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Bundeswehr testet vor Beginn der ILA ihre Militärtechnik / Ab Dienstag 50 Firmen aus der Region präsent

Luftkämpfe über den Messehallen

© Foto: dpa
Mathias Hausding / 17.05.2014, 08:33 Uhr
Selchow (MOZ) Laut, technisch anspruchsvoll und politisch brisant - die am Dienstag beginnende Luftfahrtmesse ILA ist eine Schau der Superlative. Das Warmlaufen am Freitag stand ganz im Zeichen der Militärtechnik.

Ein Eurofighter eskortiert eine unerlaubt eingedrungene Propellermaschine, kommt ihr so nah, dass den Zuschauern am Boden der Atem stockt. "Er schafft es bis auf einen Meter ran. Das ist gar kein Problem", ruft Oberleutnant Martin Zielinsky in den mit ohrenbetäubendem Lärm gefüllten Himmel. "Ziel der Übung ist, die Lufthoheit herzustellen."

So geht das am Freitag ab 12 Uhr eine Stunde lang. Tornado von links, Eurofighter von rechts, und von der Seite kommen einige "Tiger" ins Bild. "Die kennen Sie aus James-Bond-Filmen", erklärt ILA-Direktor Stefan Grave den Gästen. "Das sind die einzigen Hubschrauber, die ein Looping beherrschen."

Sogenannte Abnahmeflüge sind es, die am Freitag vor den Messehallen in Selchow (Dahme-Spreewald) von der sonst für den Verkehr gesperrten neuen Süd-Piste starten. "Jedes Fluggerät, das auf der Messe abhebt, muss aus Sicherheitsgründen vor den Augen einer Kommission einen Probeflug abliefern", erklärt der ILA-Direktor.

Die Bundeswehr nutzt die Gelegenheit, um Kampfszenen durchzuspielen. Soldaten seilen sich von Hubschraubern ab, sichern das Flughafengelände für das einschwebende Transportflugzeug Transall, aus dessen Bauch dann Mannschaftswagen rollen. "Jetzt haben die Bodentruppen alles unter Kontrolle", bilanziert Oberleutnant Zielinsky das Geschehen, während sein Luftwaffenkollege Kai Gudenoge von den Drohnen "Luna" und "Mikado" erzählt, die man ebenfalls im ILA-Gepäck habe.

Mit der häufig geäußerten Kritik an der enormen Militärpräsenz auf der ILA geht Oberstleutnant Gudenoge gelassen um: "Das kommt bei uns gar nicht an. Die ILA-Gäste wollen Technik sehen und keine politischen Debatten führen."

Auch die leidigen Diskussionen um einen Stargast der diesjährigen ILA umschifft er. Das neue Transportflugzeug A400M ist seit sechs Jahren überfällig. Immer wieder musste Airbus den Start der Serienproduktion verschieben. "Es ist eben etwas anderes, ein komplett neues System zu entwickeln, als einen VW Golf vom Händler abzuholen", wirbt Gudenoge um Verständnis. Und Ende dieses Jahres sei es ja nun soweit. "Dann wird der erste A400M an die Luftwaffe ausgeliefert."

Neben dem Militär hat die Raumfahrt viel Platz auf der Messe. Highlights im Space Pavilion in Messehalle 4 sind die weiterentwickelte europäische Trägerrakete Ariane 5 ME und der vor einem Jahr erfolgreich gestartete Kommunikationssatellit Alphasat.

Rolls-Royce stellt in Halle 2 ein Original Trent 1000 Triebwerk aus, Antrieb der Boeing 787, an dessen Entwicklung Ingenieure aus Brandenburg beteiligt waren. Mit MTU ist ein weiterer Konzern mit Standbein in der Region am Start. Die Ludwigsfelder zeigten schon am Freitag probeweise ein PW1500G-Getriebefan-Triebwerk, so die komplette Bezeichnung. Es soll sich dabei um ein umweltschonendes "Flüster-Triebwerk" handeln, das 2015 auf den Markt kommt.

Berlin-Brandenburg ist auf der ILA mit insgesamt 50 Firmen vertreten, von denen sich 22 kleinere Unternehmen an einem Gemeinschaftsstand präsentieren. Insgesamt 7500 Industriearbeitsplätze in der Region hängen laut Zukunftsagentur Brandenburg an der Luftfahrt. Die Branche erwirtschaftet demnach pro Jahr 2,2 Milliarden Euro Umsatz. Gute Zahlen meldet am Freitag auch die Messe Berlin als Betreiber des 2011 in erster Linie wegen der aller zwei Jahre stattfindenden ILA errichteten Berlin ExpoCenter Airport. Investiert wurden damals 43 Millionen Euro an Steuergeldern, um die Messe in der Region zu halten. "Im vergangenen Jahr hatten wir in Selchow ohne ILA und ohne den BER sechs Messen. Das kann sich sehen lassen", sagte ein Messesprecher.

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