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Duftender Schmetterlingsschmaus

Aileen Hohnstein / 07.07.2014, 05:00 Uhr
Oranienburg (MZV) Mehr als 80 Kulturen werden in der Biokräuterei Oberhavel angebaut. Und das alles nach ökologischen Standards. Am Sonntag nahmen viele Besucher die Gelegenheit wahr und blickten während mehrerer Führungen am Tag der offenen Tür hinter die Kräuter-Kulissen des Hofes.

Schon mal was vom Drachenkopf gekostet? Was sich nach pikanter Fleischbeilage anhört, ist ein auf den ersten Blick unscheinbar wirkendes Kraut. Im Mund entfaltet es dann aber sein zitroniges Aroma. "Mmh, lecker", entfährt es einer Frau, die sich ein Blättchen von Matthias Anders gegriffen hat und nun langsam darauf kaut. Ein paar Schritte weiter zückt Anders, Inhaber der Biokräuterei Oberhavel, erneut sein Messer. Diesmal geht es einigen Stengeln Multimentha-Minze an den Kragen, die er unter seinen Gästen verteilt. Ihr Geschmack ist noch intensiver als der anderer Minzsorten.

Zum Tag der offenen Tür führt Matthias Anders interessierte Besucher durch seine Felder, die seit Herbst 2006 an der Tiergartensiedlung liegen. Er erzählt von den Besonderheiten der einzelnen Kräuter, gibt immer wieder Kostproben und gibt Einblicke in den Hofalltag. Zum Beispiel, wie sie in diesem Jahr Ärger mit Hasen hatten, die sich über Salate und Kräuter hergemacht haben. Vogelnetze über dem zarten Grün, eine stinkige Mischung aus verrottenden Hornspänen und zu guter Letzt noch eine Duftspur am Wegesrand von Hofhündin Shira schreckten die langohrigen Eindringlinge schließlich ab. Die einzigen, die sich nun während der Führungen über die duftenden Pflanzen hermachen, sind Bienen und Schmetterlinge. Und die sind gern gesehen. "Das ist ja ein richtiger Schmetterlingsschmaus", kommentiert eine Besucherin den flatterhaften Andrang am Beet mit der Zitronenmelisse.

Doch auch, wenn alles am Sonntag so idyllisch aussieht. Ohne einige Verluste geht die Saison auch bei der Biokräuterei nicht vorüber. Da hier nach den Regeln des ökologischen Anbaus gewirtschaftet wird, kommen Pestizide nicht zum Einsatz. Und was Menschen schmeckt, davor machen auch Schädlinge nicht Halt. "Aber in diesem Jahr sind wir sehr zufrieden", sagt Matthias Anders. Aufgrund der milden Witterung konnte die Aussaat schon im März beginnen, Wochen vor dem üblichen Start der Pflanzsaison.

Pläne für die Zukunft gibt es ebenfalls schon. Gemeinsam mit der Genossenschaft BioAnbau Oberhavel soll beim Annagarten in Oranienburg ein großes Gewächshaus gebaut werden. "Wir wollen dann selber Jungpflanzen und Gemüse anziehen", erzählt Anders. So sei man in Zukunft nicht mehr von Zulieferern abhängig und könne den Anbau besser organisieren.

Außerdem wird es wohl auch in einiger Zeit einen Verkauf der Kräuter in Oranienburg geben. Doch wann und wo genau ist noch nicht sicher. Hauptsächlich geht der Großteil der Bioprodukte vom Hof nach Berlin. "Hier ist es etwas schwieriger, die Kräuter zu verkaufen", bemerkt Matthias Anders. Viele hätten einen Garten und bauten sie sich selbst an. Das ist auch immer wieder bei der Führung zu hören. "Ich habe ja zu Hause auch russischen Estragon" oder "Wir bauen Schafgarbe an, ihr auch?" bemerken einige Hobbygärtner. Auf dem Parkplatz ist die Verteilung der Besucher ebenfalls klar ersichtlich: Die Berliner Kennzeichen sind deutlich stärker vertreten als die Oberhaveler. Letztlich eint aber alle das Interesse am leckeren Kraut. Nachdem die Führung bei sommerlicher Hitze beendet ist, treffen sich die meisten Gäste wieder am Hofladen. Dort gibt's Gemüse-Shakes und grüne Soße, die sich alle schmecken lassen.

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