie von einer Beamtin befragt. Erst, als nach geraumer Zeit ihre Mutter eintrifft, die die Beamten versteht, klärt sich der Irrtum der Polizei langsam auf. Sie waren in der falschen Wohnung.

Die Polizei hat an diesem Morgen zu einem Großeinsatz gegen den Drogenhandel in der Stadt ausgeholt. 47 Beamte aus unterschiedlichsten Einheiten, darunter Kriminalisten aus Schwedt und aus der Direktion Frankfurt, Beamte der Hundestaffel, Bundes- und Revierpolizisten durchsuchten mit Durchsuchungsbeschlüssen des Amtsgerichts Neuruppin gleichzeitig sieben Wohnungen.

Sie waren auf der Suche nach mehreren Tatverdächtigen in einem Ermittlungsverfahren wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels. Die Polizei bestätigte anschließend, dass es dabei zu einer vorläufigen Festnahme sowie zur Sicherstellung von Drogen und entsprechenden Zubehörs kam. Die Ermittlungen laufen noch, deshalb könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen, erklärte Polizeisprecher Ingo Heese in Frankfurt (Oder). Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft Neuruppin geführt, die auch die Durchsuchungen beantragt hatte.

Doch bei der Ermittlung des Aufenthaltsortes einer der gesuchten Drogendealer ist offenbar ein Fehler unterlaufen. Die Beamten hatten einen Durchsuchungsbefehl für eine Adresse, an der der Gesuchte H. E. bis vor zirka vier Jahren gewohnt hatte. Nur dessen Bruder wohnte noch bis Mitte 2013 dort. Die völlig unbeteiligte Familie Giza lebt indes schon seit dreieinhalb Jahren in der Wohnung und ist dort auch ordentlich gemeldet. Das heißt, dass die Beamten nicht nur die veraltete Adresse des Gesuchten hatten, sondern auch noch die falsche Wohnung aufgebrochen haben. Der Bruder von H. wohnte nämlich in der Nachbarwohnung von Familie Giza.

Die Polizei hat den Fehler inzwischen eingeräumt. "Die Beamten der Kriminalpolizei vor Ort haben sich bereits bei der Familie entschuldigt. Es war ein bedauerlicher Fehler. So etwas soll und darf natürlich nicht vorkommen, aber es kann leider passieren. Es tut uns wirklich sehr leid", so Sprecher Ingo Heese.

Robert Giza, der während des Vorfalls auf Montage war und seiner Frau nicht helfen konnte, schilderte, welche Todesangst sie hatte, erst an Einbrecher dachte, dann daran, dass ihr Mann etwas Schlimmes gemacht haben könnte. Seither könne sie sich nicht mehr beruhigen. "Sie will jetzt nur weg hier und zurück nach Chojna, sie hat solche Angst. Wir werden von Nachbarn angeschaut, als hätten wir etwas mit Kriminellen zu tun. Ich hoffe, dass wir schnell Unterstützung bekommen, eine andere Wohnung in Schwedt zu finden."

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Sunny 16.04.2014 - 06:43:15

Hilfe statt Spott!

Den Betroffenen kann ich nur alles Gute wünschen. Die Nachbarn sollten sich vielleicht daran erinnern wie freundlich ihre polnischen Mitbürger immer waren und nicht an diesen blöden Vorfall denken. Aber ist ja klar. Kaum passiert mal was in der langweiligen Wohngegend, hat man nichts anderes zu tun als darüber zu reden. Bitte unterstützt die beiden. Und vor allem die Frau. Man muss sich mal vorstellen, wie sich die Frau gefühlt haben muss. Das vergisst sie ihr Leben nicht und wird immer in Angst leben. Deswegen ist vielleicht Hilfe angebrachter als Spott.

andpro77 15.04.2014 - 21:54:55

Was ist daran peinlich?

Das ist keine peinliche Panne, sondern ein schlimmer Fehler, der nicht passieren darf. Mich würde noch interessieren: gibt es außer Worten der Entschuldigung auch psychologische Unterstützung? Wer kommt für die Schäden auf?

