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Eine S-Bahn ohne Kinderkrankheiten

Von der Form des Führerstands bis zur Farbauswahl: Michael Sohn leitet das Designstudio im Hennigsdorfer Bombardierwerk. Sein Herz hängt längst an der noch gar nicht existenten neuen S-Bahn.
Von der Form des Führerstands bis zur Farbauswahl: Michael Sohn leitet das Designstudio im Hennigsdorfer Bombardierwerk. Sein Herz hängt längst an der noch gar nicht existenten neuen S-Bahn. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 30.04.2014, 08:00 Uhr - Aktualisiert 30.04.2014, 08:15
Hennigsdorf (MZV) In der Design-Abteilung von Bombardier rauchen seit Monaten die Köpfe. 20 Mitarbeiter tüfteln am Design für Berlins neue S-Bahn. Bereits vor zwei Jahren wurden die ersten Ideen geboren. Jetzt geht es um den Feinschliff, damit die Präsentation bei der Deutschen Bahn Ende Juni so beeindruckend wie möglich ausfällt.

Für das Hennigsdorfer Werk könnte der Berliner S-Bahn-Auftrag der ganz große Wurf werden. Deutschlands Bombardier-Chef Michael Clausecker wirft mit Zahlen um sich, die es in sich haben. Würde Bombardier den Zuschlag zum Bau von insgesamt 1 400 Wagen erhalten, würde zehn Jahre lang 1 000 Angestellten einen sicheren Job bescheren - die Wartung der Züge noch nicht eingeschlossen. Doch noch ist alles offen.

"Wir setzen alles daran, den S-Bahn-Auftrag zu gewinnen." Clauseckers Satz ist wohl der, den man im Hause Bombardier derzeit am häufigsten hört. Insider gehen davon aus, dass die Firma große Chancen hat, die Konkurrenz zu schlagen. Zumal kolportiert wird, dass Anbieter wie Siemens und Alstom gar nicht mehr so sehr an diesem Auftrag interessiert seien. Bei Bombardier will das freilich niemand kommentieren.

Doch wenn Clausecker vorrechnet, wann die erste Bahn aus dem Hause Bombardier den Berliner S-Bahn-Ring umrunden könnte, spürt man, wie tief sich der Firmenchef bereits in den Auftrag hineingedacht hat. "Es ist unmöglich, 2017 bereits die ersten neuen Züge liefern zu können." In jenem Jahr soll der neue Betreiber den Ring und drei weitere Strecken übernehmen. Wenn sich der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg Ende des Jahres für einen neuen Streckenbetreiber entscheidet und dieser etwa sechs Wochen später den Auftrag zum Bau der Zugflotte vergibt, würden weitere 44 Monate benötigt, bis die ersten Triebwagen ausgeliefert werden. Damit ist man bereits im Herbst 2018 angelangt.

Schneller geht's nicht. Das hat Bombardier aus der missglückten Premiere des Regionalzugs Talent II gelernt. "Wir wollen super Züge entwickeln und anständig erproben. Wir wollen nicht unter Hochdruck Züge ausliefern, die Kinderkrankheiten haben", beschreibt Clausecker die Qualitätsansprüche.

Die S-Bahn-Flotte soll in drei Stufen ausgetauscht werden. Bei der ersten Ausschreibung geht es um 200 Viertelzüge, besser gesagt um 400 Wagen. Denn die neue Generation auf der Berliner Schiene wird nur noch zu Teilen aus Viertelzügen bestehen. Die Bahn fordere, dass Halbzüge den größeren Teil der Flotte bilden. Das wirkt sich auf die Zahl der Sitzplätze aus. Laut Bombardier-Studie würden zwei Viertelzüge nur 168 Plätze bieten, in einem Halbzug wären es 22 mehr. Unterm Strich bleiben nach den bisherigen Vorgaben dennoch weniger Sitze als bisher. "Wegen der neuen Crash-Normen müssen wir den Führerstand größer bauen", erläuterte Dr. Tobias Hauswald vom Bereich Engineering. Für die Fahrgäste dürfte übrigens vieles beim Alten bleiben. "Es wird eine Evolution geben, die große Revolution bleibt aus", sagt Hauswald. Selbst von der Farbgebung her wird die neue Bahn sehr an die bisherigen Baureihen erinnern. Beinhaltet diese Evolution zumindest die Hoffnung, im Sommer nicht mehr in der Bahn schwitzen zu müssen? Hauswald bremst: "Zur Klimaanlage sind die Wünsche noch nicht abschließend definiert."

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