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Die Stadt begeht mit zahlreichen Veranstaltungen das Mauer-Jubiläum und erwartet einen Besucherrekord

Berlins emotionalster Fall

© Foto: Daniel Bueche
Maria Neuendorff / 10.07.2014, 20:41 Uhr
Berlin (MOZ) 8000 leuchtende Ballons werden am 9. November in den Himmel geschickt. Die Lichtinstallation, die den ehemaligen Grenzverlauf zwischen West- und Ost-Berlin nachzeichnet, soll aber nur der emotionale Höhepunkt der zahlreichen Veranstaltungen zum 25. Jahrestag des Mauerfalls sein.

Für Siegbert Schefke begann der Mauerfall mit der Pressekonferenz von Günter Schabowski im DDR-Fernsehen. Mit einem Freund macht sich der Eberswalder am 9. November 1989 zur Grenze an der Bornholmer Straße auf. Doch die Grenzposten lassen die beiden und rund 60 Gleichgesinnte trotz der überraschend angekündigten "Reisefreiheit" nicht passieren.

Schefke, der schon Videoaufnahmen von Leipziger Montagsdemos heimlich an West-Sender geschickt hat, fragt immer wieder nach, drängelt und schiebt so lange, bis plötzlich ein Gittertürchen aufgemacht wird. Schefke und sein Freund gehören zu den ersten, die ohne Visum "rüber" dürfen. Er bekommt einen dicken Stempel in seinen Ausweis, quer über das Foto - was soviel heißen soll wie: Rückkehr ungewiss.

25 Jahre später sollen Schefkes persönliche Erlebnisse Teil der Ausstellung "Mauergeschichten" werden. Die Robert-Havemann-Gesellschaft will im Herbst entlang des ehemaligen Grenzstreifens 100 Schautafeln aufstellen. "Wir wollen mit ihnen zeigen, dass die DDR kein Spuk war, der durch eine Party beendet wurde", sagt der Bürgerrechtler Tom Sello von der Havemann-Gesellschaft. Sondern eine Diktatur, für deren Ende Menschen Risiken in Kauf nehmen, ihre Ängste überwinden mussten.

Und so soll auch von jedem der 8000 leuchtenden Ballons, die den früheren Grenzverlauf in Berlin nachzeichnen werden, eine persönliche Botschaft ausgehen. Dafür werden nach der Senats-Sommerpause 8000 Paten gesucht, die einen Bezug dazu haben. Ihre Anknüpfungspunkte, Statements und Botschaften sollen auch im Internet nachzulesen sein.

Das Band aus mit Helium gefüllten weißen Ballons wird sich drei Tage lang über eine Strecke von 15,3 Kilometern ziehen. "Sie führt von der Bornholmer Brücke im Norden über den Mauerpark, das Brandenburger Tor, den Potsdamer Platz und den Checkpoint Charlie sowie die East Side Gallery bis zur Oberbaumbrücke im Südosten", erklärt Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin GmbH. Die hat schon Erfahrung mit dem Visualisieren des ehemaligen Grenzverlaufs. Zum 20. Mauerfalljubiläum vor fünf Jahren ließen die Feier-Planer 1000 Dominosteine auf der Strecke umfallen.

Am Abend des diesjährigen 9. November sollen die Ballonpaten die Lichtkegel manuell in den Himmel aufsteigen lassen. Die Leuchtballons sollen auch an die Ostdeutschen erinnern, die im Herbst 1989 mit Kerzen auf die Straße und in die Kirchen gingen. Den musikalischen Countdown dafür gibt Dirigent Daniel Barenboim mit der Staatskapelle Berlin.

Das Spektakel soll vom Fernsehen live übertragen werden. Dann wird die Welt erneut nach Berlin schauen. So wie damals, als Ost- und Westdeutsche plötzlich gemeinsam auf der Mauer tanzten, sich vor Freude weinend in den Armen lagen und mit Sektflaschen auf dem Kudamm anstießen.

Doch die Welt wird auch in Berlin erwartet. Die Tourismus-Experten rechnen vom 7. bis 9. November mit dem stärksten Besucher-Wochenende in einem November in der Geschichte der Stadt. "Die Gäste wollen aus erster Hand erleben, wie die Stadt und ihre Bewohner die einmalige historische Chance genutzt haben, die sich ihnen vor einem Vierteljahrhundert bot", sagt Burkhard Kieker, Geschäftsführer von visitBerlin. Die weltweite Anziehungskraft der Marke Berlin sei untrennbar mit dem Freiheitsdrang und der Kreativität ihrer Bewohner verbunden. "Beide haben ihren Ausgangspunkt in jener Novembernacht, als die Mauer fiel", so Kieker.

Auf der Internetseite von visitBerlin wird auch für andere Veranstaltungen rund um das Jubiläum geworben. Gedenkstätten, Museen und Vereine planen Ausstellungen, Theaterstücke, Gespräche mit Zeitzeugen, Audio-Spaziergänge oder Spreetouren zur Mauer sowie einen 100-Meilen-Mauer-Lauf, kündigt Organisator Moritz van Dülmen an.

Am 9. November selbst wird Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die neue Dauerausstellung der Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße eröffnen. Um 11 Uhr ist eine Gedenkandacht in der Kapelle der Versöhnung geplant. Um 16 Uhr lädt dann das Land Berlin zu einem Festakt ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Am Brandenburger Tor soll es ein Fest für die Berliner und ihre Gäste geben. "Wir wollen das historische Datum nicht als Staats-, sondern als Bürgerfeiertag begehen", sagt Senatssprecher Richard Meng. (Mit Adleraugen)

Auf der Internetseite www.berlin.de/Mauerfall2014 gibt es einen Veranstaltungskalender, der regelmäßig aktualisiert wird.

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