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Vor fünf Jahren hat Bernhard Haselmaier das alte Papierfabrik-Gelände in Spechthausen ersteigert / Viel Arbeit liegt noch vor ihm

Endlos ist noch zu kurz

Geliebtes Stück: In seinem Wohnmobil Marke Eigenbau übernachtet Bernhard Haselmaier, wenn er am Wochenende auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik in Spechthausen ist. Das Gefährt hat er 2011 abgemeldet, fahrtüchtig ist es allerdings noch.
Geliebtes Stück: In seinem Wohnmobil Marke Eigenbau übernachtet Bernhard Haselmaier, wenn er am Wochenende auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik in Spechthausen ist. Das Gefährt hat er 2011 abgemeldet, fahrtüchtig ist es allerdings noch. © Foto: MOZ/Katrin Hartmann
Katrin Hartmann / 06.07.2014, 06:45 Uhr
Spechthausen (MOZ) Bernhard Haselmaier hat einen Traum: Er will aus dem alten Gelände der ehemaligen Papierfabrik ein Kultur- und Innovationszentrum erschaffen. Was er sich damit für ein Mammut-Projekt auferlegt hat, merkt er an jedem Wochenende.

"Fertig ist hier noch lange nichts. Wahrscheinlich brauche ich dafür noch 20 Jahre. Aber dann gibt es schon wieder neue Sachen, die sanierungsbedürftig sind." Mit einem Lächeln schmiert sich Bernhard Haselmaier Aufstrich auf das Brötchen auf dem Frühstückstisch im Innenhof der ehemaligen Papierfabrik in Spechthausen. Von den Bewohnern des Geländes wird der 49-Jährige nur Barnie genannt. "Ich stelle mir hier ein Kultur- und Innovationszentrum vor", sagt er. Mit am Tisch sitzen drei Bewohner. Ihre Namen wollen sie nicht nennen. "Ich will nicht, dass soviel Trubel gemacht wird", sagt Bernhard Haselmaier.

Seit 2009 ist er Besitzer des Geländes der alten Papierfabrik in Spechthausen. "Ich hab das Gelände damals mit meinem Kumpel Thomas ersteigert." Nach einiger Zeit wurde es ihm allerdings zu viel und er sprang ab. "Und dann saß ich da, mit diesem riesigen, verfallenen Gelände", sagt er.

Fast fünf Hektar umfasst das Gelände. Das entspricht einer Größe von ungefähr zehn Fußballfeldern. Mehrere große Lagerhallen sowie ein Fabrikturm erinnern an noch geschäftigere Zeiten. Erbaut wurde die ehemalige Papierfabrik im 18. Jahrhundert aus einer alten Mühle. Damals wurden dort Banknoten und Wertpapiere aus handgeschöpftem Papier hergestellt, welches mit einem Specht versehen war. In den fünfziger Jahren wurde die Produktion nach Wolfswinkel in Finow verlegt. Später nutzte die Nationale Volksarmee der DDR das Gelände als Lagerhalle. Nach dem Mauerfall verfielen die Hallen und Gebäude. 2009 ersteigerte Haselmaier dann mit seinem Freund das Gelände. Den Preis will er lieber für sich behalten.

Auf dem Gelände gibt es viel zu entdecken. Hinter dem Eingangstor steht ein großes Trampolin. Der Innenhof zwischen den alten Hallen und dem Herrenhaus ist gesäumt von allerlei Mitbringseln und Fundstücken. Darunter ein abgesessener Autositz, alte und neue Plastikstühle, Dinge, die im Laufe der Zeit angehäuft wurden. Auf der rechten Seite aus Richtung des Eingangs häuft sich ein riesiger Stapel Holz. Auf einem Skateboard fährt ein Mädchen durch den Hof. Etwas surreal, aber trotzdem charmant, scheint das Leben hier zu laufen. Immer wieder sieht man Leute kommen und gehen. Die meisten grüßen sich. Man kennt sich eben.

Zwischendrin hängen immer wieder Kunst-Objekte an den Wänden der alten Lagerhallen. An einer Wand ist der Schädelknochen einer Kuh befestigt, der mit Holz und Metall verziert ist. Die Objekte wurden von den Bewohnern selbst kreiert.

"Zwei Häuser sind fertig umgebaut und bereits bewohnt." In dem ehemaligen Herrenhaus und der alten Wache leben etwa zehn Leute auf zwei Etagen. "Wir sind keine Kommune", sagt Bernhard Haselmaier nachdrücklich. "Es ist mir wichtig, dass es gemischt ist, denn homogen funktioniert einfach nicht." Zu den Bewohnern gehören alte Freunde des gebürtigen Saarbrückeners, aber auch zahlreiche Studenten.

An der Gestaltung des Geländes beteiligen sich alle irgendwie. An der Rückseite einer Halle fließt die Schwärze entlang. "Das da ist unser Hippie-Beach", sagt Haselmaier und zeigt auf eine liebevoll zusammengeschusterte Ecke an der Schwärze, die mit einem Sonnensegel, alten Sesseln und Sofas bestückt ist. Direkt nebenan liegen das Naturschutzgebiet Schwärzetal Nonnenfließ und die Barnimer Heide. Idyllisch schmiegt sich das teils verfallene Gelände an das Gezwitscher der Vögel. Hinter einer zweiten Halle steht ein alter Bauwagen. Davor sitzt ein Pärchen und genießt auf einer Decke die warmen Sonnenstrahlen. "Wer hier wohnt, kann sich hier künstlerisch verewigen oder Gemüse anbauen", sagt Haselmaier.

Wenn der wohnhafte Berliner am Wochenende vor Ort ist, übernachtet er in seinem alten Wohnmobil Marke Eigenbau, welches er auf dem Innenhof abgestellt hat. "Das Wohnmobil habe ich 2011 abgemeldet. Aber es wäre auch nach 58 Jahren immer noch jederzeit startbereit." Immer wenn er am Sonnabend und Sonntag auf dem Gelände ist, schläft er in dem blau-weißen Mercedes.

Das alte Fabrikgelände ist für Bernhard Haselmaier gleichzeitig Fluch und Segen. "Ich bin fast jedes Wochenende hier und arbeite. Es macht mir Spaß, aber es ist einfach unendlich viel Arbeit." Von den Mietkosten, die er über den Mieten einnimmt, kann er die Ausgaben und Kosten der noch anstehenden Bauarbeiten nicht tragen.

"Die Ausgaben sind weitaus höher als die Einnahmen." Aus diesem Grund steht der Familienvater meist allein oder mit ein paar Freunden in den riesigen Hallen und repariert alte Anschlüsse, streicht die Innenwände und verrichtet Arbeiten, um die einzelnen Bauabschnitte fertigzustellen. Aufgeben - an diesem Punkt stand er schon oft. "Immer wieder kommt so ein Moment, wo man keine Lust mehr hat." Bislang konnte Bernhard Haselmaier sich aber immer wieder besinnen.

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