Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Landschaftspflegeverband sensibilisiert Landwirte für artenschutzfreundliche Feldwirtschaft

Unkrautinseln für den Rotmilan

Daniela Windolff / 30.04.2014, 06:50 Uhr - Aktualisiert 01.05.2014, 21:01
Angermünde (MOZ) Die einen kennen ihn als Gabelweihe, die anderen nennen ihn den "König der Lüfte". Der elegante Rotmilan gehörte einst in unseren Breiten zum fast alltäglichen Bild in der offenen Feldlandschaft. Heute ist der habichtartige Greifvogel akut vom Aussterben bedroht. Rund die Hälfte des Weltbestandes ist in Deutschland zu Hause, davon etwa 13 Prozent allein in Brandenburg. Doch seit den 90er Jahren gibt es starke Bestandseinbrüche um mehr als 30 Prozent.

Ein bundesweites Artenschutzprojekt, das vom Umweltministerium und Bundesamt für Naturschutz gefördert und vom Deutschen Verband für Landschaftspflege fachlich umgesetzt wird, soll dem gefiederten Jäger wieder Lebensraum und Nahrung und damit seine Existenz sichern. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist eine von insgesamt elf Projektregionen in sieben Bundesländern. Der Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide ist Praxispartner und Koordinator des Projektes in der Region.

"Unsere Aufgabe ist es, im Untersuchungsgebiet nördlich um Angermünde zunächst den Bestand zu erfassen, Lebensräume zu untersuchen und Nester zu kartieren. Im Altkreis Angermünde sind rund 70 Rotmilanreviere bekannt, davon 27 als Brutrevier. Vor allem, wo ökoligischer Landbau dominiert, sind Rotmilane zu finden", erklärt Projektkoordinatorin Ortrud Taeger. Als nächsten Schritt versuchen die Projektexperten Maßnahmen zu entwickeln, die die Bestände schützen und dazu beitragen, dass sich der Rotmilan wieder verbreitet. Anliegen sei es, Lebensraum und Nahrungsvielfalt langfristig zu verbessern. Hauptbeutetier des Rotmilan ist der Feldhamster, der hier so gut wie ausgerottet ist. Auch Mäuse und andere Kleintiere stehen auf seinem Speiseplan. Doch intensive Grünlandnutzung, Rückgang der Viehbestände und damit des Feldfutteranbaus, stattdessen riesige Flächen von Energiepflanzen wie Mais und Raps reißen Löcher in die vielfältige Nahrungskette. Der Rotmilan reagiert darauf ebenso empfindlich, wie auf Störungen seines Brutreviers. "Um diesen Lebensraum zu schützen, ist es unersetzlich, mit den Landnutzern, vor allem den Landwirten Hand in Hand zu arbeiten, sie zu informieren und zu sensibilisieren", sagt Ortrud Taeger.

Langfristig zielt das Projekt darauf hin, Landwirte für eine extensive Grünlandbewirtschaft zu motivieren, sogenannte Lerchenfenster auf den Äckern und Ackerwildkräuter am Feldrain stehen zu lassen und Fruchtvielfalt anzubauen. Für den Mehraufwand muss den Landwirten jedoch auch eine Entschädigung gezahlt werden.

Alles was den Rotmilan schützt, nützt auch anderen Arten und ist für Wasser- und Bodenqualität förderlich.

Ein arger Feind des Rotmilans sind Windkraftanlagen. "Er ist der am stärksten durch Windmühlen gefährdete Vogel. Leider hat Lobbyismus hier oft mehr Gewicht, als Fachwissen. Naturschützer werden oft als grüne Spinner abserviert", bedauert Ortrud Taeger.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG