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Geschäftsführung des Jugenddorfes ist erschüttert vom Unfalltod eines Schülers / Betrieb geht weiter / Neue Klassen reisen an

Der schwierige Weg zur Normalität

Reparieren unter Hochdruck: Bauarbeiter erneuern die Stufen einer der beiden Treppen zum Badeplatz in der EJB Werbllinsee. Dabei handelt es sich nicht um die Treppe, in deren Nähe am vergangenen Montag ein Junge tödlich gestürzt ist.
Reparieren unter Hochdruck: Bauarbeiter erneuern die Stufen einer der beiden Treppen zum Badeplatz in der EJB Werbllinsee. Dabei handelt es sich nicht um die Treppe, in deren Nähe am vergangenen Montag ein Junge tödlich gestürzt ist. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 02.07.2014, 18:56 Uhr - Aktualisiert 03.07.2014, 17:47
Joachimsthal (MOZ) Zwar deuten abgesperrte Bereiche auf den tragischen Tod des zwölfjährigen Jungen hin, der in der Nähe einer Treppe zum See verunglückte. Dennoch versuchen die Mitarbeiter der Freizeitstätte am Werbellinsee den normalen Betrieb aufrechtzuerhalten.

Wer es nicht besser weiß, könnte meinen, es finden am Dienstag ganz alltägliche Aufräum- und Sanierungsarbeiten auf dem 105 Hektar großen Waldgrundstück der Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte (EJB) am Werbellinsee statt. Es ist angenehm warm, die Vögel zwitschern, Kinder baden, Lehrerinnen sitzen im Schatten der hundert Jahre alten Bäume.

Dennoch ist in der vergangenen Woche am Montag ein Junge aus dem Kreis Havelland auf Klassenfahrt neben einer Treppe hingefallen und verletzte sich bei dem Sturz so stark am Hals, dass er noch am Unfallort starb. Gegen den Betreiber wird nun, laut Staatsanwaltschaft, wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. In einer Pressemitteilung von diesem Mittwoch bedauern Geschäftsführung und Mitarbeiter den Tod des Jungen zutiefst.

Und auch, wenn die Kinder an diesem Tag ausgelassen ihre Ferien genießen, wissen sie von dem Unfall. "Zu den Auflagen gehört, dass wir jeden Gast darüber informieren", sagt Mona Berghof, Pressesprecherin der Einrichtung. Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung der EJB hatte nach dem Tod Stolperfallen auf dem Areal festgestellt. Und Auflagen erteilt, die bei Nichterfüllen zur Sperrung der Einrichtung geführt hätten. Da die Mängel innerhalb der festgesetzten Frist bis Dienstag beseitigt wurden, darf das Jugenddorf weitermachen. Laut eigener Pressemitteilung, sei die EJB aber überzeugt davon, dass die beanstandeten Mängel bei einer üblichen Kontrolle nicht zur Androhung der Schließung geführt hätten.

Im Rahmen der Maßnahmen wurde ein Brunnen versiegelt, Totholz und Baumstümpfe beseitigt und die beiden Treppen, die zum See führen, gesperrt. Rund 80 Helfer haben sich daran beteiligt, das Gelände sicherer zu machen. Darunter Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, Handwerksbetriebe, Gärtner und Hausmeister der Einrichtung, sagt Berghof. "Von uns haben wir so viel Personal wie möglich zum Mithelfen eingesetzt."

Während der Begehung des Geländes haben Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass keine Fotos vom Unfallort gemacht werden dürfen. Jedoch könne er begutachtet werden. Später heißt es, "aufgrund laufender Ermittlungen" sei dies doch nicht gestattet. Lediglich die ebenfalls abgesperrte circa hundert Stufen lange Treppe dürfe angeschaut werden. So geht es den einzig verbliebenen Weg von den Herbergshäusern zum See hinab. Vom Fuße des Hügels ist eine Treppe zu sehen, die aus flachen Stufen und einem Eisengeländer besteht. Daneben Laubbäume, die auf mäßig abschüssigem Gelände wachsen.

Während Mädchen und Jungen auf einem niedrig gespannten Seil zwischen den Bäumen balancieren, sind die Bauarbeiten an der Treppe und drum herum im vollen Gange. Ein Dutzend Männer wechseln die Steinplatten der Stufen aus und stutzen Bäume. Zur Frage, ob es am Unfallort ähnlich aussehe, dürfe sie keine Antwort geben, sagt die Pressesprecherin.

100 000 Übernachtungen hatte die EJB laut Geschäftsführer Reinhard Meier im vergangenen Jahr zu verzeichnen. Momentan befänden sich rund 500 Gäste aus ganz Europa in der Einrichtung am Werbellinsee. Der Pressesprecherin zufolge sind die Gäste trotz des Todesfalls geblieben.

Trotzdem, erklärt Meier schriftlich, würden sich die Anrufe besorgter Gäste häufen. "Aber ich kann jedem Gast, dessen Aufenthalt bevorsteht, versprechen, dass wir alle Leistungen wie vereinbart erbringen."

Eine 7. Klasse der Wilhelm-Conrad-Röntgen-Gesamtschule aus Zepernick (Panketal) ist erst Anfang dieser Woche für einen Workshop angereist. Lehrerin Heike Anter sagt: "Das Unternehmen muss nicht schuld sein, es könnte auch ein tragischer Unfall gewesen sein." Joel Rademacher (12) hatte vor der Fahrt ein ungutes Gefühl. "Aber die gefährliche Stelle ist ja abgesperrt," so Sarah Sucher (14). Kimberly Hagedorn (13) berührt es tief, dass der Junge bei der Klassenfahrt verunglückt ist: "Er war hier, um Spaß mit seinen Freunden zu haben - und ist gestorben."

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