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Ökodorf bittet nach Großbrand um finanzielle Unterstützung - Geld gibt es in Form von Gutscheinen zurück

Brand überschattet Idyll

Den Flammen zum Opfer gefallen: Kraftfutter, große Mengen Heu und Stroh liegen verbrannt über den Boden der Lagerhalle verteilt. Rechts verschmorte Paletten. Das Dach ist zerstört, die Holzbalken schwarz verkohlt.
Den Flammen zum Opfer gefallen: Kraftfutter, große Mengen Heu und Stroh liegen verbrannt über den Boden der Lagerhalle verteilt. Rechts verschmorte Paletten. Das Dach ist zerstört, die Holzbalken schwarz verkohlt. © Foto: MOZ/Anna Fastabend
Anna Fastabend / 11.06.2014, 02:45 Uhr - Aktualisiert 11.07.2014, 00:33
Brodowin (MOZ) Für Ludolf von Maltzan und Team ist es ein großer Rückschlag, dass am Montag in der vergangenen Woche ein Großbrand auf dem Demeterhof ausgebrochen war. Nun bitten sie um finanzielle Unterstützung, die über Warengutscheine zurückbezahlt werden soll.

Das Büro des Geschäftsführers befindet sich entfernt vom eigentlichen landwirtschaftlichen Betrieb in einer eingeschossigen, etwas heruntergekommenen Baracke. In dem kleinen, karg eingerichteten Zimmer kümmert sich Ludolf von Maltzan ums tägliche Geschäft. Der Ort wirkt wie ein Relikt aus alten Zeiten und seltsam konträr zum weitläufigen Hofgrundstück und der gläsernen Molkerei. Draußen flimmert die Hitze, drinnen ist die Luft stickig.

Ludolf von Maltzan, ein großer, schlanker Mann mit grauen Schläfen, trägt praktische Kleidung. Er bietet Wasser an, schenkt das Glas voll. Wirkt gefasst. Übergibt einen Zettel mit Informationen zum Brand und den Kontodaten eines extra eingerichteten Hilfskontos. Dabei ist ihm eins besonders wichtig, so wichtig, dass er es zu Anfang des Gespräches sagt und am Ende wiederholt:"Ich möchte nicht, dass jemand glaubt, wir sammeln Spenden ein. Das wäre vermessen. Es gibt Menschen, denen geht es viel schlechter als uns."

Und fährt fort: "Bei uns handelt es sich um einen finanziellen Engpass. Wir wollen ihn überbrücken, indem uns die Leute eine einmalige Summe zahlen können. Eine Art Vorschuss. Ab Januar 2015 erhalten sie das Geld über fünf Jahre in Form von Warengutscheinen zurück. Jedes Jahr gibt es einen Gutschein, der ein Fünftel der Summe wert ist."

Der Brand in den beiden Lagerhallen hat eine große Menge zerstört. Um den Flammen Herr zu werden, brauchte es über hundert Feuerwehrleute und mehr als 20 Stunden Löscheinsatz. Der finanzielle Schaden für den Betrieb beträgt ganze 1,2 Millionen Euro. Wenn auch die stehen gebliebenen Betonwände von der Hitzeeinwirkung in Mitleidenschaft gezogen wurden, dann ist er vielfach höher, so von Maltzan. Vieles ist den Flammen zum Opfer gefallen. Ein Kälbchen starb an Rauchvergiftung. Die Schrotmühle zur Futterherstellung wurde vernichtet, die Mischanlage zur Zusammenstellung des Futters und ein Muldenkipper. Außerdem "rund 82 Tonnen Kraftfutter, darunter Winterroggen, Sommergerste und Sojaschrot. 1700 Quaderballen Stroh, 60 Ballen gehäckseltes Heu". Und damit das gesamte auf dem Hof selbst angebaute Kraftfutter für die eigenen 450 Kühe. Ein Verlust, der für den Demeterhof auch durch Zukauf schwer zu kompensieren ist, da nicht viele Höfe nach den strengen Demeterregeln anbauen. Deshalb ist der Geschäftsführer erleichtert darüber, dass die Ernte noch bevorsteht.

Während er mit dem Taschenrechner die vernichtete Futtermenge zusammenrechnet, geht das Leben auf dem Hof seinen normalen Gang. Kälbchen saugen an der Flasche, Kühe ruhen sich im Stall aus. Im Hofladen wird Eis und Gemüse verkauft. In dieser Idylle wirken die abgebrannten Hallengerippe wie ein Fremdkörper. Der beißende Geruch in der Luft auch.

Dass es sich um Brandstiftung und keinen technischen Defekt handelt, hat die Polizei mittlerweile herausgefunden. Ob das Feuer wegen Fahrlässigkeit oder gar Vorsätzlichkeit ausgebrochen ist, wird derzeit geprüft. "Wenn es absichtlich war, wäre ich unendlich traurig. Ich hab in den letzten Tagen noch steif und fest behauptet, es war keine Brandstiftung", sagt von Maltzan. Dann sagt er: "Wir sind gerade ein super Team, alle machen sehr engagiert ihre Arbeit. Ich schließe aus, dass es jemand von den aktuellen Mitarbeitern war." Die große Anteilnahme und Hilfsbereitschaft von Landwirten, Dorfbewohnern und Kunden gebe ihnen aber Kraft.

Ökodorf Brodowin GmbH & Co. Vertriebs KG, GLS Bank, Kontonummer: 111 0022 600, Bankleitzahl: 430 609 67, Verwendungszweck: "Hilfe für Brodowin".

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