Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Alte Kontrolleure - neue Kontrolleure

© Foto: Heinz Köhler
André Bochow / 02.06.2014, 20:54 Uhr
(MOZ) Im Grunde genommen können wir uns nicht beklagen. Immer wenn der Eindruck entsteht, nun gibt es nichts mehr, womit uns die Gestalter des größten deutschen Infrastrukturprojektes negativ beeindrucken könnten, verblasst dieser Eindruck angesichts einer neuen Ungeheuerlichkeit. Nach Pfusch am Bau nun Korruption am Bau. Nicht neu ist die Hilflosigkeit der Politik.

Diesmal wird flugs eine Taskforce gebildet. Man weiß nicht, ob man entnervt auflachen oder vor Rührung eine Träne vergießen sollte. Man könnte auch fragen: Was denn noch alles? Wir haben einen Untersuchungsausschuss, der sich mit dem BER befasst. Im Bundesverkehrsministerium agiert eine "Soko-BER". Seit zwei Jahren. Was macht die eigentlich? Die Brandenburger Landesregierung leistet sich einen Flughafenkoordinator im Range eines Staatssekretärs. Wozu? Am BER selbst wirkt ein sogenanntes Sprint-Team. Was, außer dem Personalkarussell, wurde denn beschleunigt? Und auch wenn es keiner mehr hören kann: Weshalb nur gibt es den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft?

Aber wie sich herausstellt, haben große Teile der Öffentlichkeit offenbar Wahrnehmungsstörungen. Denn was stellte sich bei der Sonder-Aufsichtsratssitzung heraus? Flughafenchef Mehdorn hat alles richtig gemacht. Es gibt zwar keinen Kosten- und keinen Zeitplan, das Projekt steht ohne Technikchef und ohne Experten für die Entrauchungsanlage da, und Tegel baut für Millionen weitere Provisorien - aber was tut das schon zur Sache, wenn Mehdorn in der aktuellen Korruptionsaffäre aktiv an der Aufklärung arbeitet? Der Bundesverkehrsminister lässt durch seinen Sprecher ausrichten, er habe weiterhin volles Vertrauen zu Mehdorn. Brandenburg und Berlin halten ebenfalls zum Projekt-Boss, der aller Welt mitteilt, dass er schon weiß, wann der BER eröffnet wird. Nur will er es noch keinem sagen. Auch nicht dem Aufsichtsrat.

Externe Kontrolleure sollen jetzt helfen. Eine alte Idee übrigens, die irgendwann vergessen wurde. Nicht vergessen werden sollte, was sich der Aufsichtsrat alles gefallen lässt. Vom Korruptionsfall erfuhr er durch eine Pressemitteilung. Aber weil Wowereit und Co. nichts Besseres einfällt, lassen sie Mehdorn weiter irrlichtern. Das wiederum sollten sich die Wähler merken.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Isenhagen 04.06.2014 - 08:27:29

ach Feldlager

sie sind in ihrem Kommentar ungerecht. Ich habe nicht geschrieben, dass wir keine Flugplätze brauchen. Ich habe allerdings angedeutet, dass es dieses "wir" nicht gibt. Sicher fliegen viele Leute mit genug Geld auch 5 oder 500 mal im Jahr. Es bleibt aber der Fakt, 75% fliegen gar nicht. Da würde ich es schon für gerechter halten wenn die Kosten ein wenig anders als auf alle gleichmäßig verteilt werden. Es ist kaum einzusehen, dass die 75 % Nichtflieger den anderen die umweltzerstörende Fliegerei subventionieren. Und es ist auch nicht einzusehen, dass die 25% ungefragt den Rest der Bevölkerung mit Lärm und Dreck in unnötigerweise bewerfen. In jeder Sekunde werden in der Welt fast 15 m³ Flugzeugsprit verbrannt. Man stelle sich diese Pest nur vor wenn man weiss wieviel Dreck das Verbrennen allein eines öligen Lappens hinterlässt.

Feldlager 04.06.2014 - 07:50:51

@Isenhagen

Weil nach Ihrer Ansicht 75% der Deutschen nicht fliegen, brauchen wir auch keine Flughäfen was? MERKE: 71 Mio. Passagiere starteten im letzten Jahr ihren Flug von Deutschland aus. Und das 75% aller Deutschen nicht fliegen, das können Sie vergessen. Das stimmt vielleicht für Privatflugzeuge, die sich keiner leisten kann. Allein bei Ferienreisen in die Türkei die oftmals billiger sind als eine Tankfüllung bei mir, fliegen junge Leute massenweise.

Isenhagen 04.06.2014 - 06:30:39

Der Wähler muss sich da gar nichts merken

derartig große und komplexe Vorhaben kann man nicht wirtschaftlich mit diesen hier vorherrschenden repräsentantendemokratischen Verhältnissen planen und realisieren. Da kommen Parteisoldaten an die Führungsspitzen die von der Sache und den notwendigen Prozessen nichts verstehen. Das wissen die auch und bedienen sich an Fachleuten die wiederum alle irgendwie ihr eigenes Süppchen kochen aber nicht das Ganze im Blick haben. Das ist auch kein Wunder denn die besseren Fachleute gehen zu diesen Rahmenbedingungen gar nicht erst an solche Aufgaben. Es bleibt dann nur zweite oder eher dritte Wahl und so siehts dann auch aus. Wenn man dann tatsächlich überhaupt grundsätzlich per Volksabstimmung über die Notwendigkeit eines solchen Flughafens abgestimmt hätte, muss man das hinterher privatwirtschaftlich realisieren und nicht auf Kosten des Steuerzahlers. Es bleibt als Ausgangspunkt aller Überlegungen......75 % der Menschen in Deutschland fliegen gar nicht. Nur für eine kleine Minderheit erfolgt dieser Aufwand.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG