Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Auf dem Gelände der Basdorfer Landespolizeischule könnte eine profitfreie Genossenschaft mit eigener Energieversorgung entstehen

Eine Wohngemeinschaft von übermorgen

Am Ort des Geschehens: Das Gelände der ehemaligen Landespolizeischule bietet viel Raum für Genossenschaftswohnungen und Reihenhäuser.
Am Ort des Geschehens: Das Gelände der ehemaligen Landespolizeischule bietet viel Raum für Genossenschaftswohnungen und Reihenhäuser. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Hans Still / 25.04.2014, 03:45 Uhr
Basdorf (MOZ) Dem Gelände der ehemaligen Basdorfer Landespolizeischule steht möglicherweise eine Zukunft als Innovationsstandort bevor. Ortsvorsteher Peter Liebehenschel sieht auf dem Areal Platz für eine profitfreie Genossenschaft mit dem Anspruch, die Energieversorgung eigenständig sicherzustellen.

Wenn am 6. Mai beim Wandlitzer Kämmerer Christian Braungard Vertreter des Kreises, der Barnimer Energiegesellschaft, Bürgermeisterin Jana Radant und Ortsvorsteher Peter Liebehenschel zusammenkommen, sind unkonventionelle Ideen gefragt. Wie in einer Spinnstunde könnte es darum geben, das Konzept einer Wohngemeinschaft von übermorgen zu konzipieren. Das 42 Hektar große Areal der ehemaligen Landespolizeischule setzt den Protagonisten kaum Grenzen, sie sollten ihrer Fantasie ebenfalls die Zügel locker lassen. Liebehenschel hat schon mal vorgelegt mit einem Brandbrief, den er mit "Visionen eines Ortsvorstehers" überschrieben hat.

Der Kern dieser Ideensammlung lebt vom Willen, einerseits mehr Bürger in Basdorf anzusiedeln. Andererseits aber nicht den normalen Weg zu gehen, indem ein Bauträger beauftragt wird, das Areal zu erschließen. "Hier bietet sich die Chance, wie auf einer grünen Wiese etwas Neues zu beginnen. Wir brauchen nicht noch eine Wohnsiedlung, in der sich die Nachbarn beim Frühstück in die Kaffeetasse krümeln", hat Liebehenschel aufgeschrieben.

Darum verfolgt er ein Genossenschaftsmodell ohne Profitinteressen, dafür mit einem - neumodisch gesagt - ganzheitlichen Ansatz. Der sieht generationsübergreifendes Wohnen vor, da Liebenhenschel findet, "dass die Gesellschaft mit Senioren nicht fair umgeht. Sie landen irgendwann im Heim mit klangvollen Namen, könnten aber in betreuten Wohnformen auch sehr gut mit jungen Menschen zusammenleben."

Fünf Blöcke zum Wohnen und weitere acht Blöcke für Reihenhäuser bieten auf dem Areal Wohnraum en massé. Die Reihenhäuser könnten an private Interessenten verkauft werden, für die Wohnhäuser sieht Liebehenschel die Gemeinde als Vermieter. "Wenn nach dem Genossenschaftsprinzip Anteile eingezahlt werden, reichen Banken auch Kredite aus, um investieren zu können."

Die von Thomas Simon geleitete Barnimer Energiegesellschaft des Landkreises soll Ansprechpartner für innovative Energiekonzepte sein. "Wir sind auf dem Gelände an keinen Energiemonopolisten gebunden und könnten zu eigenen Kosten ein Blockheizkraftwerk mit Gas als Grundlast installieren. Es würde Strom produziert werden, und es fällt Wärme an, die beispielsweise in einen unterirdischen Warmwasserspeicher für die Fernheizung geleitet wird", entwirft Liebehenschel Ideen. Auch sollten sich genügend Flächen für Photovoltaik-Module finden lassen, um weiteren Strom zu produzieren. Und auch an die Abwässer sei zu denken, so Liebehenschel. Geschäftsführer Simon habe bei einem Gespräch die Idee eingebracht, gleich ein eigenes Klärwerk vorzusehen. Dort würde ebenfalls Gas anfallen, das gewinnbringend verbrannt werden könnte.

Liebehenschel ist sich sicher, Basdorf gehört weiterhin zu den begehrten Wohnstandorten in Wandlitz. 5100 Einwohner zählt der Ort aktuell, zur Wende waren es nur 2800 Einwohner. "Bevor heute ein Bauunternehmer den Bagger ansetzt, hat er bereits den Wohnraum vermietet oder verkauft. Warum sollten wir diesen Ansiedlungsdruck nicht ausnutzen und mit diesem Projekt Hilfe zur Selbsthilfe ins Leben rufen", fragt Liebehenschel, der schließlich noch einen weiterführenden Gedanken bringt. Wenn das Vorhaben umgesetzt werden kann und leichte Gewinne abwirft, dann könnten diese in einen Fonds fließen, um von Altersarmut betroffene Wandlitzer zu unterstützen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG