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Was einstmals über die Straßen rollte / Tausende auf Ost-Oldtimer-Treffen im Luftfahrtmuseum

Vom Kinderwagen bis zum Kettenfahrzeug

Charmante Kulisse: Vor den historischen Ausstellungsstücken des Luftfahrtmuseums haben die Ostfahrzeuge ihren ganz eigenen Reiz.
Charmante Kulisse: Vor den historischen Ausstellungsstücken des Luftfahrtmuseums haben die Ostfahrzeuge ihren ganz eigenen Reiz. © Foto: Sören Tetzlaff
Ellen Werner / 28.04.2014, 06:45 Uhr - Aktualisiert 07.05.2014, 15:28
Finowfurt (MOZ) Mehrere Tausend Besucher hatte das achte Ostfahrzeugtreffen vom Luftfahrtmuseum. Vor allem aus dem Barnim und umliegenden Landkreisen, aber auch von weiterher, etwa aus Stuttgart oder Tschechien, kamen Liebhaber alter Autos am Wochenende nach Finowfurt.

Schon vom Autobahnabzweig an mussten die Freunde der Ostoldtimer erst einmal den stockenden Verkehr bewältigen. "Wir hatten gestern schon fast das Doppelte von dem gewohnten Besucherandrang - dabei ist sonst am Freitag noch nicht ganz so viel los", stellte Museumsleiter Hans-Peter Kobbe am Sonnabendvormittag fest. "Mit dem Wetter sind ja auch alle Dinge optimal."

Tausende Besucher strömten am Wochenende zum inzwischen schon 8. Ostfahrzeugtreffen im Luftfahtrtmuseum Finowfurt.
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8.Ostfahrzeugtreffen

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Auf eine der wichtigsten Großveranstaltungen des Luftfahrtmuseum, die erste in diesem Jahr, hatte sich der Museumsverein laut Kobbe auch gut vorbereitet. "Wir haben eine ganze Menge Manpower akquiriert, das Leitsystem verbessert, Parkmöglichkeiten vergrößert und auch im Sanitärbereich etwas gemacht", sagte der Museumschef.

So blieben die Fahrzeuge der Besucher draußen - Motorräder auf einem, Autos auf einem anderen Parkplatz. Das Museumsgelände war den Ostfahrzeugen und historischer Landwirtschaftstechnik - Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung - vorbehalten. "Im vorigen Jahr hatten wir um die tausend Fahrzeuge vom Fahrrad bis zum Kettenfahrzeug", so Kobbe. "Ich denke, das reißen wir wieder."

Beeindruckt vom Spektrum waren jedenfalls Alexander und Wolfgang Teske. Die Stralsunder, Sohn und Vater, kamen zum ersten Mal nach Finowfurt. Ihr Mobil - eine äußerst gut erhaltene Wolga-Limousine Baujahr '76, weißer Lack, original DDR-Taxi-Schild, brachte ihnen aber auch einige interessierte Gesprächspartner ein.

"Der ist früher im Filmstudio Babelsberg gelaufen", sagt Wolfgang Teske, 52. "Und das findet man heutzutage relativ selten", erläuterte er. "Die meisten Wolga, die in der DDR auch gefahren sind, kamen später wieder in die ehemalige Sowjetunion." Er habe sich damit einen Traum erfüllt, sagt sein 25-jähriger Sohn, seit dem Sommer Besitzer des Wagens. Der sei zwar ein Standardmodell, aber einst nur für Taxen oder Betriebswagen genutzt worden. Weil Vater Wolfgang früher Taxi fuhr, ist auch ein originales Taxameter im Wagen - und ein Preisschild von einst: 0,65 DDR-Mark kostete die Fahrt in Stralsund pro Kilometer.

Grund, sich auf dem riesigen Teilemarkt umzusehen, boten dem Vater-Sohn-Duo nicht nur die 15 Motorräder, vier Autos und einige Wohnwagen in der heimischen Ostfahrzeugsammlung. "Wir suchen eine Radkappe, wie wir sie heute morgen verloren haben", sagen die Tagesausflügler.

Auf die Übernachtung im Zelt haben sich die Anhänger des Ostfahrzeugvereins IFA Inst aus Altlandsberg (Märkisch-Oderland) eingerichtet. Vorwiegend auf Trabis "in allen Varianten", aber auch Barkas' und Mopeds richtet sich die Leidenschaft der Vereinsmitglieder. Bei Sabrina Teucher, 33, reicht die Neigung zu den Ostfahrzeugen sogar bis zum Kinderwagen. "Ich wollte für meine Kinder so einen, wie ich früher hatte", sagt sie. Schon von der Ästhetik her findet sie den Oldie-Wagen, in dem sie Töchterchen Mathilda, ein halbes Jahr alt, nun in den Schlaf rollt, heutigen Modellen überlegen. "Er ist auch praktischer, schön groß und gefedert. Und im Trabi, einem Kombi, haben wir alles so umgebaut, dass der Kinderwagen reinpasst."

Zu Sammlern wie Teskes zählt auch der Zehdenicker Ulf Backhaus. Mit den elfjährigen Zwillingen Niklas und Jonas dreht der 44-jährige Besitzer von rund 20 Autos und Motorrädern auf einer Jawa mit Seitenwagen von 1959 vielbeachtete Runden. "Es gibt ja eine Menge Jawas hier auf dem Platz." Mit Beiwagen sehe man das Motorrad, das die Familie zu viert nutze, allerdings selten. "Hier ist es der einzige", sagt er sichtlich stolz.

Schwerpunktmotto für das Ostfahrzeugtreffen war: "Bauer leg' die Sense hin, lass deine Arme ruhen, ein Riese aus der Sowjetunion wird deine Arbeit tun." Gefunden hatte das Zitat eine Arbeitsgruppe des Museums in Vorbereitung auf die Großveranstaltung in einer Publikation aus den 50er-Jahren. Zu sehen war Großtechnik aus der Landwirtschaft.

Hochbetrieb herrschte auf der Strecke für Geländefahrzeuge. In Vorjahren durften die Veranstalter, die mit Gastfahrzeugen das Museumsareal nutzen, in Folge von Anwohner- und Naturschutzbeschwerden nicht fahren. Nun gebe es aber die Genehmigung, so Museumschef Kobbe. Von Höllenlärm, Rußwolken und Staub ließen sich Besucher, die mitfahren wollten, denn auch nicht abhalten. Vor allem ein Bergepanzer und ein Schützenpanzer waren bei Mitfahrern begehrt. "Das war super, faszinierend, und mein Kind mag es so doll", sagte Anett Puhkis, die dem neunjährigen Maurice zuliebe mitgefahren war, nach dem Abstieg. Was an den Panzern so anziehend ist? "Wo es qualmt, stinkt und lärmt, da ist Action - das ist die reine Sensationslust", glaubt Henry, 43, einer der Fahrer. "Uns geht es nur um die Technik, nicht um die Waffen - das ist Rumspielen im Sand, ein Sandkasten für Große."

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