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Falsche Namen auf amtlichen Karten sorgen in Trebitz für Kopfschütteln / Auftakt der Gewässersanierung

Die Sangase oder das Samgase?

Blanke Böschung bei Trebitz: Das Samgase-Fließ wurde nach 1949 begradigt.
Blanke Böschung bei Trebitz: Das Samgase-Fließ wurde nach 1949 begradigt. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 16.04.2014, 05:46 Uhr
Trebitz (MOZ) Mitarbeiter des Landesumweltamtes haben in Trebitz über das Gewässersanierungskonzept Schwielochsee informiert. Zahlreiche Zuhörer besuchten die Veranstaltung. Fehlerhafte Gewässerbezeichnungen sorgten für Irritation und Amüsement.

Auf den Karten, die Isabell Hiekel vom Landesumweltamt an die Wand des Trebitzer Dorfgemeinschaftshauses warf, waren Gewässer eingezeichnet, die es gar nicht gibt: Die "Wärche" war als ein Nebenflüsschen notiert, welches in "die Sangase" mündet. Dies wollten die zahlreich (35) erschienen Trebitzer so nicht stehen lassen. Die "Wärche" sei in Wirklichkeit bereits ein Stück des Samgase-Fließes. Die Flurbezeichnung stehe vielmehr für ein Ackerstück auf der Gemarkung Ullersdorf. Man beachte das "M" im Namen: Das Samgasefließ, nicht die Sangase, so werde ein Schuh daraus. Die Samgase gebe es auch, allerdings handele es sich um ein Stück Wiese ganz in der Nähe des Dorfes, stellte Frank Küchholz, der sich mit der Traditionspflege im Dorf befasst, klar. Mit diesen Präliminarien gestaltete sich der Auftakt der Gebietsarbeitsgruppe Sangase, pardon Samgase, leidlich humorvoll.

Isabell Hiekel verteidigte ihre Behörde. Die Gewässerbezeichnungen seien in offiziellen Quellen in Potsdam und in Brüssel so hinterlegt. Sie bedauerte, mit den falschen Flurbezeichnungen aufgrund amtlicher Vorgaben weiterarbeiten zu müssen. Sie schlug vor, künftig die korrekte und die falsche Bezeichnung nebeneinander zu verwenden: Sangase-Samgase.

Die Projektleiterin informierte über die Gewässersanierung Schwielochsee und die daraus abgeleitete Gebietsarbeitsgruppe. Demnach sollen in den kommenden Jahren die wichtigsten Einzugsgewässer des Schwielochsees, zu denen auch das Samgase-Fließ gehört, als Verursacher von Nährstoffeinträgen unter die Lupe genommen werden. Das Samgase-Fließ sei indes heute schon recht frei von Nährstoff-Frachten. Dennoch gebe es Verbesserungspotenzial. So sei die Gewässerstruktur unterentwickelt. Damit meint sie, dass in Folge der Fließbegradigung nach 1949 der ehemals leicht geschlängelte Verlauf glattgebügelt wurde mit der Folge, dass sich kaum Unterschlupfmöglichkeiten für Fische ergeben. Ein weiteres Problem sei die auf weiten Strecken baumlose Ufergestaltung, die wenig Schatten biete. Ein Problem sei auch die zur Energiegewinnung genutzte Mühle in Möllen, die für Fische ein unüberwindbares Hindernis darstelle.

Als erste Ideen schlug Nicole Kovalev vom behördlich beauftragten Ingenieurbüro Kovalev-Spundflasch vor, die Böschungen des Fließes mit Erlen zu bepflanzen. Deren Laub sei im Gegensatz zu Pappellaub rasch organisch abbaubar. Die Bäume würden im Sommer die Wasseroberfläche kühlen und so Algenwachstum erschweren. Außerdem könne man Totholz-Buhnen in das Flussbett einbauen, um Laichplätze für Fische zu schaffen.

Sylvia Bartusch von der Agrargenossenschaft Klein Muckrow forderte, bei der Bepflanzung der Fließböschungen an die Landwirtschaft zu denken. Jeder Quadratmeter landwirtschaftlicher Nutzfläche, der durch Gehölzpflanzungen verloren gehe, würde aus der Agrarföderung heraus, und den Betrieben somit auf die Füße fallen. Isabell Hiekel ging auf diese Anregung ein, indem sie zu prüfen versprach, ob diese Gehölze als "Landschaftselemente" anerkannt und entsprechend gefördert werden können.

Die nächsten Vor-Ort-Termine mit dem Landesumweltamt finden am 28. April an der Voigtsmühle, am 5. Mai an der Brücke Trebitz und am 8. Mai an der Brücke Ullersdorf statt. Beginn jeweils um 18 Uhr.

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