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Vor 20 Jahren landete Regierungschef Helmut Kohl in Mochow, um sich zu stärken

Als der Kanzler ins Dorf einschwebte

Jörg Kühl / 30.05.2014, 07:13 Uhr
Mochow (MOZ) Vor 20 Jahren landete ein großer Hubschrauber in Mochow. Zum Erstaunen der Dorfbewohner entstieg kein Geringerer als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl der Maschine. Er hatte den Ort von der Luft aus spontan zum Essengehen ausgewählt.

Auch wenn es schon zwei Jahrzehnte lang her ist, so erzählt man sich im Dorf immer wieder gerne die Anekdote von der spontanen Stippvisite des Bundeskanzlers. Am 28. Mai 1994 wurde die Luft über dem kleinen Ort von ohrenbetäubendem Rotorenlärm erfüllt. Kurze Zeit später war klar, da ist ein Helikopter auf der Dorfwiese gelandet. Wie einige andere Dorfbewohner auch, eilte Frank Graßmel, Inhaber der gleichnamigen Gaststätte im Ort, per Fahrrad zum Ort des Geschehens. In der Nähe der Wiese hatte sich bereits ein halbes Dutzend Dorfbewohner eingefunden. Das Staunen wurde noch größer, als eine bekannte Person der Maschine entstieg: Bundeskanzler Helmut Kohl. Er macht den anwesenden Mochowern in seiner volksnahen Art rasch klar, dass er etwas zu essen wünsche. Da kam Graßmel gerade recht. Gemeinsam mit dem Kanzler, zwei Leibwächtern, zwei Sekretären und mittlerweile etwa 15 Dorfbewohnern, schritt man zur Dorfgaststätte. "Ich gebe eine Runde aus!", ließ sich der Kanzler gut gelaunt entlocken. In der Gaststätte erkundigte er sich nach dem Angebot. Er entschied sich für etwas Handfestes. "Er wünschte sich Brote, belegt mit Leberwurst, Kochschinken und Salami", erinnert sich Graßmel. Vier Stück habe der hungrige Wahlkämpfer verspeist, dazu zwei Bier. Die Gaststätteninhaber schoben die Tische zusammen, so dass für alle Platz war. Dann wurde erzählt. Kohl erkundigte sich interessiert nach der Arbeitsmarktsituation in der Region. Die Mochower wollten umgekehrt wissen, ob Kohl nicht Sicherheitsbedenken habe, so ungeschützt einzukehren. "Sehen Sie mich an, wer sollte mir was tun!", habe der Kanzler entgegnet. Der Regierungschef habe auch erzählt, wie seine Wahl auf Mochow fiel. Er habe auf dem Flug von einer Wahlkampfveranstaltung in Cottbus zur nächsten in Strausberg auf einer Landkarte einen Ort mit Dorfkirche gesucht und sei so rein zufällig auf Mochow gestoßen: "Da will ich landen!", soll er mit einem Fingerzeig auf die Karte gesagt haben. Wo eine Dorfkirche sei, gebe es auch eine Gaststätte, so erzählte es der Kanzler den Mochowern am Wirtshaustisch. Graßmel erzählte Kohl, dass vor ihm bereits Napoleon das Dorf durchquert habe, was der Kanzler mit einem Lächeln quittierte. "Kohl war spürbar in seinem Element", erinnert sich der Gastgeber über die natürliche und spontane Begegnung des Kanzlers mit den Mochower Bürgern. Nach dem Essen trug sich der Regierungschef ins Gästebuch ein. Bevor er weiterflog, ließ er sich noch die Einheitseiche und die Dorfkirche zeigen. Nach zwei Stunden gesellte sich der Tross wieder zum Fluggerät und verließ ebenso geräuschvoll, wie er gekommen war, den kleinen Ort am Mochowsee.

"Ich werde immer noch von Besuchern auf diese Geschichte angesprochen", erzählt Graßmel. Feriengästen, die angesichts des Kanzlerfotos an der Wand nach der Geschichte dahinter fragen, bliebe regelmäßig der Mund offen stehen, wenn sie die Geschichte hören: Kohls Stippvisite ist auch 20 Jahre danach noch in aller Munde.

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