Andy 15.04.2014 - 15:00:36

Peinliche Panne Bei Grossrazzia der Polizei.

Bekämpfung der Drogenkrimminalität ist ok.aber man kann auch anders bei Durchsuchungen vorgehen was wäre wenn kleine Kinder anwesent wären? Und zusehen müssen wenn Ihre Mutter so überwältigt wird? Oder hat man erst viel später mitbekommen das es sich um eine junge Frau handelt.Auch Polizisten können in ihrem Handeln sich etwas zurückhalten.Vor allem die Tür gleich so aufzubrechen.Reife Leistung.Naja vielleicht ist das die vorgehensweise,die die Beamten vorgegeben bekommen.Aber manchmal kann man damit mehr Schaden anrichtet als es Nutzen bringt.

Danke 15.04.2014 - 12:14:42

Alles Deutsche

Soweit mir bekannt, waren die Dealer alles Deutsche

Soistes 15.04.2014 - 11:33:39

Passiert

Was der Aufstand soll? Es ist doch nur löblich das gegen Drogenkriminalität was gemacht wird und da ist so ein "Einzelschicksal" nichtig! Und warum da jetzt die Polizei der "Buhmann" ist, ist mir ein Rätsel. Der ehemalige, polizeibekannte Vormieter dieser Wohnung, brauch sich lediglich nicht ab - oder umgemeldet zu haben (was ja dann doch nicht so selten ist) und schon steht die Polizei in der Wohnung. Das es eine Polin erwischt hat war Zufall, es hätte da genauso ein Deutscher wohnen können.

BONG 15.04.2014 - 10:57:50

R.GIERSCH

Autos sind hier ein beliebtes ziel von Ausländische Mitbürgern und nichts anderes. Hast sonst beweise dafür das in Schwedt Ausländer angegriffen werden?? Würde vorsichtig sein mit solchen Behauptungen. Oder hast beweise dafür???

R.Giersch 15.04.2014 - 09:56:02

@Bong

Es ist ein offenes Geheimnis, dass man sich in Schwedt bei Dunkelheit auf offener Strasse muss. Und ausländische Mitbürger sind ein beliebtes Ziel in dieser Region. Da ist die Angst der polnischen Familie doch sehr begründet. Wie der Kriminalpolizei solch ein Fehler unterlaufen kann, ist mir rätselhaft. Werden deshalb auch so viele Verbrechen nicht aufgeklärt?

BONG 15.04.2014 - 08:51:55

@BÜRGER DIESER STADT

Was hat das denn nun mit rechtsradikal zu tun? Aber auch komisch das viele Polen und Russen die in Schwedt wohnen mit Drogen dealen. Soll man diese armen Menschen in Ruhe lassen? Hier macht kein jagt auf Ausländer! Es wird nur jagt auf kriminelle Ausländer gemacht. Oder hat das in deinen Augen auch was mit Rechtsradikal zu tun???

Danke 15.04.2014 - 08:07:24

Fehler kommen vor, mit Rechtsradikal hat das nichts zu tun

Dank an allen Beamten, endlich geht mal jemand gegen diese Dealer vor ( die soviel Leid über Familien bringen, indem diese Ihre Kinder süchtig machen ) 5 Jahre ohne Bewährung für diese Typen, die teilweise nebenbei noch Stütze, vom Amt kassieren.

Bürger dieser Stadt 15.04.2014 - 07:24:15

zum Thema

...so entsteht auch ein rechtsradikales Bild der Deutschen im Ausland. Die Rechten machen bewusst Jagd auf Ausländer, die Polizei unbewusst durch schlampige Arbeit. Es ist nicht zu fassen, wie durch schlecht erledigte Ermittlungsarbeit der Polizei, Ausländer verängstigt werden. Diese jungen Polen sind villeicht in der Lage, den Wegzug/ Wegsterben der vielen Menschen in Schwedt etwas abzumildern, indem sie ihre Kinder hier aufziehen. Durch solche dummen Aktionen der Polizei wird genau das aber verhindert.....

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