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Vom Sportlehrer zum Hobby-Gärtner - Eberswaldes ehemaliger Bürgermeister Hans Mai wird am Donnerstag 70 Jahre alt

Wer sät, der erntet

Die Blumenpracht ist sein großes Glück: Der ehemalige Bürgermeister Hans Mai steht zwischen Schwertlilien und Klatschmohn, nachdem er eine Führung durch seinen Garten gegeben hat.
Die Blumenpracht ist sein großes Glück: Der ehemalige Bürgermeister Hans Mai steht zwischen Schwertlilien und Klatschmohn, nachdem er eine Führung durch seinen Garten gegeben hat. © Foto: Anna Fastabend
Anna Fastabend / 28.05.2014, 06:57 Uhr
Eberswalde (MOZ) Um einen Garten anzulegen, braucht es Liebe, Geduld und eine Vision. Die Beete müssen von Unkraut befreit und die Erde muss umgepflügt werden. Es müssen Samen und Blumenzwiebeln eingesetzt und die grünen Triebe gegossen werden, bis 80 Lilien-Arten in voller Pracht blühen.

An Christi Himmelfahrt wird Hans Mai, der ehemalige Bürgermeister der Stadt Eberswalde, 70 Jahre alt. Er lädt anlässlich seines Geburtstages zum Gespräch in seinen prächtigen Garten ein. Hans Mai blickt von der Terrasse aus auf seine großzügig angelegten Beete. Dort blühen bisher Rosen, Rhododendren-Büsche und hüfthohe Schwertlilien. Seine Frau Claudia Mai ist gerade bei der Gartenarbeit, wandert von einem zum anderen Beet, zupft Unkraut, gießt die Blumen.

Ein Porträt über einen Mann, der sich Zeit seines Lebens in den unterschiedlichsten Bereichen vom Sport bis zur Politik engagiert und die Entwicklung der Stadt Eberswalde seit der Wende aktiv mitgestaltet hat, kann nur eine Annäherung sein. Über Hans Mai, der mit fast 70 Jahren am Sonntag wieder ins Stadtverordnetenparlament gewählt worden ist. Der nach der Wende viele Landesinstitutionen mitaufgebaut hat, wie den Verband kommunaler Unternehmen, die AOK Berlin Brandenburg, den kommunalen Arbeitgeberverband und die Eberswalder Hochschule, in dessen Förderverein er heute noch sitzt. Der sich im Verein für Heimatkunde, Rotary, der Arbeiterwohlfahrt und in der Europäischen Liliengesellschaft engagiert. Der allem voran der erste demokratisch gewählte Bürgermeister von Eberswalde war, eine Legislaturperiode regierte und nach einem Jahr Amtszeit in der zweiten durch einen Bürgerentscheid abgewählt wurde.

Anders als viele Politiker ist Hans Mai ein Spätberufener. Politisches Engagement wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Im Gegenteil: Seine Familie hielt sich raus, sowohl unter Hitler als auch in der DDR. Stattdessen engagierte sich die Familie in der evangelischen Kirche. Hans Mai, der mit vier Schwestern in Berlin Buch aufwuchs, war weder bei den Jungpionieren noch in der FDJ. "In der DDR war ich ein politischer Außenseiter", sagt Mai. Damit wäre eine akademische Laufbahn eigentlich von vorneherein ausgeschlossen gewesen. Trotzdem studierte er von 1963 bis 1967 Lehramt für Geographie und Sport an der Humboldt-Universität in Berlin. Der Grund: Das Regime wollte seinen Vater, einen renommierten Ingenieur für medizinische Geräte, im Land behalten und bot ihm einen Einzelvertrag an der Akademie der Wissenschaften an. Im Vertrag war das Studium der Kinder festgeschrieben.

Nach Eberswalde kam Hans Mai, um die zweijährige praktische Studienzeit zu verbringen. "Danach wollte ich eigentlich sofort wieder zurück nach Berlin", sagt er. Doch daraus wurde nichts. Innerhalb kurzer Zeit war Eberswalde zu seiner Heimat geworden. "Meine Frau und ich lernten uns kennen und wir bekamen unseren Sohn Micha", nennt Mai als zwei von vielen Gründen, warum er in Eberswalde Wurzeln geschlagen hat. Außerdem hatte er sich voll in das sportliche Leben der Stadt eingebracht. Er trainierte begabte Jugendliche in Handball und Basketball. Dabei war auch Handballerin Katrin Krüger, die später Spielführerin der DDR-Nationalmannschaft wurde.

"Durch den Einsatz im Sport hat man mich weitgehend in Ruhe gelassen", sagt Mai, der ab und an trotzdem vom SED-Regime sein politisches Außenseitertum zu spüren bekam. Am schlimmsten war es, als er sein Studium gerade beendet hatte. Mai war 1967 nicht zur Wahl gegangen. "Obwohl ich Jahrgangsbester war, wollten sie mich beim Kranbau Eberswalde zum Rostkratzen einsetzen", so Mai, dem der damalige Schulrat aus der Patsche half - auch deshalb, weil Sportlehrer gebraucht wurden.

Als der politische Umbruch kam, wusste Mai, dass er die Wende mitgestalten wollte. Im Herbst 89 trat er in die SDP (Ost-SPD) ein, war kurz darauf einer der Mitgründer der SPD, zunächst in Eberswalde, dann im Bezirk Frankfurt (Oder). Bei der ersten Kommunalwahl nach dem Mauerfall wurde er Bürgermeister. "Zu Beginn war ich vollkommen naiv und ahnungslos", sagt er. "Das war vielleicht ganz gut, sonst wäre ich den Schritt wahrscheinlich nicht gegangen." Mai eignete sich in einem Fernstudium in Verwaltungswissenschaften das nötige Rüstzeug für sein Amt an. Doch keine Theorie der Welt konnte ihn darauf vorbereiten, was in der Praxis auf ihn zukam. "30 000 russische Soldaten zogen ab, nahmen Türen, Fenster, alte Autos mit. Hinterließen Ruinen. Dazu kam, dass 60 Prozent der damals enteigneten Häuser zurückgefordert wurden. Zu allem Übel baute der Kranbau Hunderte Stellen ab. Betriebe wie das Walzwerk Finow gingen in die Insolvenz. Die Arbeitslosigkeit lag bei 20 Prozent. Die Anfangseuphorie der Bevölkerung wandelte sich schnell in tiefe Resignation. Es ging den Menschen nicht schnell genug vorwärts", sagt Mai, der dies unter anderem als Grund für seine Abwahl sieht.

Mai wurde Center-Manager in der Rathauspassage. Nach seinem Ruhestand ging es für ihn 2008 als Unabhängiger wieder in die Politik. Warum? "Mir liegt etwas an unserer Stadt", sagt er.

"Ich lade am Donnerstag alle herzlich ab 10 Uhr zu einem Umtrunk in das Café am Weidendamm ein", sagt Mai. Da er selbst genug Blumen im Garten hat, bittet er um eine kleine Spende für das Netzwerk Gesunde Kinder und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

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