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70 Mitarbeiter betroffen / Fürstenwalder Standort wird künftig ausschließlich als Logistikzentrum für Osteuropa dienen

Produktions-Aus bei Lacufa bis 2016

Produktions-Stopp in naher Zukunft: Bislang stellt die Belegschaft hauptsächlich Baufarben der Marke Caparol her, deren Firmenzeichen der buntgestreifte Elefant ist.
Produktions-Stopp in naher Zukunft: Bislang stellt die Belegschaft hauptsächlich Baufarben der Marke Caparol her, deren Firmenzeichen der buntgestreifte Elefant ist. © Foto: moz
Sonja Jenning / 06.06.2014, 21:47 Uhr
und Uwe Stemmler Fürstenwalde (MOZ) Ein weiterer Traditionsbetrieb Fürstenwaldes wird seine Produktion einstellen. Lacufa muss, beginnend in diesem Jahr, bis 2016 seine Produktion auf andere Standorte verlagern. Das teilte am Freitag die Zentrale der Firmengruppe Deutsche Amphibolin-Werke (DAW SE) mit.

"Der zur DAW SE, dem Marktführer im Bereich Baufarben und Dämmsysteme, gehörende Standort im brandenburgischen Fürstenwalde wird zum Logistikzentrum umgebaut. Die Produktion wird bis Mitte 2016 auf andere Standorte verlagert", heißt es in der Mitteilung, die die Zentrale der DAW-Firmengruppe, die im hessischen Ober-Ramstadt ihren Sitz hat, am Freitagnachmittag herausgab.

"Die Produktion am Standort Fürstenwalde wird bis Mitte 2016 komplett geschlossen", bestätigt die Pressesprecherin der DAW, Katrin Laberenz, auf Nachfrage der MOZ. Für die derzeit rund 70 Beschäftigten in der Fürstenwalder Produktion bedeute das, dass sie ihren derzeitigen Arbeitsplatz verlieren. "Es wird Gespräche mit dem Betriebsrat geben und ein Sozialplan verhandelt. Wir werden versuchen, Arbeitsplätze an anderen Standorten des Unternehmens anzubieten", so Katrin Laberenz weiter. Zu Details wolle sie sich derzeit nicht äußern.

Die Produktion werde schrittweise vor allem an neu aufgebaute Standorte in Russland, Polen, der Ukraine, Weißrussland und Georgien verlagert, heißt es in der Mittelung der DAW. Bislang waren diese Auslandsgesellschaften maßgeblich aus Fürstenwalde beliefert worden. Aufgrund der steigenden Nachfrage vor Ort in den vergangenen Jahren habe das Unternehmen in die osteuropäischen Standorte investiert. Im Zuge dieser Entwicklung habe sich die Auslastung des Fürstenwalder Produktionsstandortes verringert. Zudem seien die Produkte such steigende Transport- und Zollkosten weniger wettbewerbsfähig. 2012 lag die Jahresproduktion bei 38000 Tonnen Farbe, 56000 Tonnen wurden über die Spreestadt nach Osteuropa ausgeliefert.

Fürstenwalde soll künftig die Funktion eines Logistikzentrums für Osteuropa übernehmen. "Wir haben bereits eine Lagerlogistik vor Ort, die in den kommenden Jahren ausgebaut und modernisiert wird", sagt die Unternehmenssprecherin. Wer in diesem Bereich arbeite, werde auch weiterhin benötigt. Dieses Fertigwarenlager, das über 8000 Palettenplätzen im Hochregal und 2000 Palettenplätzen im Durchlaufregal verfügt, wurde 1997 in Betrieb genommen.

Der Standort des Farbenwerkes in Fürstenwalde Nord hat eine lange Tradition. Anfang der 1920er-Jahre eröffnete der jüdische Unternehmer A. Wreschner auf dem Gelände des Flugplatzes, der nach dem Ersten Weltkrieg geschlossen werden musste, eine Firma zur Herstellung des Weißpigments Lithopone, berichtet der Leiter des Fürstenwalder Museums, Guido Strohfeldt. Lithopone wird in einem speziellen Verfahren aus Bariumsulfat und Zinksulfid hergestellt - lange Zeit war es der einzig erhältliche Grundstoff für deckende Farben. Das Fürstenwalder Werk wurde 1933 in die IG Farben integriert, unter dem Namen "Marienhütte in Fürstenwalde". Im Zweiten Weltkrieg war der Standort Ziel von Bombenangriffen.

Nach Kriegsende wurde aus dem Betrieb der VEB Kalichemie Lithopone, Werk Fürstenwalde. Die Fabrik engagierte sich unter ihrem Direktor Gerhard Helbig auch sehr für die Stadt, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass 1971 die Schwimmhalle gebaut wurde, aus der inzwischen das Sport- und Spaßbad Schapp geworden ist. Seit der Wende trägt das Werk den Namen Lacufa GmbH. Die Lithophone-Produktion wurde bereits 1990 aus umwelttechnischen Gesichtspunkten eingestellt.

Für Fürstenwalde neigt sich ein bedeutendes Kapitel der Industriegeschichte dem Ende entgegen. Erst Ende vergangene Jahres musste ein anderer Traditionsbetrieb, RMG Gaselan, seine Tore schließen.

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