Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Beim Jugendforum "Wir verändern Schwedt" im Kosmonaut bekommen junge Ideen Höhenflüge

Stadtumbau in Kinderhand

Stadtspieler: Am Tisch 9 werden Träume für einen jungen Stadtumbau auf den Stadtplan gebracht. Mitspieler sind hier Jeremy Stratmann, Maxine Stein, Hendrik Brombeer, John Meiner und Manuel Zimmermann (v. l.) von der Schwedter Dreiklang-Oberschule.
Stadtspieler: Am Tisch 9 werden Träume für einen jungen Stadtumbau auf den Stadtplan gebracht. Mitspieler sind hier Jeremy Stratmann, Maxine Stein, Hendrik Brombeer, John Meiner und Manuel Zimmermann (v. l.) von der Schwedter Dreiklang-Oberschule. © Foto: Stefan Csevi
Dietmar Rietz / 18.06.2014, 09:21 Uhr
Schwedt (MOZ) Kinder an die Macht, hatte Grönemeyer 1985 gesungen und die Nation stimmte lauthals ein. "Wir verändern" Schwedt", klingt fast 30 Jahre später vielleicht etwas braver, ist aber als Motto des Jugendforums zum kleinen Stadtumbau in der Hand junger Leute für Schwedt nahezu revolutionär.

Knapp zwei Dutzend Schüler der Dreiklangschule und des Gauß-Gymnasiums haben sich am Montagnachmittag im "Kosmonaut" an Tische gesetzt, um ihre Ideen für den Stadtumbau mit jungem Charme auf Höhenflug zu schicken. Als Bürgermeister Jürgen Polzehl sich am Nachmittag ihre überraschend vielfältigen Ideen anhört, entfährt ihm scherzend: "Um alles zu verwirklichen, bräuchte ich ein Gelddruckmaschine im Rathauskeller." Man muss Unmögliches denken, um das Mögliche zu erreichen, oder?

Jeremy Stratmann, Maxine Stein, Hendrik Brombeer, John Meiner und Manuel Zimmermann, allesamt Schüler an der Schwedter Dreiklang-Oberschule, haben Spaß am jungen Stadtumbau gefunden. Sie wollen sich ihre Stadt nicht länger nur von Erwachsenen planen lassen, selbst mitreden. "Die Stadt muss ihr Image als Rentnerstadt ablegen", ist aus ihrer Schülerrunde zu hören. Sie müsse aufgepeppt werden. Mit einem Freibad am Schloss Monplaisir oder einem Minibad am Waldrand. Mit einem Rotationssportplatz, der für jedermann offen ist. Mit einer Graffitiwand am Aquarium, wo legal gesprüht werden kann. Mit einem Pavillon als ungezwungenem Jugendtreff. Mit einem Jugend-Cafe am Waldrand. Einer Go-Kart-Bahn in der Nähe des Oder-Centers. Mit dem Umbau der verfallenden Uckermark-Passagen zur Mehrzweckhalle für Großkonzerte und einer Messehalle für die Inkontakt, die nach Meinung der Schüler an den Ubs. schon aus allen Nähten platzt.

Dreiklang-Schulleiter Matthias Schreck ist begeistert von seinen Schülern: "Sie haben wohl nur darauf gewartet, gefragt zu werden."

Am Tisch 3 sitzen Gauß-Gymnasiasten. Auf ihrem Stadtspielplan blitzt frech ein rotes Knete-Herz. Was ist das? - "Ein Puff!" Wessen Kopf diese bizarre Idee entsprungen ist, wird nicht verraten. Eine Schnapsidee, wird gewitzelt. "Wenn junge Leute in der Stadt bleiben sollen, müssen wir auch extreme Ideen denken", argumentiert Konstantin Pancenko. Auch er wünscht sich unter anderem eine Go-Kart-Bahn. Leonie Klein hat mit Knetefiguren neue Außenanlagen am Aquarium platziert und ein Café am Waldrand. Konstantina Döhring plädiert für einen Grill- und einen coolen Zeltplatz.

Benjamin-Julien Kempin meint allerdings: "Wir müssen größer denken in der Stadt, wenn junge Leute nach der Schule hier bleiben sollen." Die bisherigen Sport- und Freizeitprojekte würden ihrer Ansicht nach das Abwandern doch höchstens kurzfristig stoppen, fügt Ariett Stoffregen hinzu. Irina Sud schlägt in die gleiche Kerbe: "Nur mit ,Ich wünsche mir mal' erreichen wir doch nichts, was wirklich bleibt." Die Gaußianer sind sich einig: Eine gute Berufsschule und eine Technische Universität in der Stadt könnten mehr junge Leute in der Stadt halten, wenn es dann anschließend noch gute bezahlte Jobs in den Betrieben in der Heimat gibt.

Am 22. Mai hatten die Stadtverordneten den Bau der Freizeit- und Erlebniszone am Kanal beschlossen. Im ersten Bauabschnitt sollen unter anderem ein Jugend-, ein Spiel- und ein Badeufer entstehen. Das hatte zuvor schon zu Konflikten mit Anwohnern geführt. Jetzt ist geplant, mit Jugendlichen während einer Projektwoche vom 30. Juni bis 4. Juli erste Maßnahmen am Ufer zu realisieren.

Am Donnerstag um 16.30 Uhr, lädt der Bürgermeister zum Gespräch über die Ufergestaltung am Bootsweg (Höhe Uferradweg) ein. Er wird mit Stadtplanern und Landschaftsarchitekt Frank Buck Fragen dazu persönlich beantworten. Anhand aktueller Planunterlagen können sich Interessierte über den ersten Bauabschnitt informieren.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG