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Schöneiche beschließt Mietspiegel / Debatte über Zustandekommen der Zahlen

Klare Vorgaben bei Neuvermietung

Michael Gabel / 05.06.2014, 21:24 Uhr
Schöneiche (MOZ) Schöneiche hat einen neuen Mietspiegel. Das Zahlenwerk wurde von den Gemeindevertretern gegen die Stimmen der Linken- angenommen. Es soll mögliche Mieterhöhungen begrenzen.

Rund 20 000 Euro hat die Erstellung des Mietspiegels gekostet. Er löst die alte, seit 2010 geltende Übersicht ab. Für die neue Erhebung wurden vom Potsdamer Institut für soziale Stadtentwicklung Angaben von Mietern und Vermietern nach wissenschaftlichen Maßstäben ausgewertet. Von Seiten des Instituts wird versichert, dass die Daten gerichtsfest sind. Der Mietspiegel biete Vermietern die Basis, um von Mietern die Zustimmung zu einer Mieterhöhung zu verlangen. "Und Mietern liefert er ein Instrument, um zu überprüfen, ob sich die verlangte Miete im ortsüblichen Bereich befindet", formuliert das Institut.

Die sogenannte Vergleichsmiete bezieht sich nur auf Neuvermietungen. Sie wurde durch Auswertung der Mieten ermittelt, die in den vergangenen vier Jahren vereinbart worden sind. Die monatliche Vergleichsmiete darf vom Immobilienbesitzer um maximal 20 Prozent überschritten werden. In Schöneiche beträgt sie je nach Alter des Hauses, in dem sich die Wohnung befindet, zwischen 5,53 Euro und 6,86 Euro pro Quadratmeter. Bei Gartennutzung ist ein Zuschlag von 22 Cent möglich, bei einem Balkon - "mit Platz für mehr als vier Stühle" - 19 Cent. Besitzt die Wohnung eine "hochwertige Einbauküche", dürfen noch einmal 20 Cent draufgeschlagen werden, und bei günstigen Energiewerten bis zu 33 Cent.

Die Datenerhebung bei den Mietern gestaltete sich in Schöneiche schwierig. Zunächst wurden allen 2190 Mieterhaushalten der Gemeinde Fragebögen zugeschickt. Doch zurück kamen nur 350. Von diesen Fragebögen waren allerdings wiederum 227 unbrauchbar. Zumeist deshalb, weil das Mietverhältnis seit mindestens vier Jahren bestand und die Kaltmiete seit ebenfalls mehr als vier Jahren unverändert war. Um an mehr Daten zu kommen, wurden Mieter auch mündlich befragt.

DIe Linken in der Gemeindevertretung monierte, dass es mit dem Zahlenwerk nicht gelungen sei, ein klares Bild der Situation auf dem Schöneicher Mietermarkt zu zeichnen. "Und dafür wurden 20 000 Euro ausgegeben", kritisierte Fraktionschefin Beate Simmerl. Ebenfalls nicht einverstanden mit dem Mietspiegel ist der Mieterverein Erkner und Umgebung, der auch für Schöneiche zuständig ist. Für den Vorsitzenden Michael Voges birgt "die geringe Zahl der befragten Haushalte das Risiko eines willkürlichen Ergebnisses". Bürgermeister Heinrich Jüttner verweist dagegen darauf, dass bezogen auf die Einwohnerzahl sogar mehr Daten vorliegen als bei Erhebungen in Berlin.

Gespannt darf man sein, ob das Jobcenter des Kreises die neuen Vergleichsmieten bei Empfängern von Arbeitslosengeld II akzeptiert.

Vergleichsmieten


■ Baualtersklasse vor 1950: Mehrfamilienhaus 6,00 Euro/qm (Spanne von 4,57 bis 7,03 Euro), Einfamilienhaus 6,01 Euro (4,11 bis 7,50 Euro)
■ 1950 bis 1990 errichtet: Mehrfamilienhaus 5,53 Euro (5,00 bis 6,70 Euro), Miete in Einfamilienhäusern wird nicht ausgewiesen.
■ Nach 1990 gebaut: Mehrfamilienhaus 6,86 Euro (5,83 bis 7,94), Einfamilienhaus 6,19 Euro (5,60 bis 6,87 Euro)

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Michael-E. Voges Vorsitzender des Mietervereins Erkner und Umgebung 06.06.2014 - 17:49:43

Wirklich günstig - Bild mit Wohnung zu 5,53 EUR pro Quadratmeter?

Dem Artikel "Klare Vogaben bei Neuvermietung" ist unter anderem ein Foto mit Wohnungen der Baujahre bis 1950 bis 1990 beigefügt. Die Vergleichsmiete dort soll 5,53 EUR/qm betragen. Das ist indes zweifelhaft. Die Wohnungen sind augenscheinlich mit Balkon ausgestattet. Auf den passen wohl auch mehr als vier Stühle. Das führt zu einem Zuschlag von 0,19 EUR/qm. Die Fassade scheint nach dem Foto energetisch saniert, mit einer Wärmedämmung versehen zu sein. Hier schlagen bis zu 0,33 EUR zu Buche. Daraus ergibt sich eine "Vergleichsmiete" von 6,05 EUR/qm. Ist das günstig? Und wenn auf diese Kaltmiete bei Neuvermietung noch 20 % aufgeschlagen werden dürfen, sind wir bereits bei 7,26 EUR/qm. Das soll günstig sein? Nebenbei: Jene genannten 5,53 EUR können mit all den Zu- und Abschlägen, die der Mietspiegel vorsehen will, rechnerisch gar nicht erreicht werden.

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