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Ein Polski Fiat auf Bildungsreise

Viel Wissenswertes über Land und Leute: Martin Kujawa vom Projekt Polski Express erklärt Grundschülern am Montag im Liebknecht-Gymnasium, an welche Länder Polen grenzt und in wie viele Regionen Polen gegliedert ist.
Viel Wissenswertes über Land und Leute: Martin Kujawa vom Projekt Polski Express erklärt Grundschülern am Montag im Liebknecht-Gymnasium, an welche Länder Polen grenzt und in wie viele Regionen Polen gegliedert ist. © Foto: moz/thomas gutke
Thomas Gutke / 16.06.2014, 21:08 Uhr
Frankfurt (MOZ) Mit zahlreichen Aktionen beteiligt sich das Karl-Liebknecht-Gymnasium noch bis morgen am deutsch-polnischen Tag. Eine davon: der Polski Express. Das Projekt der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Brandenburg steckt noch in der Pilotphase - kommt aber bei den Schülern bereits sehr gut an.

Ein roter Polski Fiat 126 parkte am Montagvormittag mitten auf dem Innenhof des Karl-Liebknecht-Gymnasiums - der Polski Express war da. Über viel Fassungsvermögen verfügt der bescheidene Kofferraum des traditionsreichen Modells naturgemäß nicht. Trotzdem hat das Auto, das gestern erstmals in Frankfurt Station machte, vieles an Bord, um die Bildungslandschaft in Brandenburg ein kleines Stück reicher zu machen.

Der Polski Express ist ein Pilotprojekt der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Brandenburg. Der Verein mit Sitz in Potsdam setzt sich auf verschiedenen Wegen für den politischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Austausch zwischen Deutschen und Polen ein. Das jüngste Projekt, das Infomobil, lehnt sich dabei an ähnliche, bereits bestehende Fremdsprachenprojekte wie etwa das "France-Mobil" an, und war bereits in Werder und Fürstenwalde zu Besuch. Nächste Station nach Frankfurt ist Neuzelle.

"Unser Ziel ist es, das Interesse für die polnische Kultur und Sprache zu wecken und zu stärken", erklärt Projektleiter Martin Kujawa. Zielgruppe seien insbesondere Schulen, an denen bislang kein Polnisch angeboten wird. Aber auch Einrichtungen, die bereits über ein umfangreiches Polnisch-Angebot verfügen, könnten profitieren. Wie etwa das Karl-Liebknecht-Gymnasium in Frankfurt.

In dem städtischen Gymnasium arbeiteten Martin Kujawa und sein Team am Montag zunächst mit Siebtklässlern, später auch mit Schülern der Grundschule Mitte. In verschiedenen Workshops vermittelten die Projektmitarbeiter den Kindern und Jugendlichen dabei auf spielerische Art und Weise Wissenswertes über Land und Leute, und die polnische Sprache. In einer Arbeitsgruppe etwa erfuhren die Teilnehmer, dass Polen 16 Woiwodschaften (vergleichbar mit den deutschen Bundesländern) hat, Gniezno die erste Hauptstadt des Landes war, und warum Danzig als Ausgangspunkt der Demokratiebewegung Polens in den 1980er-Jahren gilt.

Auf seiner Bildungsreise durch Brandenburg hält der Polski Express in zwölf verschiedenen Städten. "Wir wollen die Zeit nutzen, um erste Erfahrungen zu sammeln", so Kujawa. Er hofft, dass das Projekt auch bald in anderen Bundesländern angeboten werden kann. Noch würden dafür jedoch die finanziellen Mittel fehlen. "Bislang haben wir sehr positive Rückmeldungen bekommen. In Werder an der Grundschule, wo bislang kein Polnisch angeboten wird, wollten viele der Schüler gleich mit ihren Eltern nach Polen fahren".

Am Karl-Liebknecht-Gymnasium war der Besuch des Polski Express' nur eine von vielen Aktionen, die bis Mittwoch an der Schule angeboten werden und in denen sich die Schüler verschiedenen Themen rund um die deutsch-polnische Zusammenarbeit widmen. Anlass ist der 17. Juni 1991, der Tag, an dem Deutschland und Polen ihren Nachbarschaftsvertrag unterzeichneten. Die neunten Klassen der Schule gestalten am heutigen Dienstag unter anderem ein Planspiel. Am Mittwoch besuchen Schüler der Jahrgangsstufe Elf außerdem die Polnische Botschaft in Berlin. Unterstützt und begleitet wird die Schule während der Aktionstage unter anderem von der Polnischen Botschaft, dem Deutsch-Polnischen-Institut und dem Collegium Polonicum.

Polnisch hat am Karl-Liebknecht-Gymnasium eine lange Tradition. Bereits zu DDR-Zeiten wurde es als dritte Fremdsprache angeboten, nach der Wende dann als zweite Fremdsprache. Seit 1992 gibt es in der gymnasialen Oberstufe jeweils zudem eine Klasse pro Jahrgang mit Schülern aus Polen. Von den deutschen Schülern lernen laut Hannelore Heinemann, Fachleiterin für Polnisch und seit 1980 an der Schule, rund 200 Schüler die polnische Sprache. "Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr", sagt Heinemann. Am Liebknecht-Gymnasium gibt es derzeit sechs Polnisch-Lehrer, darunter fünf Muttersprachler.

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