Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Pilzdach und Panoramablick

Freudige Übergabe mit Aussicht: Am Dienstag ist die neue Dachsberghütte mit Info-Punkt von den am Gemeinschaftsprojekt Beteiligten eingeweiht worden (v. l. Manfred Ahrens, Thiemo Seelig, Lothar Arndt, Andreas Jautze, Marius Jünemann und Charlotte Bergmann
Freudige Übergabe mit Aussicht: Am Dienstag ist die neue Dachsberghütte mit Info-Punkt von den am Gemeinschaftsprojekt Beteiligten eingeweiht worden (v. l. Manfred Ahrens, Thiemo Seelig, Lothar Arndt, Andreas Jautze, Marius Jünemann und Charlotte Bergmann © Foto: MOZ/Gabriele Rataj
Gabriele Rataj / 15.05.2014, 06:55 Uhr
Bollersdorf (MOZ) Um die Einweihung zu erleben, mussten die Beteiligten passenderweise Autos stehen lassen und die Wanderschuhe schnüren. Zum neuen Schutzpilz samt Geo-Informationssystem auf dem Dachsberg führt keine Straße. Dieses ziert in neuer Schönheit das bekannte Ausflugsziel in der Märkischen Schweiz.

Nun ist er komplett. Der Aussichtspunkt auf dem Dachsberg, einer der höchsten Erhebungen in der Märkischen Schweiz nach dem 126 Meter hohen Krugberg, weist nicht nur eine neue Schutzhütte auf. Unter dem hölzernen Wetterschutz in Pilzform können sich Touristen nunmehr auch umfassend informieren.

Für die am Projekt beteiligten Akteure war die Fertigstellung am Dienstag Anlass, den 95,8 Meter hohen Berg mit herrlicher Aussicht zu erwandern und unter neuem Dach auf dieses attraktive und möglichst lange unbeschädigte Wanderziel anzustoßen.

Auf ganz verschiedenen Pfaden näherten sich die Akteure dem Ort des Geschehens. Sie liefen am Giebelpfuhl entlang, wo mit dem Giebel heute noch die Urform des Goldfischs vorkommt. Andere benutzten den Poetensteig und machten noch einen Abstecher zum Teufelsstein. Sie stiegen durch die wildromantische Wolfsschlucht hinauf oder ließen sich auf einem der bequemeren Wege einfach Zeit, um zu der schönen Aussicht zu gelangen.

So unterschiedlich die Aufstiegsmöglichkeiten, so verschieden waren im Vorfeld auch die Quellen, die für ein Gelingen dieses letztlich Gemeinschaftsprojektes "Erneuerung der Dachsberghütte zum Infopunkt für den Geo-Tourismus" vereinigt wurden. Die Gemeinde Oberbarnim, zu deren Territorium der Ortsteil Bollersdorf und die Gemarkung Pritzhagen mit dem Dachsberg gehören, hätte das allein nicht stemmen können.

Der Projektvorschlag des Vereins Naturschutzpark Märkische Schweiz vom Herbst 2012 kam da gerade recht. Nicht allein die pilzförmige Schutzhütte sollte in möglichst dauerhafter Form wiedererstehen. Der viel besuchte Aussichtspunkt sollte mit einem Informationssystem zum Geotourismus kombiniert und so noch weiter aufgewertet werden.

Über den Naturparkverein, Fördermittel-Antragstellung und mit Unterstützung von Amtsverwaltung sowie Kultur- und Tourismusamt Märkische Schweiz konnte so die Realisierung in Angriff genommen werden. Von mehreren tausend Euro Gesamtkosten stammen nunmehr fast zwei Drittel aus der europäischen ILE/Leader-Förderung und der Naturschutzpark-Verein ist mit Eigenmitteln beteiligt.

Entstanden ist dabei eine sehenswert-gefällige Holzpfostenkonstruktion in Pilzform mit einer den Fuß umlaufenden Sitzbank und ergänzend vervollständigten fünf Sitzbänken rund um die Hütte. Errichtet wurde das Objekt von der Werkstatt des Waldsieversdorfers Bernd Zwerschke.

"Wir wollten, dass das Geld dafür in der Region bleibt", betont die Chefin des Naturparkvereins Charlotte Bergmann. Dass der Erbauer mit dem Herzen dabei war, davon zeugt nicht nur ein angedeutetes Herz im Pilzstiel. Auf dem Dachfirst hat sogar ein Dachs Platz genommen und ein Vogelhaus wartet auf Besiedlung.

Einst war das Wetterschutzdach zwar reetgedeckt. Die Kopie eines alten Fotos in einem vor rund 100 Jahren verlegten Buch "Wandern in der Märkischen Schweiz" Teil 1, das der geschichtsinteressierte Manfred Ahrens aus Grunow-Ernsthof dabei hat, zeigt es. Doch die schieferförmig aufgenagelten Robinienbretter sind typischer und auch haltbar.

Das sechsseitige Geo-Infosystem gibt darüber hinaus ausführliche Auskünfte. Es erläutert Eckpunkte des Ausblicks und gibt Hinweise zu weiteren Wanderzielen. Es erklärt die Entstehung der Landschaft in der Eiszeit und deren gegenwärtige Erscheinungsformen. Es hat Informationen zum Zustandekommen der typischen Kehlen - wie der nahen Wolfsschlucht - parat. Es hält Fakten zu Flora und Fauna bereit. Es zitiert den bekanntesten Wanderer der Mark, Theodor Fontane.

Leider sei in puncto Dachsberg, laut Fontane "Lieblingsplatz märkischer Touristen", etwas Wesentliches ausgespart, rügt Erich Lorenzen von der Naturpark-Verwaltung und zitiert aus dem Kopf: "Sogar die Berliner huldigem ihm und das will doch immerhin etwas heißen." Familie Webers aus Charlottenburg, die vom Dachsberg fast ihr Zipfelchen Wald am Ufer des Tornowsees erahnen kann und zur Einweihung dabei ist, bestätigt das gern.

Damit die Aussicht auf den Kleinen Tornowsee, die waldreiche Berglandschaft auch erhalten bleibt, will zudem der Naturparkverein nach seinen Möglichkeiten für freie Sicht sorgen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG