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Briefe Herzstück der Ausstellung

Alles bereit: Bärbel und Horst Simon eröffnen am 30. Mai die neue Dauerausstellung zum Thema Feldpostbriefe auf dem Bunkergelände in Kunersdorf.
Alles bereit: Bärbel und Horst Simon eröffnen am 30. Mai die neue Dauerausstellung zum Thema Feldpostbriefe auf dem Bunkergelände in Kunersdorf. © Foto: MOZ/Nadja Voigt
Nadja Voigt / 25.05.2014, 07:23 Uhr
Kunersdorf (MOZ) Die Ausstellung steht: In nur zwei Jahren haben Bärbel und Horst Simon vom Cold War Museum in Kunersdorf einen neuen Themenschwerpunkt für die Öffentlichkeit aufgearbeitet. In der kommenden Woche wird "Feldpostbriefe Normandie 1944" feierlich eröffnet.

Seit fast drei Wochen ist Horst Simon jeden Tag auf dem Bunkergelände in Kunersdorf. Schraubt, feilt, schneidet zu, hängt, überprüft, ob alles am richtigen Platz ist. Denn am 30. Mai wird die neue Dauerausstellung, die das rührige Ehepaar aus Berlin in nur zwei Jahren auf die Beine gestellt hat, eröffnet. "Mit einer Festrede von Amtsdirektor Karsten Birkholz und der Leiterin der brandenburgischen Landeszentrale Martina Weihrauch", blickt Bärbel Simon voraus. Auch sie wird ein paar Worte sagen. Zu der detektivischen Arbeit, mit der die beiden die 70 Feldpostbriefe gesichtet, transkribiert und nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben.

Die Briefe wurden von deutschen und polnischen Familien an ihre in Falaise und Caen in der Normandie kämpfenden Männer, Söhne, Väter und Brüder geschickt. 2012 hat Bärbel Simon einen Forschungsantrag bei der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der deutschen Wehrmacht gestellt, um überlebende Verwandte zu ermitteln. Eine von ihnen ist Elfriede, die als Kind einen Feldpostbrief an den Vater auf den Weg brachte. "Liebster, allerliebster Vati", heißt es darin. "Ich will Dir auch einmal schreiben. Die Mutti ist im Garten, sie weiß es nicht, dass ich Dir schreibe. Lieber Vati, es ist noch früh und ich gehe noch einmal ins Bett. Es grüßt und küsst ich tausendmal Deine kleine Elfriede." Diese und viele andere Zeilen sind das Herzstück der Ausstellung. Bewegende Schriftstücke, die die Zeit lebendig werden lassen. "Bei uns ist es zur Zeit furchtbar. Seit Sonntag alle Tage ein Angriff. Grauenhaft wie noch nie. Wir können zur Zeit gar nichts Arbeiten, denn bei uns fehlt es an allen Ecken - Gas und elektrisch. München kennst Du wohl nicht mehr ..."

"Manche Briefe sind ohne Punkt und Komma geschrieben", berichtet Horst Simon. Er hat viele der Briefe transkribiert. "Es waren oft sehr einfache Leute, im Schreiben nicht geübt." Besonders rührende oder beklemmende, in jedem Fall aussagekräftige Passagen sind auf den insgesamt 37 Tafeln in der Ausstellung farbig hervorgehoben. Umrahmt sind die Feldpostbriefe mit Fotos und anderen Dokumenten, die den geschichtlichen Rahmen erklären. Die Konstruktion hat Horst Simon in den letzten Wochen in der alten NVA-Halle auf dem Bunkergelände in Kunersdorf aufgebaut. Durch eine Nummerierung auf den Tafeln wird der Besucher durch die Ausstellung geleitet.

Am nächsten Freitag, nach dem Festakt im Amt Barnim-Oderbruch, werden die Gäste von Bärbel und Horst Simon durch die Ausstellung geführt. Danach besteht für Interessierte nach vorheriger telefonischer Anmeldung die Möglichkeit, die Arbeit der beiden engagierten Berliner zu sehen. Gerne würden Horst und Bärbel Simon so auch Schulklassen aus der Region diesen bewegenden Teil der deutschen Geschichte zugänglich machen. "Über das persönliche Schicksal wird die Geschichte zugänglich", sind beide überzeugt.

Die Feierstunde findet am 30. Mai ab 11 Uhr im Saal des Amtes Barnim-Oderbruch, Freienwalder Straße 48, in Wriezen statt. Anschließend erfolgt die Eröffnung der Ausstellung auf dem Bunkergelände in Kunersdorf, Waldweg 2. Im Anschluss können sich Interessierte bei Bärbel und Horst Simon für Führungen unter baerbelsimon@hotmail.com oder Telefon 0307451980 anmelden.

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