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Landes-Hochschulverband kritisiert magere finanzielle Ausstattung der Einrichtungen / Viadrina hat seit 2008 mehr Eigenverantwortung

Die Stiftungsuni brachte nicht mehr Geld, aber mehr Autonomie

© Foto: Heide Fest
Dietrich Schröder / 07.05.2014, 07:16 Uhr
Potsdam/Frankfurt (MOZ) Brandenburg gibt unter allen Bundesländern am wenigsten Geld für seine Hochschulen aus. Ob unter diesen Bedingungen das Modell von Stiftungs-Universitäten eine finanzielle Alternative darstellt, darüber wurde am Montagabend im Deutschen Hochschulverband (DHV) diskutiert. Das ist die Berufsvertretung der Hochschullehrer, der hierzulande rund 300 Mitglieder angehören.

Anschauungsmaterial bildet die Frankfurter Europa-Universität, die bereits seit 2008 nicht mehr direkt dem Wissenschaftsministerium untersteht, sondern sich in der Trägerschaft einer Stiftung befindet. Dem Stiftungsrat gehören Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft sowie ein Ministeriumsvertreter an.

"Hoffnungen auf stetig sprudelnde Spenden an unsere Stiftung haben sich zwar kaum erfüllt, die Autonomie der Uni sowohl in inhaltlichen wie auch Haushaltsfragen ist jedoch deutlich größer geworden." So lässt sich die Einschätzung des Frankfurter Wirtschaftsprofessors Stephan Kudert zusammenfassen. Er war drei Jahre lang Senatsvorsitzender der Stiftungsuni.

"Die Stiftungsmentalität in Deutschland und schon gar in einer eher schwachen wirtschaftlichen Region kann man nicht mit den Traditionen in den USA vergleichen", so Kudert. Andererseits sei man gerade allen kleineren Unternehmern und Spendern aus der Region sehr dankbar. Konkret hat die Hochschule bisher 531465 Euro an Zustiftungen eingeworben, vor zwei Jahren ihre Werbung dafür aber eingestellt. Da nur Zinserträge des Stiftungskapitals für Ausgaben verwandt werden dürfen, "kann man bei den derzeitigen Zinssätzen vielleicht eine Assistentenstelle davon finanzieren", so Kudert.

Den Mehrwert der Stiftung sehen er und andere Viadrina-Wissenschaftler in der größeren Eigenverantwortung bei der Entwicklung der Uni sowie bei der Verwendung der Landesmittel von 25 Millionen Euro, die die Hochschule pro Jahr erhält. "Wir können mehr für das Geld leisten, da über den effektiven Einsatz besser nachgedacht wird", so Kudert. Bestimmte Projekte können besonders gefördert werden, und es dürfen auch Rücklagen gebildet werden. Zugleich erwachse daraus eine größere Verantwortung und eine mehrfache Kontrolle über das Geld.

Wissenschaftler von der Uni Cottbus-Senftenberg erklärten, dass sie sich im Laufe der hektisch verlaufenen Fusion ihrer Uni Mitspracherechte wie an der Viadrina gewünscht hätten. Der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther, kritisierte, dass die Unis vom Land nur auf dem gleichen Niveau wie die Fachhochschulen ausgestattet werden. Seiner Uni gelinge es, für jeden Euro vom Land etwa 50 Cent an Drittmitteln aus anderen Quellen einzuwerben.

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