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512 Schweine, 2000 Ferkel

Nadja Voigt / 21.06.2014, 07:39 Uhr
Reichenow (MOZ) Die Vergrößerung der Mastanlage in Reichenow schlägt Wellen. Nicht nur die Bürgerinitiative und die Behörden beschäftigen sich damit, sondern auch die Lindhorst-Unternehmensgruppe als Besitzer und die Schlösser GmbH als unmittelbarer Nachbar.

"Es handelt sich bei der geplanten Mastanlage um keinen Neubau, sondern um die Umnutzung eines alten Rinderstalls", versucht Jürgen Lindhorst die Wogen zu glätten. Der Vorstandsvorsitzende der JLW Holding AG, zu der die Landwirtschaftsgesellschaft Reichenow gehört, versichert, es sei vor allem sein Anliegen, dass alte Ställe nicht verfallen. Sofern das möglich ist. In Herzhorn habe man sich beispielsweise für einen Rückbau entschieden, sagt Lindhorst. Und zerstreut damit Gerüchte, dort würden alte Stallungen neu genutzt.

In Reichenow ist es ein alter Kuhstall, der nun als Schweinestall genutzt werden soll. Das Verfahren dazu läuft, sagt Jürgen Lindhorst auf MOZ-Nachfrage. "Wir haben für alle unsere Standorte Nachnutzungskonzepte entwickelt", erklärt der Unternehmer aus Winsen, dessen Unternehmensgruppe in den Geschäftsfeldern Landwirtschaft, Immobilien und Pflege- bzw. Gesundheitszentren tätig ist. So zum Beispiel auch für eine alte Stallanlage in Haselberg, die ebenfalls umgenutzt werden soll. Dort werden über 500 Sauen eingestallt werden. "Die Arbeiten dazu beginnen gerade", sagt Lindhorst weiter.

Im Fall von Reichenow, wo bereits Schweine untergebracht sind, ein weiterer Stall an einen landwirtschaftlichen Lohnunternehmer verpachtet ist und sich ein Pferdestall befindet, sollen demnächst 512 Mastschweine und 2000 Ferkel hinzukommen. "Für heutige Verhältnisse keine Größenordnung", so der Unternehmer. Auch sei nicht, wie von der Bürgerinitiative "Uns stinkts schon lange" befürchtet, der Bau einer Biogasanlage geplant. "Die Schweinemastanlage in Reichenow wird seit vielen Jahren betrieben. Nach unseren Informationen gab es in der Vergangenheit vereinzelte Beschwerden bei unseren Hotelpächtern. Diese bezogen sich vor allem auf ein Dung-Sandgemisch, dass von einfahrenden Traktoren auf den umliegenden öffentlichen Straßen verteilt wurde. Vereinzelt kam es auch zu Geruchsbelästigungen im Nahbereich des Schlosses", teilt Detlef Laubinger von der Brandenburgischen Schlösser GmbH mit. "Es kann sich sicherlich jeder vorstellen, dass Hochzeitspaare am schönsten Tag ihres Lebens ihren Gästen keinen aufdringlichen Schweinestallgeruch zumuten möchten. Für uns als Verpächter des Schlosses Reichenow ist es wichtig, die Beeinträchtigungen der Bewohner und Besucher der denkmalgeschützten Schlossanlage Schloss Reichenow durch Schmutz, Geruch und Lärm so gering wir möglich zu halten."

Dass es in ländlichen Regionen aber auch landwirtschaftlich zugeht, werde jedem einleuchten, so Laubinger weiter. Dagegen sei auch nichts einzuwenden. "Wir wünschen uns einen angemessenen und fairen Umgang miteinander. Die Landwirtschaft zu stärken, sollte allen Landbewohnern am Herzen liegen. Und allen Beteiligten sollte auch klar sein, dass der Tourismus immer wichtiger wird und gerade für wirtschaftlich schlecht entwickelte Regionen eine echte Chance birgt, die auch kommenden Generationen das Einkommen sichert", sagt Laubinger.

Derzeit setzt die Schlösser GmbH im Schloss Reichenow ein neues Brandschutzkonzept um. Diese Umbauten wurden durch veränderte gesetzliche Bestimmungen erforderlich, erklärt der Immobilienfachwirt weiter. "Die Investitionen, als Verpächter werden wir in diesem Jahr 700 000 Euro in die Anlage investieren, kommen ortsansässigen Firmen zugute. 2015 wird das Schlosshotel neu eröffnet."

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