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Geschwisterpaar aus Zoo verabschiedet sich von Hotel Mama / In Wildtierstation soll es fliegen lernen

Storchenkinder werden flügge

Für vorlaute Teenager gibt´s Schnabelverbot: Sandra Jagdmann und Anja Seiferth haben die jungen Weißstörche im Griff.
Für vorlaute Teenager gibt´s Schnabelverbot: Sandra Jagdmann und Anja Seiferth haben die jungen Weißstörche im Griff. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 05.07.2014, 06:58 Uhr
Eberswalde (MOZ) Bald ist es soweit: Zwei junge Störche aus dem Zoo Eberswalde werden am Freitagvormittag in die Wildtierstation in Melchow gebracht. Dort sollen sie von anderen Störchen das Fliegen lernen, um im August auf ihre erste große Reise über Gibraltar nach Afrika zu gehen.

Die große Freiheit ist schon zum Greifen nah. Doch zunächst müssen sich die beiden jungen Weißstörche noch ein wenig gedulden. Bevor es in die von Andreas Valentin geführte Wildtierstation für krankes und schwaches einheimisches Wild geht. Dort dürfen sie dann nach Herzenslust auf der Wiese hüpfen, in der großzügigen Voliere den Flügel-Bizeps trainieren und professionell Fliegen lernen.

Bis dahin heißt es für die Teenager aber erst mal Klappe halten. Denn in den vergangenen Tagen haben sie schon die ein oder andere Spitze verteilt. Einen Tierpfleger hat es gleich sechs Mal erwischt. Er zeigt auf seinen Unterarm. "Hier hat einer ordentlich reingepickt", sagt er.

Damit die Auszubildende Sandra Jagdmann und Anja Seiferth (Freiwilliges Ökologisches Jahr) nicht das gleiche Schicksal ereilt, halten sie den Störchen die Schnäbel zu, bevor sie diese in die Transportkisten stecken. Denn bei ihnen hätte ein Storchenbiss weitaus größere Folgen, als nur eine kleine Verletzung, berichtet Zoodirektor Bernd Hensch schmunzelnd. Und bezieht sich dabei auf die Geschichte vom Klapperstorch, die im 19. Jahrhundert gerne rumerzählt wurde. In ihr bringt bekannterweise der Storch die Kinder und beißt der Mutter ins Bein, sodass sie ein paar Tage das Bett hüten muss.

Aufgewachsen ist das Geschwisterpaar in nicht alltäglichen Verhältnissen. Denn seine Eltern teilen ein trauriges Schicksal. "Beide sind vor zehn Jahren kurz hintereinander in eine Hochspannungsleitung geknallt und haben sich jeweils einen Flügel abrasiert", erinnert sich Zoodirektor Hensch. "Leider kommt so etwas öfter vor. Entweder ist der Flügel dann gleich abgetrennt oder so stark verletzt, dass er später amputiert werden muss."

Hensch bedauert es, dass wie in diesem Fall meistens Menschen verantwortlich für derartige Verletzungen bei Tieren sind. Da sie immer weiter in den natürlichen Lebensraum der Tiere eindringen. "Wir Menschen bauen solche Stromleitungen und tragen die Schuld an solchen Unfällen", sagt er.

Und das wollte Hensch stellvertretend wieder gut machen. Deshalb nahm er die Weißstörche mit Handicap auf. "Wir entschieden uns, sie mit den Flamingos zusammenzubringen", erzählt Hensch weiter. Und die Wohngemeinschaft mit den unterschiedlichen Charakteren auf einer im Zoo gelegenen idyllischen Insel funktionierte von Anfang an bestens. Während die Rosa-Clique ein Fußbad im See nimmt, flanieren die Elternstörche am Ufer entlang oder genießen vom Nest aus die Aussicht.

Das gemütliche Eigenheim hat der Zoodirektor ihnen errichten lassen. "Normalerweise bauen Störche hochgelegene Nistplätze", sagt Hensch. Doch da das Storchenpaar nicht fliegen kann, befindet sich ihr Horst Hochparterre, den sie zu Fuß über eine Leiter erreichen können.

"Nachdem das Paar schon mal gebrütet hat, die Eier aber unbefruchtet blieben, hat es nun geklappt. Die Küken sind im März geschlüpft", freut sich Hensch.

Nun wird es höchste Zeit, dass die beiden Jungtiere das Hotel Mama verlassen. Denn da das Futter wie Fische, Würmer und tiefgefrorene Küken im Zoo via Lieferservice kommt, füttern die Eltern ihre Kinder immer noch durch. In der Wildtierstation aber können die Teenager im geschützten Raum lernen, sich ihr eigenes Futter zu beschaffen.

"Außerdem sind sie gestern flügge geworden. Bisher allerdings erst im Tiefflug, mehr können sie noch nicht", so der Zoodirektor. Darüber hinaus eignet sich der Zoo nicht für Höhenflüge. Bäume versperren den Weg nach oben, in den Gehegen lauern die Tiger. Deshalb geht es nun zum Studium in die Wildtierstation und von da aus in die weite Welt.

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