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Pirat erobert den Kreistag

Thomas Bennühr, aus Glienicke, Die Piraten, zieht in den neuen Kreistag ein ab Juni 2014
Thomas Bennühr, aus Glienicke, Die Piraten, zieht in den neuen Kreistag ein ab Juni 2014 © Foto: Julia Tham
Anja Hamm / 28.05.2014, 04:00 Uhr
Oberhavel (MZV) "Schade, dass Axel Heidkamp nicht auch drin ist", sagt Thomas Bennühr. So muss der 54-Jährige aus Glienicke allein als erster Pirat in den Oberhaveler Kreistag einziehen. Ganz entspannt zuhause hat Bennühr die ersten Hochrechnungen verfolgt. "Ich bin völlig ohne Erwartungen in die Wahl gestartet", sagt er. Umso überraschter ist er, als die Stimmen für den Einzug ins Kreisparlament reichen. "Ich habe brandenburgweit die meisten Stimmen unter den Piraten bekommen", ist Bennühr ein wenig stolz. Er findet es interessant, dass die Piraten hier anscheinend als Alternative von den Wählern wahrgenommen werden, "anders als im Trend", fügt er hinzu.

Mit einem einzigen Sitz erhält Pirat Thomas Bennühr allerdings keinen Fraktionsstatus - dafür braucht es mindestens vier Abgeordnete. Die SPD, die Grünen und die BVB hätten aber schon grünes Licht gesendet, sagt Bennühr. Welcher Fraktion er sich anschließt, entscheidet allerdings nicht er. "Bei den Piraten ist das ein bisschen anders", erklärt er, "das endgültige Votum, zu wem wir dazugehen, wird im Vorstand getroffen oder mit vielen Mitgliedern entscheiden." Seine Präferenz will er nicht verraten. In Glienicke habe er bereits mit den Grünen "gut zusammengearbeitet", ebenso auch mit der SPD. "Ich lass mich überraschen, mit wem ich ins Bett gehe", scherzt der Glienicker merklich gelassen über die Fraktionsfrage. Fest steht für ihn nur: die Zusammenarbeit muss "ergebnisorientiert laufen". "Für mich sind die Bürgerinteressen besonders wichtig", stellt Bennühr klar.

Im Kreistag hofft er, mehr Transparenz herzustellen. "Wir haben das Internet, warum sollen Unterlagen dort nicht veröffentlicht werden, sofern es dem Datenschutz entspricht?", fragt der Pirat. Vieles sei bereits jetzt schon abrufbar wie Beschlüsse und Anträge, "aber ohne weitere Dokumente", bemängelt er und ist gleichwohl skeptisch, "ob wir Piraten das im Kreistag durchsetzen können?"

Ein wichtiges Themen, das Bennühr auf seine Kreistagsagenda setzen will, ist das Thema Jugendhilfe und Jugendarbeit. "Jugendarbeit ist das A und O", betont der 54-Jährige. "Dort rekrutieren die rechten Parteien junge Leute, da muss man gegensteuern." Dies gelte nicht nur für rechte Parteien, sondern für extremistische Parteien allgemein, ergänzt er. Man müsse sich Gedanken machen, wie man Jugendliche zurückführen könne, ähnlich dem Exit-Projekt für Aussteiger aus der Neonazi-Szene, erklärt Bennühr. Erschreckend findet er es, wie sich Jugendliche auf Facebook als NPD-Anhänger bekennen. "Wir müssen was tun", appelliert er und denkt an bessere Aufklärung in den Schulen über Methoden und Gefahren extremistischer Kräfte. "Ich kann mit totalitären Systemen nichts anfangen", sagt Bennühr.

Neben seinem Kreistagsmandat hat er auch eines für die Gemeindevertretung Glienickes. Beides kann er bewältigen, sagt er. Er arbeitet als Revisor bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und hat einen Heimarbeitsplatz, wie er erklärt. Er habe also Verfügungsmasse, wenn es um Termine geht, die seine Ämter betreffen. Nur für den Kreisvorstand der Piraten wolle er dann nicht noch einmal kandidieren.

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Klara 28.05.2014 - 14:01:10

Kein Höhenflug!

Es mag angehen, dass Herr Bennühr die meisten Stimmen bekommen hat, einer sachlichen Analyse sollte es ihm allerdings wert sein. Glienicke/Nordbahn hatte neben den "gewöhnlichen" Parteien kaum Alternativen zu bieten gehabt, betrachtet man viele andere Gemeinden, wo das "Wahlangebot" weitaus vielfältiger war. Dass sich dort die Stimmen anders aufteilen, ist mehr als logisch. Wären weitere Bürgeinitiativen oder gar AfD und NPD angetreten, sähe es für diesen Piraten ganz anders aus. Gruß Klara

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