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Ein klingender Brunnen

Erinnert an die Geschichte Frankfurter Mühlen: Bernd Mathias Walden schuf den Klingebrunnen in den Gerstenberger Höfen. Alle 17 Minuten klingelt der Brunnen.
Erinnert an die Geschichte Frankfurter Mühlen: Bernd Mathias Walden schuf den Klingebrunnen in den Gerstenberger Höfen. Alle 17 Minuten klingelt der Brunnen. © Foto: Lisa Mahlke
Lisa Mahlke / 26.05.2014, 07:36 Uhr
Frankfurt (MOZ) Ateliers und Werkstätten in den Gerstenberger Höfen öffneten am Sonnabend ihre Türen. Zum Tag der offenen Werkstätten gab es Kunstschmieden, der Klingebrunnen wurde eingeweiht und Kunstwerke konnten bestaunt werden.

"Wenn einmal das Herz gebrannt hat, kommt man nicht mehr weg davon", sagt Markus Strache-Zakharyia. Gelernter Schmied ist er nicht, er fertigt aus "Spaß an der Freude" vor allem Messer und Kunstgegenstände. Beim Schauschmieden am Sonnabend machte er gerade eine Garderobe. Eine interessierte Frankfurterin zeigte sich begeistert, da sie früher im polytechnischen Unterricht als einziges Mädchen in der Schmiede gearbeitet hatte.

Beim Tag der offenen Werkstätten auf dem Gelände der Gerstenberger Höfe, auf dem sich einst eine Möbelfabrik befand, stellten auch andere Handwerker und Künstler ihre Werke vor. So zum Beispiel Bernd Mathias Walden, in dessen Werkstatt 16 Fotografien ausgestellt sind: Von einem Mann, der das Peace-Zeichen auf die haarige Brust rasiert hat, bis hin zu in Schlamm badenden Festivalbesuchern. Es handelt sich um stimmungsvolle Momentaufnahmen vom Festival "Haltestelle Woodstock" im polnischen Kostrzyn, die Bernd Mathias Walden von 2008 bis 2010 mithilfe einer Kamera aus den 50er-Jahren festhielt. Die Fotos sollen später in der Musikbibliothek aufgehangen werden.

Er weihte am Sonnabend auch seinen Klingebrunnen ein. Der Name stammt zum einen von dem gleichnamigen Fließ, das nur ein paar Meter von dort in die Oder mündet. Zum anderen klingelt der Brunnen alle 17 Minuten. Mit seinen sechs kleinen Mühlen handelt es sich außerdem um einen Brunnen, der an die Geschichte Frankfurter Mühlen erinnern soll. "Ich habe im August angefangen, Material zusammenzusuchen, das kein Geld kostet", erklärte Bernd Mathias Walden die Entstehung seines Brunnens. So sammelte er beispielsweise Feldsteine im Umkreis. "Das ist eine schöne Idee und erstaunlich, so ganz ohne Hilfe das Ding hier zu bauen. Dazu gehört schon Fantasie", meinte Birgit Scherf, die aus Berlin angereist war.

Stephan Klopsch nutzte den Tag, um eine kleine Trödelmeile aufzubauen. "Als Student habe ich angefangen, DDR-Sachen zu sammeln", erzählte er. Dazu gehören zum Beispiel Uhren und Konserven. Vieles an Campingequipment stammt aus der Zeit, als Klopsch noch beim Film gearbeitet hat. Um 14 Uhr hatte er bereits einiges davon verkauft: Campingliegen, Tische und Stühle, ein Nachkriegsfahrrad.

Nebenan arbeitete der Holzgestalter Olaf Götze. "Ich bin froh, dass ich auf den Holzweg gekommen bin", sagt der 59-Jährige, der eigentlich gelernter Innenarchitekt ist, schmunzelnd. Nach der Arbeit als Erzieher, Galerist oder Buchhändler landete er beim Holz, machte sich 2010 als Holzgestalter selbstständig. Dabei besteht seine Philosophie darin, gefälltes Holz nicht einfach zu verbrennen, sondern weiterleben zu lassen. "Die meisten Sachen haben auch eine Funktion", sagt Olaf Götze und deutet auf Küchenhilfen, Lesebäume und Garderoben. Ein großer abgenagter Apfel aus Holz mit dem Schriftzug "Das Leben ist gegessen! - oder?" fällt sofort auf. Olaf Götze erklärt: "Man kann immer was aus dem Leben machen, selbst wenn man älter ist."

Drei Stockwerke darüber hat Daniel Sandke sein Atelier. Im hinteren Ende des großen Raums steht eine Tischtennisplatte, an der er mit Bekannten Channeltennis spielt. "Das ist ein neues Tischtennisspiel, das in Frankfurt erfunden wurde. Es ist befreit von Regeln und sehr schnell", sagt Sandke. Seit zehn Jahren hat er sein Atelier dort oben, macht Skulpturen, Bildhauerei und Malerei und genießt auch mal den Blick nach Polen und auf die Oder. Drei Monate dauerte es zum Beispiel, bis ein riesiger hölzerner Kopf mit einer Krone als Obstschale fertig war. Dabei benutzt der Künstler klassische Handwerkzeuge wie Schlegel und Meißel. "Meine Intention ist: Wir können auch Kunst mit weniger Strom herstellen."

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