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Eine nicht alltägliche Büroservice-Firma

In erster Linie Jobs für Behinderte

Roland Becker / 24.06.2014, 01:55 Uhr
Hennigsdorf (MZV) Noch ist das im vorigen Jahr von Jenny Riedel gegründete Unternehmen Mobile Office Management ein sehr kleines Unternehmen. Doch die seit wenigen Monaten in Hennigsdorfs Blauen Wunder beheimatete Firma fällt schon jetzt auf: In ihr arbeiten nur Menschen mit Behinderungen.

Die 29-jährige Bürokauffrau, die selbst an einer seltenen angeborenen Erkrankung der Atemwege leidet, wagte im Juli 2012 als Einzelkämpferin mit ihrem Büroservice den Sprung in die Selbstständigkeit. Wobei sie das gar nicht als ein so großes Wagnis empfand: "Ich stamme aus einer Unternehmerfamilie. Ich habe keine Hemmungen, bin diszipliniert und zielstrebig."

Mittlerweile hat die Leegebrucherin bereits zwei Mitarbeiterinnen. Sowohl Kerstin Lüdtke als auch Andrea Scholz-Thom sind ebenfalls schwerbehindert. Natürlich werden sie in ihrem Job gefordert und müssen ihre Arbeit machen. Doch wenn Andrea Scholz-Thon, die ein Rückenleiden hat, einfach nicht mehr sitzen kann und eine Pause braucht, trifft sie kein schiefer Blick ihrer Chefin.

Jenny Riedel hat selbstverständlich all die Möglichkeiten genutzt, die der Gesetzgeber denen bietet, die Behinderte einstellen. Sie hat dabei aber auch die Schwierigkeiten in Kauf genommen, die die dafür nötigen Antragstellungen in Anspruch nehmen. So kann es schon mal mehr als ein paar Wochen dauern, ehe das zuständige Landesamt über den Kauf eines für Behinderte geeigneten Bürostuhls entschieden hat.

Mittlerweile ist auch der eingetroffen. Und so können die drei Damen ihre Jobs verrichten. In erster Linie geht es darum, für andere Firmen die Büroarbeit zu verrichten. Vor allem kleine Unternehmen, die teilweise keine eigene Sekretärin anstellen können, greifen gern auf das Angebot zurück. Rechnungen und Mahnungen zu schreiben, Reisen zu organisieren und abzurechnen oder aber Präsentationen vorzubereiten - das Trio im Blauen Wunder löst solche Probleme. Wenn es darum geht, Drucksachen herstellen zu lassen, greift Riedel gern auf die Arbeit in Behindertenwerkstätten zurück.

Ein Teil der Arbeit können die Angestellten auch von Zuhause aus erledigen, Telefondienste für andere Firmen zum Beispiel. Das hat den Vorteil, dass sich Scholz-Thon in den Zeiten, wenn das Telefon nicht klingelt, auch mal hinlegen kann, wenn die Schmerzen zu stark sind.

Natürlich soll und muss die Firma dennoch florieren. Riedels Ziel ist ein Unternehmen mit gut einem Dutzend Mitarbeiter. Interessenten gibt es genug. Für einen derzeit noch in Ausbildung befindlichen jungen Mann im Rollstuhl hat die Chefin schon mal den Weg vom Bahnhof zum Büro auf Behindertentauglichkeit getestet.

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